Sa, 18. November 2017

Drama in Mais-Silo

22.05.2017 08:44

„Wenn ich die Nerven verliere, ist alles aus“

"Soweit geht's gut" - der Schreck nach dem gerade noch verhinderten Drama im Mais-Silo ist noch nicht ganz verdaut, doch als Samuel Hagmüller (13) am Sonntag das Linzer Uniklinikum verlassen durfte, hatte der Schüler schon wieder ein Lächeln im Gesicht. Daheim gab's ein freudiges Wiedersehen mit seinem Bruder Jonathan (16), dem Samuel sein Leben verdankt.

"Es hätte auch anders ausgehen können, aber daran wollen wir nicht denken", sagte Karin Hagmüller, als sie ihren 13-jährigen Sohn am Sonntagvormittag aus der Linzer Uniklinik abholte. Wenige Stunden zuvor war ihr um drei Jahre älterer Sohn Jonathan zum Lebensretter geworden.

Not-Aus-Schalter gedrückt
Beim Auspumpen eines Mais-Silos bei einem befreundeten Bauern in Oftering im Bezirk Linz-Land versank der 13-Jährige plötzlich bis zum Hals in den getrockneten Körnern - hätte Johnathan nicht den Not-Aus-Schalter der Förderschnecke, die den Sog verursachte, gedrückt, hätte er keine Chance gehabt, seinen jüngeren Bruder zu halten. Samuel wäre vom Mais förmlich begraben und erdrückt worden.

"Wenn ich die Nerven verliere, ist alles aus"
"Ich kann mich noch an alles erinnern, Jonathan hat auch die ganze Zeit mit mir geredet. Aber was, das weiß ich nicht mehr", erzählt Samuel, der körperlich zwar unversehrt blieb, dem der Schreck aber noch in den Knochen steckt. Sein Lebensretter erzählt, dass er anfangs kurz Panik hatte: "Momentan wusste ich nicht, was ich tun soll. Samuel versank immer schneller im Mais und ich konnte ihn allein nicht herausziehen." Dann habe er aber erkannt: "Wenn ich jetzt die Nerven verliere, ist alles aus."

Helfer zogen Opfer mit Seil aus Gefahrenzone
Schließlich ging, wie berichtet, doch noch alles gut aus: Die alarmierten Feuerwehrleute konnten den verschütteten Schüler ausgraben und mit einem Seil aus dem Silo bergen. Jetzt darf Samuel zweimal im Jahr seinen Geburtstag feiern.

Interview: "Bruder war ganz kalt und schwach"
Überglücklich konnte der 16-jährige Jonathan in Hörsching seinen Bruder (13) umarmen: "Es war aber sehr knapp!"

"Krone": Jonathan, wie hast du den Vorfall in Erinnerung?
Jonathan: Wir haben dem Bauern aus Freundschaft geholfen, weil er auch uns immer unterstützt. Wir standen beide im Silo und plötzlich hat es Samuel nach unten gezogen.

Du hast wirklich alles richtig gemacht.
Ich wusste, ich muss raus aus dem Silo, um den Not-Aus-Schalter der Förderschnecke zu drücken. Dann bin ich gleich wieder rein und war erleichtert, dass es Samuel nicht noch weiter nach unten zog. Aber er war schon bis zum Gesicht versunken. Ich hab die Körner vom Mund weg und ihn gefragt, ob er es kurz alleine schafft. Er durfte sich keinesfalls bewegen, sonst wäre der Mais nachgerutscht.

Was hast du gemacht?
Den Bauern und die Einsatzkräfte alarmiert. Der Bauer hat dann den Silo aufgeflext, damit der Mais ablaufen kann. Dann waren auch schon die Feuerwehrleute da.

Dann war klar, dass alles gut ausgehen wird.
Die Helfer haben Samuel befreit und gleich nachgeschaut, wie es ihm geht. Ihm war kalt und er war geschwächt. Es war wirklich sehr knapp.

Markus Schütz, Kronen Zeitung

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