Sa, 18. November 2017

Nach „Django“-Scherz

14.05.2017 14:50

Wolf will kein „empathieloses A****loch“ sein

"Aber sapperlot, ist das danebengegangen" - mit diesen Worten hat sich "ZiB 2"-Anchor Armin Wolf jetzt via Facebook beim zurückgetretenen ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner für seine heftig kritisierte "Totengräber"-Anmoderation entschuldigt. "Habe etwas falsch gemacht - das tut mir leid", drückte Wolf am Wochenende in einem Statement sein Bedauern über den umstrittenen Beitrag aus. Die empörten Reaktionen auf seinen "Django"-Scherz hätten ihn nachdenklich gemacht, so der ORF-Journalist. "'Empathieloses Arschloch!' ist keine Reaktion, die man gerne bekommt."

Die Anmoderation des Beitrags (siehe Video oben) hatte, wie mehrfach berichtet, bei vielen Sehern für Empörung gesorgt - allerdings erst, nachdem sich der scheidende Vizekanzler und ÖVP-Chef vor laufenden Kameras darüber beschwert und Wolf eine persönliche Verletzung vorgeworfen hatte. Mitterlehner hatte Ende des letzten Jahres einen familiären Schicksalsschlag erlitten - seine Tochter starb mit nur 38 Jahren an Krebs. Angesichts dessen erscheint die Anmoderation Wolfs mit der Anspielung auf einen alten "Django"-Streifen ("Die Totengräber warten schon") pietätlos.

Empörung über Wolf, Mitgefühl für Mitterlehner
Während sich viele plötzlich mit dem nunmehr zurückgetretenen Vizekanzler und ÖVP-Chef solidarisierten, warfen umso mehr ORF-Seher und auch krone.at-Leser dem streitbaren TV-Journalisten "fehlendes Benehmen" vor. Es wurden Konsequenzen oder gar eine Kündigung Wolfs gefordert. Was folgte, waren öffentliche Entschuldigungen von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und ORF-Chefredakteur Fritz Dittelbacher. Auch Wolf selbst entschuldigte sich bereits in einer Sendung und via Kurznachrichtendienst Twitter bei Mitterlehner.

Das dürfte dem "ZiB 2"-Anchor allerdings nicht gereicht haben, um einen Schlussstrich unter die emotionale Diskussion zu ziehen: Er veröffentlichte am Samstag ein langes Entschuldigungsschreiben via Facebook. "Ich habe in den letzten Tagen sehr viel über meine Arbeit nachgedacht und möchte, falls es wen interessiert, ein bisschen was davon hier teilen", schreibt Wolf.

"Niemand dachte an tragischen Todesfall"
"Es ist doch völlig selbstverständlich, dass wir die Idee sofort wieder vergessen hätten, hätte jemand an diesen tragischen Todesfall gedacht. Ich nehme an, die meisten in der Sitzung hatten - so wie ich auch - vor einigen Monaten davon gehört. Aber mir war das am Dienstag nicht eine Sekunde bewusst. Und auch sonst niemandem, der mit der Vorbereitung der Sendung beschäftigt war. Jedenfalls hat niemand ein Wort gesagt."

Wolf weiter: "Bei Reinhold Mitterlehner, der die Sendung offenbar zu Hause gesehen hat, ist das Bild völlig falsch angekommen. Jedenfalls hat er am nächsten Tag meine Moderation den 'letzten Punkt' für seine Entscheidung genannt, alles hinzuschmeißen." Dass er mit dem "Django"-Sujet zu weit gegangen ist, scheint sich Wolf jedenfalls zu Herzen genommen zu haben: "Ironie darf nicht zum Zynismus werden. Und wenn sehr viele Zuseher etwas als zynisch verstehen, habe ich etwas falsch gemacht. Das tut mir leid."

Heftige Reaktionen machten "harten Interviewer" Wolf nachdenklich
"Ich weiß, dass ich als 'harter' Interviewer gelte und andere Gespräche führe als Barbara Stöckl. Aber dass mir ein paar Hunderte Menschen ernsthaft zutrauen, ich hätte diese Anspielung gemacht, obwohl mir der Todesfall bewusst wäre, hat mich sehr nachdenklich gemacht. 'Empathieloses Arschloch!' ist keine Reaktion, die man gerne bekommt."

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