Fr, 15. Dezember 2017

Lugar-Abrechnung:

24.05.2017 12:10

"Dieser Regierung geht es nicht um Sacharbeit"

Es ist eine schonungslose Abrechnung mit der Arbeit der ehemaligen Koalition, die uns Robert Lugar Mittwochmittag im krone.at-Newsroom serviert: Der Team-Stronach-Klubobmann geht dabei vor allem mit der ÖVP hart ins Gericht. Gerade der Volkspartei gehe es lediglich im Machterhalt und Machtverteilung, keineswegs aber um Sachthemen, ist Lugar felsenfest überzeugt. Und Neo-Chef Sebastian Kurz werde alles nur noch schlimmer machen - der sei nur "ein guter Verkäufer", aber ohne Ware.

Er hat nichts! Gar nichts, er weiß auch gar nichts!", beteuert Lugar noch im Plausch mit der Redaktion, bevor unsere Kameras zu laufen beginnen. Sebastian Kurz sei ein völlig inhaltsleerer Politiker, er wisse auch schlicht nicht, was er auf inhaltliche Fragen antworten solle, weil er sich "mit vielen Themen einfach nicht beschäftigt hat" ...

"Schon Haider hat dagegen gekämpft"
Robert Lugar meint das ernst, das merkt man. Er hält den neuen ÖVP-Obmann für einen Schwindler, für eine Mogelpackung. Mit Kurz an der Spitze werde sich nichts ändern, weder in der ÖVP noch in der Regierung. Diese sei ohnehin nicht an Sacharbeit interessiert, sagt Lugar dann im krone.tv-Interview mit Gerhard Koller. Es gehe hier nur noch um Machterhalt und Machtverteilung ("Schon Jörg Haider hat damals gegen Machtverteilung angekämpft!") - und daran sei größtenteils die ÖVP schuld, ist Lugar überzeugt.

"Alle zurückschicken"
Auch die Asylpolitik kauft er der Volkspartei nicht ab - einerseits trete man dort für eine harte Einwanderungspolitik ein, andererseits werde behauptet, dass man 50.000 Migranten pro Jahr "braucht". Das passe nicht zusammen. Überhaupt werde die Zuwanderung die Österreicher "36 Milliarden Euro kosten", rechnet Lugar einmal mehr vor. "Man muss alle zurückschicken, die hier nichts verloren haben."

"Gemeinsamkeiten mit der SPÖ"
Die Tür zur SPÖ will der Team-Stronach-Klubobmann aber offenbar nicht schließen. Hier gebe is zumindest Inhalte. Lugar nennt einige Punkte aus dem "Plan A" von Kanzler Christian Kern, die er für sinnvoll befindet. Auch müssten sich die "Parteigrenzen" in Österreich endlich einmal auflösen. Es brauche ein "freies Parlament" ohne Parteien, nur mit "Bewegungen", findet Lugar.

"Glawischnig immer mit Glacéhandschuhen angegriffen"
Mit dem Umgangston in Parteien und Medien hat Lugar aber kein Problem. Er als Ex-Judoka wisse schon, wie man sich verteidigt. Die emotionale Kritik von Ex-Grünen-Chefin Eva Glawischnig kann er da schon gar nicht nachvollziehen - Glawischnig sei ohnehin "schon immer mit Glacéhandschuhen angegriffen worden". In der Öffentlichheit müsse man nun einmal was aushalten. "Das Leben ist so!"

"Stronach" nicht mehr auf der Liste
Auch von desaströsen Wahlprognosen durch Meinungsforscher lässt sich Lugar nicht einschüchtern. Für die einzelnen Akteure in seinem Team gebe es durchaus positive Umfragewerte. Man werde sich bis zur Nationalratswahl nun ebenfalls "neu strukturieren" und sich von Parteigründer Frank Stronach "emotional" unterstützen lassen. Der Name Stronach werde aber nicht mehr auf der Liste erscheinen.

Martin Kallinger
Stv. Chefredakteur krone.at
Martin Kallinger
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