Do, 14. Dezember 2017

Kein Raki, kein Bier

23.05.2017 10:39

Wirbel um Alkoholverbot in orientalischen Lokalen

Kein Wein, kein Bier, kein Raki - Letztgenannter gilt immerhin als türkisches Nationalgetränk: Immer mehr von Muslimen geführte Lokale streichen Alkohol von ihrer Getränkekarte. Bei vielen sorgt das für Kopfschütteln. Die "Krone" hat sich im 16. Wiener Gemeindebezirk, dem Stammsitz der Ottakringer Brauerei, umgehört.

Die Kellner im Etap, einem türkischen Lokal in Ottakring, sind auf zack, die Gäste schlürfen Tee. Was den Wirt zur Umstellung der Getränkekarte bewogen hat, wollte er uns leider nicht verraten.

Wir klappern einige Lokale rund um den Brunnenmarkt ab. Im bekannten Kent erklärt uns der Geschäftsführer, dass er nicht an eine Umstellung denke. Andere Gastronomen wollen überhaupt nichts zu diesem Thema sagen. Herr Temel K. erzählt, dass er sein Lokal in der Brunnengasse an Syrer verkauft habe. "Sofort wurde der Alkohol gestrichen."

"Das gefährdet die Vielfalt"
Ottakrings Bezirksvorsteher Franz Prokop ist über die Trennung besorgt: "Das gefährdet die Vielfalt, die hier sehr gut funktioniert." Hülya B. in ihrem Lokal in Linz schüttelt darob den Kopf - und schenkt weiter Bier aus.

Birol Kilic, der Obmann der Türkischen Kulturgemeinde, meint: "Alkohol wird seit osmanischer Zeit getrunken. Manche trinken, andere nicht. Das war nie ein Problem. Doch seit Kurzem gibt es einen Gesellschaftszwang, auf Türkisch 'mahalle baskisi'."

DATEN UND FAKTEN:
Der Konsum von Alkohol gilt im sunnitischen und schiitischen Islam sowie in allen Rechtsschulen als haram (verboten). Vier Verse des Koran befassen sich konkret damit. Allerdings wurde das Alkoholverbot in osmanischer Zeit nie so strikt gesehen.

Sultan Süleyman der Prächtige soll Schiffe mit Wein versenkt haben. Andere Sultane wie Murad IV. oder Selim II. tranken gerne Alkohol. Das hochprozentige Anisgetränk Raki wird seit Jahrhunderten im osmanischen Reich gebrannt und gilt bis heute als Nationalgetränk. Viel schlimmer als Alkohol sei für einen Muslim laut Islamexperten Verleumdung oder Lügen.

Martina Münzer, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden