So, 17. Dezember 2017

Bad Ischl:

20.05.2017 23:24

Aufregung im Internet nach Suizidversuch

Das Schicksal zweier 13-jähriger Schülerinnen, die, wie berichtet, nach dem Vorbild der Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" Selbstmord begehen wollten, geht vielen Menschen sehr nahe. Auch im Internet ist die Aufregung groß, häufen sich fassungslose und wütende Kommentare und Postings.

"Das Grundübel ist, dass viele Eltern den Kindern und Jugendlichen alles im Fernsehen und am Computer erlauben, um ja ihre Ruhe zu haben" oder "Ich hoffe einfach, sie bekommen jetzt die nötige Hilfe" - unzählige Kommentare wie diese wurden auf der "Krone"-Website und auf Facebook zu dem Bericht über den versuchten Doppel-Selbstmord der 13-jährigen Schülerinnen gepostet. Die Anteilnahme ist groß, und auch die Wut darüber, wie so etwas passieren konnte. Wie berichtet, waren die beiden Mädchen in letzter Minute auf der Schultoilette aufgefunden worden, konnten gerade noch rechtzeitig gerettet werden. Sie gaben später an, sich die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" zum Vorbild genommen zu haben. Darin bringt sich die Titelheldin Hannah um und macht posthum dafür Freunde, Bekannte und Verwandte verantwortlich.

Dass eine Fernsehserie eine solch drastische Nachahmungshandlung auslösen kann, hatten zwar schon vor der aktuellen Tat Experten prophezeit. Dennoch schlägt die doppelte Verzweiflungstat hohe Wellen, auch deutsche Medien wie RTL, Focus oder die Passauer Neue Presse berichteten bereits über den Bad Ischler Vorfall: "Jugendliche identifizieren sich schnell mit Schauspielern und ahmen diese nach" erklärt Kinder- und Jugendanwältin Christine Winkler-Kirchberger. Nicht jeder Teenager sei durch die Serie  gefährdet, riskant werde es vor allem dann, wenn bereits Probleme vorhanden sind. Teil einer aktuellen Expertenrunde war Polizeipräsident Andreas Pilsl - gemeinsam mit weiteren Experten will die Polizei eine neue Präventions-Strategie erarbeiten (s. Interview).

Landespolizeidirektor Andreas Pilsl setzt auf verstärkte Prävention, damit ein Vorfall wie in Bad Ischl nicht mehr passieren kann.

"Krone": Auch Spezialisten der Polizei waren vor Ort an der Bad Ischler Schule, um die Kameraden der Opfer zu beruhigen.

Andreas Pilsl: Ja, so ein Vorfall gehört natürlich aufgearbeitet. Das geschieht  durch Gespräche. Dabei gibt es aber keine Schuldzuweisungen, wir versuchen stattdessen, die Lebenskompetenz der Schüler zu steigern.

"Krone": Was bedeutet das?

Andreas Pilsl: Wir geben ihnen ein Rüstzeug in die Hand: Wie gehen wir in Zukunft mit diesem Thema um, was ist im Ernstfall zu tun, oder wo kann man sich an geeignete Meldestellen wenden?

"Krone": Eine Netflix-Serie als Vorbild - so etwas hätten wohl auch die Experten nicht geahnt?

Andreas Pilsl: Wir erarbeiten eine Strategie, wie wir neue Phänomene wie dieses rasch erkennen und darauf entsprechend reagieren können. Die Plattform Gewaltprävention gibt im Internet jetzt schon wichtige Hilfestellung.

Jasmin Gaderer, Kronen Zeitung

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