Do, 23. November 2017

Umjubelter Auftritt

25.05.2017 14:43

Obama mit Merkel beim Kirchentag in Berlin

Mit einem eindringlichen Appell für Freiheitsrechte und diplomatische Konfliktlösungen hat sich der frühere US-Präsident Barack Obama indirekt gegen den amtierenden, Donald Trump, positioniert. Den Namen seines Nachfolgers erwähnte er bei seinem mit Spannung erwarteten Auftritt beim Evangelischen Kirchentag in Berlin jedoch nicht. Riesiges Lob gab es von ihm einmal mehr für Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel.

Konkret warb Obama am Donnerstag bei einer Diskussion mit Merkel für die Fortsetzung seiner Gesundheitsreform "Obamacare". Diese sei derzeit "insgesamt bedroht", obwohl sie schon 20 Millionen Menschen in den USA eine bessere Gesundheitsversorgung verschafft habe, sagte er vor Zehntausenden Zuhörern vor dem Brandenburger Tor. Trump möchte die Reform zurückdrehen.

Merkel leistet "hervorragende Arbeit"
Obama lobte die Kanzlerin, die "hervorragende Arbeit" geleistet habe, "nicht nur hier in Deutschland, sondern in der ganzen Welt". Merkel sei ihm während seiner vor vier Monaten beendeten Präsidentschaft "eine der liebsten Partnerinnen" gewesen.

Heil nicht nur in "militärischer Hardware"
Der Ex-Präsident rief dazu auf, sich klar gegen Fremdenhass, Nationalismus und antidemokratische Strömungen in der Welt einzusetzen. Es sei das Wichtigste, sich hinter die Werte zu stellen, die "uns am wichtigsten sind", und sich gegen jene zu stellen, die diese Werte zurückdrängten. "Ich denke, das ist eine wichtige Schlacht, die wir austragen müssen", sagte Obama. Für Konfliktfälle empfahl er die Mittel der Diplomatie - es könne nicht sein, das Heil "nur in militärischer Hardware" zu suchen.

"Kluft zwischen christlichem Mitgefühl und Realpolitik"
Merkel verteidigte in der Debatte ihren zuletzt härteren Kurs in der Asylpolitik. Sie wies zugleich auf das "Dilemma" der Kluft zwischen christlichem Mitgefühl und Realpolitik hin. Angesichts vieler Flüchtlinge ohne Bleiberecht in Deutschland gelte es, schnell Asyl-Entscheidungen zu treffen und solche Migranten gar nicht erst in Gemeinden und zu den ehrenamtlichen Helfern zu schicken. "Ich weiß, dass ich mich damit nicht beliebt mache", sagte die CDU-Politikerin. Sie betonte: "Wir versuchen, sachgerechte Lösungen zu finden."

Barmherzigkeit und Verpflichtung gegenüber dem eigenen Volk
Die deutsche Asylpolitik müsse sich auf diejenigen Menschen in der Welt konzentrieren, die dringend Hilfe brauchten, und davon gebe es noch immer genug. Obama pflichtete Merkel bei: Als Staats- oder Regierungschef gelte es, "Barmherzigkeit" gegenüber Flüchtlingen zu zeigen, aber es gebe auch eine Verpflichtung gegenüber der eigenen Bevölkerung. "Das ist nicht immer einfach", sagte er. Merkel und Obama waren sich auch einig, dass es in der Flüchtlingspolitik vor allem wichtig sei, Hilfe vor Ort in den Fluchtländern zu leisten und "Menschenhändlern" das Handwerk zu legen.

In der tiefen Religiosität vieler Amerikaner sieht Obama nicht nur Gutes: "Das Problem ist, dass wir manchmal Kompromisslosigkeit in Glaubensfragen in die Politik tragen. In der Demokratie ist Kompromiss unumgänglich." Es sei wichtig, auch andere Meinungen zuzulassen - das sei die wahre Stärke des Glaubens. "Ich denke, dass es immer gut ist, auch ein bisschen zu zweifeln", sagte Obama.

 krone.at
Redaktion
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