Fr, 24. November 2017

Hohe Strafen drohen

19.05.2017 16:43

Viel Kritik an deutschem Hass-Posting-Gesetz

Morddrohungen, Beleidigungen und Fake News im Netz: Der deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD) will die sozialen Netzwerke verpflichten, offensichtlich rechtswidrige Inhalte aus ihren Angeboten zu löschen. Doch bei der ersten Lesung seines Gesetzesentwurfs im Bundestag am Freitag hagelte es Kritik an den Plänen, die Maas noch vor der Sommerpause durchs deutsche Parlament bringen will.

Die Opfer von Hass und Hetze im Netz bekämen von Facebook, Twitter und Co zu oft die Antwort, die beanstandeten Äußerungen verstießen nicht gegen die Gemeinschaftsstandards der Netzwerke und würden deswegen nicht gelöscht, kritisierte Maas im Bundestag. "Es geht bei unserem Gesetz darum, dass Äußerungen, die gegen Strafgesetze verstoßen, aus dem Netz gelöscht werden."

Die Betreiber der sozialen Netzwerke sollen mit der Neuregelung verpflichtet werden, offensichtlich rechtswidrige Inhalte zu löschen. Maas nannte als Beispiele Aufrufe zu Mord oder zur Gewalt, Bedrohungen, Beleidigungen und Volksverhetzung. Das Gesetz sieht bessere Beschwerdemöglichkeiten für die Nutzer und stattliche Bußgelder in Millionenhöhe für die Unternehmen vor.

Opposition übt Kritik an Gesetzesvorlage
Die deutsche Opposition kritisierte die Vorlage des Justizministers jedoch scharf. Die Linken-Politikerin Petra Sitte warf Maas vor, sein Gesetzesentwurf werde neue Probleme schaffen. "Und das vor allem deshalb, weil er die Durchsetzung am Ende in Hände legt, in die sie nicht gehören", sagte Sitte. Schließlich bekämen die Plattformen selbst die rechtliche Einordnung umstrittener Äußerungen überantwortet.

"Das ist keine Durchsetzung gegenüber den Netzwerken, sondern durch die Netzwerke", bemängelte die Linken-Abgeordnete. Die Beurteilung umstrittener Inhalte könne aber eine komplizierte Abwägungsfrage sein. Im Zweifel würden die Konzerne dann auch legale Äußerungen im großen Stil löschen. Sitte äußerte zudem Bedenken, ob der Begriff Fake News - also die bewusst verbreitete Falschnachricht - rechtssicher definiert werden kann.

Grüne befürchten neue Probleme
Der Grünen-Netzexperte Konstantin von Notz warf Maas vor, nach langer Untätigkeit kurz vor Ende der Legislaturperiode ein schlampig ausgearbeitetes Gesetz zu präsentieren. "Sie legen was vor, was die Probleme nicht löst, Sie schaffen viele neue Probleme", sagte von Notz. Das Gesetz sei selbst eine Gefahr für die Meinungsfreiheit.

"Wir dürfen die großen Anbieter nicht in eine Richterrolle drängen", warnte von Notz. Es sei eben nicht egal, ob zu viel oder zu wenig gelöscht werde. Es drohe ein "schleichender Zensureffekt".

Auch Koalitionspartner gegen Gesetz
Kritik bekam Maas auch vom Koalitionspartner zu hören. Die rechtspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU), warf dem Minister ebenfalls vor, zu lange nichts getan zu haben. Nun bestehe "erheblicher Zeitdruck", vor dem Ende der Legislaturperiode noch "etwas Vernünftiges auf die Beine zu bekommen". Sie forderte mehr Handhabe gegen die Urheber von Hassbotschaften.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Nadine Schön (CDU) sagte dem Magazin "Der Spiegel", der von Maas vorgelegte Entwurf sei "missverständlich" etwa im Hinblick darauf, welche Betreiber von den Regeln betroffen seien und wann Bußgelder wirklich fällig würden.

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Redaktion
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