Fr, 24. November 2017

Vorschnelle „Hilfe“

26.05.2017 06:26

Jungtierboom: Bereits 80 Entenküken im WTV

Frühlingszeit ist Jungtierzeit: Den Wiener Tierschutzverein erreichen täglich dutzende Anrufe besorgter Bürger bezüglich junger Wildtiere. Besonders vermeintlich mutterlose Entenküken werden aktuell wieder vermehrt gemeldet.

Kein Wunder, prägen Enten doch das Wiener Stadtbild in Parkanlagen und Grünflächen und stehen so besonders im Augenmerk der Bevölkerung. 40 Entenküken werden im Wiener Tierschutzverein aktuell aufgezogen, 80 waren es insgesamt in diesem Jahr schon. Den Schätzungen des WTV-Pflegepersonals zufolge könnten es heuer über 200 werden. Daneben werden etwa Feldhasenbabys, Eichhörnchenjunge, kleine Wildvögel (Amseln, Maisen, Drosseln) und Krähenbabys beim Erwachsenwerden begleitet.

Hilfe gut überdenken
Doch Vorsicht: Nicht jedes augenscheinlich hilflose Wildtier braucht menschliche Unterstützung. Jungtiere, die nicht offensichtlich schwer verletzt sind, sollten nicht von Menschenhand berührt oder mit nach Hause genommen werden. Dadurch geraten die Tiere in akute Lebensgefahr, denn nichts ist wichtiger als die mütterliche Fürsorge. Leider kommt es immer wieder, besonders im Falle von jungen Enten, zu Fehleinschätzungen besorgter Menschen, die den Tieren damit aber viel mehr schaden als nützen. Im Gegensatz zu anderen Wildtieren stört Vögel zwar menschliche Berührung nicht, jedoch sollte man dennoch nicht vorschnell handeln.

Zuerst einmal beobachten
"Oft sind es gerade die menschlichen Beobachter, die die Elterntiere davon abhalten, zu ihren Jungen zu gelangen", sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Wenn akute Sorge besteht, empfiehlt es sich, die Jungtiere aus sicherer Entfernung zu beobachten und abzuwarten, ob die Elterntiere kommen. "Auch schreiende Vogelkinder sind meist kein Grund um einzugreifen. So rufen sie ihre Eltern und machen auf sich aufmerksam.", so Petrovic. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass ein "Kindsraub" für die Elterntiere eine enorme Belastung bedeutet. Besonders bei Enten ist die Situation trügerisch: Entenküken sind Nestflüchter und laufen daher oftmals durch die Gegend. Das Muttertier ist aber meist nicht weit entfernt.

Hilfe den Profis überlassen
Nur wenn ein Wildtier offensichtlich schwer verletzt ist oder sich an einem Ort befindet, der nicht seinem Lebensraum entspricht, sollte man eingreifen. Selbstständige Behandlungs- und Pflegeversuche sind nicht empfehlenswert. Denn die Aufzucht von Wildtieren ist nicht leicht und stellt auch das erfahrene Pflegepersonal immer wieder vor Herausforderungen, da es neben profundem Wissen und intensiver Betreuung auch sehr oft - besonders wenn es sich um nur wenige Tage alte Tiere handelt - eine große Portion Glück braucht, um das Überleben der Tiere zu sichern.

Wildtiere in der Stadt: Ungünstige Brutplätze
Leider suchen sich gerade Enten in Ballungszentren wie der Stadt Wien auch immer wieder nicht artgerechte Brutplätze wie Balkone oder Hausvorsprünge. "Auch hier berät der Wiener Tierschutzverein die Bevölkerung gerne und gibt Tipps zur richtigen Vorgehens- und Verhaltensweise", so Petrovic abschließend.

 krone.at
Redaktion
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