Do, 14. Dezember 2017

Gängige Mythen

26.05.2017 06:00

So antworten wir Impf-Gegnern

Viele Eltern wollen ihren Kindern einen Nadelstich und vermeintliche Folgen ersparen, wählen so aber das größere Gesundheitsrisiko für ihren Sprössling. Wir überprüfen Ängste auf ihren Wahrheitsgehalt.

"Impfungen unterscheiden sich von anderen Gesundheitsmaßnahmen in zwei wesentlichen Dingen", erläutert der steirische Kinderarzt und Impfexperte Univ.-Prof. Dr. Ingomar Mutz im Rahmen des vergangenen Österreichischen Impftages 2017: "Sie werden an Gesunden durchgeführt und es geht nicht nur um den Schutz des Individuums, sondern auch um jenen der Gesamtbevölkerung."

Deswegen wiegt man natürlich immer alle Risiken ab. "Allerdings wird ein Impfstoff ohnehin nur dann von den Behörden zugelassen, wenn der Nutzen bei weitem größer ist", so Prof. Mutz weiter. Die Ängste vieler Menschen müssen von Experten aber ernst genommen und mit harten Fakten entkräftet werden.

Im Folgenden deshalb die gängigsten Mythen und die ärztliche Antwort darauf:

  • Krankheiten durchzumachen ist besser für die Abwehr als Wirkstoffe zu verabreichen! Das konnte bis heute nicht bewiesen werden. Impfungen trainieren die Abwehr sogar, während Infektionen Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen und im Ernstfall schwere Komplikationen bis hin zum Tod mit sich bringen können. Beispiel: Etwa ein Viertel aller Masern-Fälle zieht Folgeerkrankungen (Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Durchfall, Gehirnentzündung etc.) nach sich.
  • Impfungen verursachen schwere Nebenwirkungen. Autismus, Diabetes oder Multiple Sklerose sollen durch Immunisierungen ausgelöst werden. Beweise gibt es dafür nicht, allerdings sehr viele Studien, die das Gegenteil zeigen. Urheber des Vorwurfes, dass die MMR-(Masern, Mumps, Röteln)-Impfung zu Autismus führen kann, ist der britische Arzt Andrew Wakefield. Diese Studie musste er jedoch schon vor vielen Jahren wegen grober Fehler und unethischer Forschungsmethoden zurückziehen. Er hat mittlerweile Berufsverbot.
  • Richtig ist, dass mitunter auch die modernsten Stoffe unerwünschte Reaktionen hervorrufen. Meist harmlose Beschwerden wie Brennen und Rötungen an der Einstichstelle, leichtes Fieber oder grippeartige Beschwerden. Eine Impfnebenwirkung stellt im Gegensatz dazu eine schädliche und unbeabsichtigte Körperantwort auf eine Impfung dar und kommt viel seltener vor.
  • Auch Geimpfte erkranken! Das stimmt. "Genauso wie Medikamente nicht bei allen gleich gut wirken, so entwickelt nicht jeder tatsächlich eine Immunität", so Prof. Dr. Ingomar Mutz. "Aber die große Mehrheit tut es, wenn die Impfung korrekt durchgeführt wurde." (Bei 85 bis 95 Prozent aller Kinder schlägt sie an.) Nur bei der Influenza ist das Ansprechen in der Regel deutlich niedriger, dennoch kann sie fast immer schwere Krankheitsverläufe vermeiden.
  • Zu viele Impfungen irritieren das Immunsystem. Moderne Stoffe sind hoch gereinigt und beinhalten nur noch einzelne Bestandteile der Erreger. Das kindliche Immunsystem zeigt sich täglich sogar mit einer höheren Anzahl an Antigenen konfrontiert, als in einer einzigen Impfung enthalten sind.
  • Viele Leiden gibt es ja gar nicht mehr - wozu spritzen? Es stimmt, dass viele durchs Impfen vermeidbare Erkrankungen bei uns heute nur noch selten vorkommen. In weiten Teilen der Welt ist das allerdings oft anders. Diese könnten jederzeit wieder zu uns eingeschleppt werden, wenn die Bevölkerung nicht geschützt ist.
  • Es verdient eh nur die Pharma-Industrie daran! Im Vergleich zu anderen Medikamenten gehören Impfungen zu den eher weniger lukrativen Produkten, da sie eher selten verabreicht werden und die Herstellung relativ aufwendig ist. Sie verhindern eigentlich teure Behandlungen. Außerdem gehen mehr als die Hälfte aller in Europa hergestellten und exportierten Impfstoffe an humanitäre Organisationen.

Dr. Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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