Mo, 20. November 2017

Jacob Zurl

13.05.2017 16:41

Ein abenteuerlicher Rekordritt über Kubas Straßen

1450 Kilometer in 58 Stunden und 48 Minuten: Im zweiten Anlauf schaffte der 28-jährige Grazer Jacob Zurl eine aberwitzige Nonstop-Durchquerung von Kuba mit dem Fahrrad. Im Gespräch mit der "Steirerkrone" lässt er das große Abenteuer noch einmal Revue passieren.

Auf Kuba ist Jacob Zurl fast schon weltberühmt. Als er vor einem Jahr beim ersten Durchquerungsversuch am Denguefieber scheiterte, twitterte sogar Fidel Castro, damals noch unter den Lebenden, bewundernd über den "ciclista austríaco" - und machte das Projekt zu einer Art Staatsaktion.

Heuer bezog der steirische Extremradler drei Wochen vor dem Start in Havanna Quartier, um sich an das heiße Klima zu gewöhnen - und stellte fest, dass viele auf der Straße ihn erkannten. Zurl, der bei seinen Abenteuern keineswegs nur an Sport denkt, genoss den hautnahen Kontakt mit Kubas Kultur: "Dort gibt es das Wort Lärmbelästigung nicht, das ganze Leben ist auf der Straße. Und Radfahren ist sehr populär, weil in Kuba nur ein Auto auf 100 Einwohner kommt." Mit jungen Radlern aus Havanna, die er bei einer Ausfahrt zufällig traf, trainierte Zurl für sein großes Abenteuer, das in den kubanischen Medien dauerpräsent war.

Ein Staatsgast auf zwei Rädern
Dabei war lange nicht klar, ob es stattfinden würde. "Die Behörden waren zuerst skeptisch, weil es diese Art von extremem Ausdauersport auf Kuba gar nicht gibt. Sie haben meinen Plan leichtsinnig gefunden." Und Zurl, nach einem Höhenmeter-Weltrekord und einer Himalaya-Überquerung für seine Zähigkeit bekannt, ließ sich anstecken von der Skepsis. "Nicht das Durchhalten war mein Problem. Ich hab’ mir Sorgen gemacht, dass ich nach 50 Stunden ein Schlagloch übersehe und mich bei einem Sturz verletze."

Doch die Genehmigung kam. Und das offizielle Kuba ergriff alle erdenklichen Maßnahmen, damit dem Staatsgast auf zwei Rädern nichts passiert. "Als wir in Punta de Maisí zum Start gekommen sind, hat da ein Rettungswagen mit Notarzt gewartet. Und eine Polizeieskorte."

Sogar Autobahnen wurden gesperrt
Es war ein spektakulärer Konvoi, in dem Zurl und seine Begleiter - darunter die Eltern Brigitte und Paul, Freundin Nina Almer sowie Filmer Daniel Gärtner - von West nach Ost durchs Land tingelten. Straßen und sogar Autobahnen wurden zu seinem Schutz gesperrt, Stadtdurchfahrten abgesichert. "Es war fast wie meine private Rundfahrt", kann es Zurl noch immer nicht glauben. "Und je weiter ich es geschafft habe, desto euphorischer sind die Leute geworden. Das hat mich sehr motiviert, aber auf der anderen Seite war es auch ein enormer Druck."

Denn bei aller Unterstützung: Schinden musste sich der junge Steirer auf seiner Wahnsinnstour ganz allein. Und das karibische Klima meinte es gar nicht gut mit ihm: "Die ersten zwei Tage hat es so stark geregnet, dass die Straße oft zehn Zentimeter unter Wasser war. Ich hab’ keine Schlaglöcher mehr gesehen." Prompt passierte in der zweiten Nacht der Sturz, bei dem sich Zurl schlimme Abschürfungen zuzog. Aber er kämpfte unter Schmerzen weiter, trotzte den Erschöpfungs-Halluzinationen, der extremen Hitze des dritten Tages. Dann, nur 70 Kilometer vor dem Ziel, eine neue Teufelei: Millionenfache Krabbenwanderung über die Straße. "Sie sind auf mich zugelaufen und haben mit ihren Scheren gedroht", erzählt Zurl. Doch da konnte den besessenen "ciclista estirio" nichts mehr aufhalten.

Matthias Wagner, Kronen Zeitung

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