Di, 12. Dezember 2017

Welt CED Tag

18.05.2017 16:51

Darmerkrankungen ernst nehmen!

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie dauernd Schmerzen und Krämpfe hätten, extrem erschöpft wären, so dass Sie nicht arbeiten oder auch nur Freunde treffen können und ständig aufs Klo müssten? Nicht darüber reden und sich zu Hause verstecken?

So geht es Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, kurz CED genannt. Bis zu 80.000, vor allem junge Patienten, auch Kinder, gibt es in Österreich laut Schätzungen von Experten. Ihnen wird nun bei zwei tollen Veranstaltungen endlich Aufmerksamkeit zuteil, denn ihr Leiden ist ein Tabuthema, das im Alltag verschwiegen und nicht ernst genommen wird. Am Freitag, 19.5., dem Welt CED Tag, werden 120 internationale Wahrzeichen lila beleuchtet - in Wien ab 21.00 das Riesenrad -, um über CED aufzuklären und Bewusstsein zu schaffen. Prominenter Gast: Opernsäger Clemens Unterreiner. Am 27. Mai findet dann im Wiener Museumsquartier von 10.00 bis 17.00 der Lange Tag des Darms mit Vorträgen, Ernährungstipps, Infos zu Therapien und Selbsthilfegruppen statt. Auch ein begehbares Darmmodell gibt es dort zu bestaunen. Eintritt frei.

Moderne Therapien
Die Darmerkrankung ist angeboren und unheilbar, bedingt chronische Entzündungen, Durchfälle, Fieberschübe und Mangelerscheinungen, weil viele lebenswichtige Stoffe wie Eisen und diverse Vitamine nicht gut aufgenommen werden können. Die medizinische Betreuung ist aber immer noch nicht flächendeckend gegeben, obwohl es mittlerweile moderne Medikamente gibt, die das Leiden im besten Fall zum Stillstand bringen können. Der Grund: Im niedergelassenen Bereich werden die Symptome häufig unterschätzt, mit stressbedingtem "Bauchweh", schlechten Ernährungsgewohnheiten oder psychischen Befindlichkeiten erklärt. Dabei sollte eine Therapie früh und zielgerichtet einsetzen, um Folgeschäden, aber auch krankheitsbedingte Unterbrechung von Ausbildungs- und Arbeitszeiten zu minimieren. Dabei geht es um die gesamte Lebensplanung eines Patienten einschließlich Familienplanung und Berufswahl!

Spezialzentren gefordert
Daher fordern Experten mehr Spezialzentren, wo die Patienten auch psychologische Betreuung, Ernährungsberatung, gezielte Untersuchungen und bei Bedarf operative Versorgung erhalten. Die Gefahr bei CED, allen voran Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, besteht in Engstellen durch die ständige Entzündung, Fistelbildung und erhöhtem Krebsrisiko. Univ.-Prof. DI Dr. Harald Vogelsang, Leiter der Arbeitsgruppe CED, AKH Wien bei einer Pressekonferenz: "Nicht selten kommt die Diagnose erst auf Umwegen zustande, weil sich chronisch entzündliche Darmerkrankungen nicht nur im Verdauungstrakt bemerkbar machen, sondern auch Haut, Gelenke und Augen in Mitleidenschaft ziehen."

Was es heißt, mit Morbus Crohn zu leben, weiß Evelyn Groß, Jugendbeauftragte und Vizepräsidentin der Österreichischen Morbus Crohn Colitis ulcerosa Vereinigung aus eigener, 27-jähriger Erfahrung: "Die Diagnose zu erhalten ist für niemanden leicht. Verständnis, Rücksicht und Einfühlungsvermögen gibt es kaum. Daher müssen wir das Tabu brechen und offen über Darmerkrankungen sprechen." Die beiden Veranstaltungen setzen dafür ein Zeichen - für das Leben und gegen Ausgrenzung!

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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