Mo, 18. Dezember 2017

"Glaubt nicht daran"

25.05.2017 14:29

Vater des Terror-Bombers bei Interview verhaftet

Neben dem Bruder des Manchester-Attentäters Salman Abedi ist nach Angaben libyscher Spezialkräfte auch dessen Vater in Libyen in Haft genommen worden. Der Mann sei am Mittwoch vor seinem Haus in der libyschen Hauptstadt Tripolis festgenommen worden - während eines Interviews. Nach eigener Darstellung habe er keine Hinweise darauf gehabt, dass sein Sohn einen Anschlag begehen würde. Allerdings werden ihm selbst Verbindungen zur Terrororganisation Al-Kaida nachgesagt.

Ramadan Abedi wurde während eines Interviews mit der Nachrichtenagentur Reuters von einer Anti-Terror-Einheit in Gewahrsahm genommen. Zuvor habe er noch erzählen können, dass er seinen Sohn Salman zuletzt vor etwa fünf Tagen telefonisch gesprochen habe. Dabei sei alles normal gewesen. Salman habe der Familie gesagt, er gehe auf eine Pilgerreise nach Mekka, sagte der Vater.

Laut einem weiteren Verwandten kehrte Abedi erst vier Tage vor dem Anschlag von einem Besuch in Libyen nach Manchester zurück. "Sein Vater wollte, dass er in Libyen bleibt, aber Salman bestand darauf, nach Manchester zu gehen", sagte der Mann, der namentlich nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AFP.

Vater: "Salman glaubt nicht an so etwas"
Der Vater meinte, er sei sich sicher, dass sein Sohn kein Mitglied der Extremistenmiliz Islamischer Staat gewesen sei: "Salman gehörte keiner Organisation an." Die Familie sei "ein bisschen durcheinander, weil Salman nicht diese Ideologie hat, er glaubt nicht an so etwas". Er fügte hinzu: "Wir verurteilen diese terroristischen Taten auf Zivilisten, unschuldige Menschen." Das hätten auch Bekannte und Nachbarn der Familie bestätigt: Ramadan sei laut einem Bericht des "Guardian" in Manchester zwar Muezzin und Vorbeter gewesen, Extremismus und dem IS sei er aber sehr ablehnend gegenübergestanden.

Vater und Mutter haben enge Kontakte zur Al-Kaida
Allerdings sagte eine ehemalige libyische Sicherheitskraft gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass der Vater des Manchester-Bombers unter der Herrschaft von Muammar al-Gadafi Mitglied einer radikalen islamistischen Gruppierung gewesen sei und auch Kontakte zur Al-Kaida habe. Ramadan Abedi sei im Jahr 1993 zuerst nach Saudi-Arabien und anschließend nach Großbritannien geflohen, wo er um politisches Asyl angesucht habe. Dort lebte der Libyer 25 Jahre lang und zog auch seine Kinder groß. Nach dem Sturz und der Ermordung Gadafis kehrte Ramadan Abedi wieder in sein Heimatland zurück.

Auch seine Frau, eine Nuklearwissenschaftlerin, soll dem AP-Bericht zufolge Kontakte zur Al-Kaida haben. Sie sei sehr eng mit Abu Anas Al-Libi befreundet gewesen. Libi gilt als Drahtzieher der beiden Bombenanschläge auf US-Botschaften im Jahr 1998 in Afrika. Der Terrorist befand sich auch auf der Most-Wanted-Liste des FBI. Nach seiner Verhaftung im Jahr 2013 starb er 2015 in US-Gewahrsam an Folgen einer Hepatitis-C- und einer Krebserkrankung.

Ein Bruder Abedis räumte Verbindung zum IS ein
Zuvor war bekannt geworden, dass beide Brüder Abedis in Haft seien. Der Jüngste von ihnen, Hashem, war nach Angaben der Spezialkräfte mit den Einzelheiten des Anschlags vertraut gewesen und habe eingeräumt, zur Terrormiliz IS zu gehören. Der 20-Jährige habe ausgesagt, während der Vorbereitungen in Großbritannien gewesen zu sein. Er sei Mitte April ausgereist, danach aber mit seinem Bruder in Manchester in ständigem Kontakt gewesen. Der älteste Bruder, Ismail (23), war in Manchester festgenommen worden.

Abedi hat neben den beiden Brüdern auch noch eine Schwester. Ermittler nahmen am Mittwochabend auch eine Frau im Norden von Manchester fest, wenig später ließen sie sie aber wieder frei. Ob es sich dabei um die Schwester Abedis handelt, ist noch nicht bekannt.

Polizei: Kein Einzeltäter, bereits acht Festnahmen
Die britische Polizei hat seit Dienstag insgesamt acht Personen festgenommen. Die Behörden vermuten eine gemeinschaftlich geplante Tat der Verdächtigen: Die Ausführung des Anschlags sei "anspruchsvoller gewesen als einige der Anschläge, die wir davor erlebt haben", sagte Innenministerin Amber Rudd. Das deute darauf hin, dass der Selbstmordattentäter Salman Abedi "wahrscheinlich nicht alleine gehandelt" habe.

Video: Terror-Bestie Abedi hatte Komplizen

Der Zeitung "Independent" zufolge wurden bei einer Durchsuchung Sprengsätze gefunden, die möglicherweise für künftige Attentate genutzt werden sollten. Die Polizei gab bekannt, dass es bei einer Razzia zu einer kontrollierten Explosion gekommen sei. Beim blutigen Terroranschlag am Montag in Manchester waren 22 Menschen, unter ihnen zahlreiche Jugendliche und auch Kinder, ums Leben gekommen.

IS bekennt sich zu Attentat
Die Extremistenorganisation Islamischer Staat reklamierte die Tat für sich. Ungereimtheiten in deren Angaben ließen jedoch Zweifel aufkommen, ob sie wirklich verantwortlich ist. In der Vergangenheit hatten sich einige IS-Bekenntnisse als falsch erwiesen. Auch Rudd betonte, die Verbindung zum IS müsse erst untersucht werden. Der französische Innenminister Gerard Collomb sagte, ihm hätten britische Ermittler berichtet, dass Abedi möglicherweise auch nach Syrien gereist sei.

Terrorgefahr "imminent": 3800 Soldaten rücken aus
Großbritannien befindet sich nach dem blutigen Terroranschlag im Ausnahmezustand. Premierministerin Theresa May warnte am Mittwoch vor einer "imminenten Gefahr" weiterer Terrorakte und erhöhte die Warnstufe. Das Parlament, der Buckingham-Palast und andere wichtige Gebäude und Orte werden nun von bewaffneten Kräften gesichert. Die Polizei wird von 3800 Soldaten zusätzlich unterstützt. Bis auf Weiteres sind auch die berühmten Wachwechsel vor dem Buckingham-Palast abgesagt.

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Redaktion
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