Mo, 20. November 2017

Weltweiter Großalarm

25.05.2017 19:59

Ramadan beginnt: Noch mehr Terror ab Samstag?

Europa befindet sich nach dem blutigen Terroranschlag mit 22 Toten am Montag im britischen Manchester in erhöhter Alarmbereitschaft. Ganz besonders warnen Terrorexperten davor, dass die Dschihadistenmiliz IS den am Samstag beginnenden Fastenmonat Ramadan für eine neue Anschlagsserie nutzen könnte. Dass die Warnungen nicht unbegründet sind, zeigte sich in den vergangenen beiden Jahren, wo es während des Ramadan zahlreiche Anschläge mit Dutzenden Toten gegeben hatte.

Eigentlich ist der Ramadan ein Monat der spirituellen Einkehr und Besinnung. Die weltweit knapp 1,6 Milliarden Muslime sollen den Ramadan nutzen, um zu fasten, mehr zu beten und für wohltätige Zwecke zu spenden. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang ist Essen und Trinken komplett untersagt (von ungefähr 5 Uhr bis 21 Uhr), Sex ist generell verboten, Rauchen nur tagsüber. Der Ramadan fällt jedes Jahr in eine andere Zeit. Heuer beginnt die Fastenzeit für Muslime am 27. Mai und endet am 24. Juni. Darauf folgt das dreitägige Ramadanfest.

Im Islam gibt es vier Monate, in denen Kriege verboten sind. Der Ramadan gehört nicht dazu, weshalb er seit den Anfängen des Islam auch ein Monat des Kampfes ist. Prophet Mohammed besiegte einst während des Ramadan den herrschenden Stamm seiner Heimatstadt Mekka, sechs Jahres später zog er mit seinem Heer siegreich in Mekka ein. Auch in modernen Zeiten sorgte der Ramadan nicht für einen Stopp von Gewalt und Kriegen. So wurde im Ramadan einer der für die Araber wichtigsten Kriege begonnen: Ägypten griff Israel mitten im Fastenmonat von 1973 an.

"Monat des Schmerzes für Ungläubige"
Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat leitet daraus das Recht ab, im Ramadan mit besonderer Härte und Rücksichtslosigkeit gegen ihre Feinde vorzugehen. Der Sprecher der Terrororganisation, Abu Mohammed al-Adnani, der Ende August 2016 bei einem Bombenangriff ums Leben kam, hatte im Mai des Vorjahres etwa IS-Unterstützer zu Anschlägen aufgefordert. Die Dschihadisten sollten den heiligen Monat in einen "Monat des Schmerzes und Schrecken für Ungläubige, Schiiten und abtrünnige Muslime" verwandeln. Er nannte damals ausdrücklich die USA und Europa - doch die IS-Anhänger schlugen weltweit zu.

2016: Blutige Anschläge in Istanbul und Bagdad
Im Vorjahr kamen bei einem Selbstmordanschlag im Herzen der irakischen Hauptstadt Bagdad mehr als 200 Menschen ums Leben. Der Anschlag war der brutalste Teil einer ganzen Reihe von Anschlägen im Fastenmonat. Knapp eine Woche davor waren in der türkischen Metropole Istanbul bei einem Anschlag am Atatürk-Flughafen 47 Menschen getötet worden. Drei Selbstmordattentäter schossen zunächst um sich und sprengten sich dann in die Luft. Dann folgte die Horrornacht in Bangladesch, als bei einer IS-Geiselnahme 28 Menschen starben.

Auch 2015 machte der Terror vor dem Ramadan nicht Halt. In Tunesien feuerte ein Attentäter an einem Hotelstrand in Sousse auf ausländische Touristen. Er tötete 38 Menschen. In Kuwait sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einer schiitischen Moschee in die Luft. Er riss mindestens 27 Menschen mit in den Tod.

IS gerät wegen Territoriumsverlusten unter Druck
Die Gewalt wird vom IS zwar stets religiös begründet, ist aber doch nur politisches und ideologisches Mittel. Er will mit seinen Bluttaten weltweit Stärke demonstrieren, auch wenn er militärisch immer mehr an Territorium verliert und daher immer stärker unter Druck gerät. Vor allem im Irak gelangen der dortigen Armee mit Unterstützung der Anti-IS-Koalition immer wieder schwere Schläge gegen die Terrormiliz.

Um wieder neue Stärke zu demonstrieren, erwartet die Nahostexpertin Lina Khatib von der britischen Denkfabrik Chatham House, dass die nächsten Attentate des IS nicht lange auf sich warten lassen werden. "Je mehr der IS militärisch unter Druck steht, desto mehr wird er versuchen, das mit Attacken in der ganzen Welt zu kompensieren", sagte Khatib gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur.

Die Terrormiliz wirke nicht zuletzt deshalb attraktiv auf viele vor allem jungen Muslime (wie den Manchester-Attentäter Salman Abedi), weil sie sich ihnen als starke Organisation präsentiert, die ihren verhassten Feinden die Stirn bietet. Um weiter Kämpfer anwerben zu können, muss sie Erfolge vorweisen. Das gilt auch für potenzielle Geldgeber, die die Terrormiliz nur dann unterstützen dürften, wenn sie von deren Einfluss überzeugt sind.

"Extremisten schlagen zu, wo immer sie können"
Wo aber die Extremisten den nächsten Anschlag verüben, lässt sich laut Khatib nicht vorhersagen. "Es gibt hinter dem eigentlichen Ort keinen großen Plan", so Khatib. "Sie schlagen zu, wo immer sie können, vor allem an Orten, wo die Sicherheitskräfte nicht in der Lage sind, Attentate zu verhindern."

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Redaktion
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