Sa, 25. November 2017

Christopher Drexler

13.05.2017 16:36

Ein Querdenker als neuer Kulturlandesrat

Nach einer Schrecksekunde hat die VP gewissermaßen den logischen Nachfolger für die Kultur gefunden. Christopher Drexler folgt Christian Buchmann. Der für seine öffentlichkeitswirksamen Querdenkereien bekannte Politiker ist schon als Kultursprecher auch kritisch mit der eigenen Partei umgegangen.

"Krone": Früher war die Kultur eine Paradedisziplin der steirischen Volkspartei. Man gewinnt den Eindruck, dass sie über die Jahrzehnte vom Zentrum an die Peripherie des Parteiinteresses gerückt ist. Täuscht dieser Eindruck?
Christopher Drexler: Ich will die Vergangenheit nicht über Gebühr kommentieren. Es ist eines meiner Ziele, die Kulturpolitik in der Steiermark stärker ins Zentrum zu rücken. Ich hab’ eine ganz kleine symbolische Handlung gesetzt, das von mir verantwortete Ressort heißt "Kultur, Gesundheit, Pflege und Personal".

"Krone": Aber können Sie sich erklären, warum Kulturpolitik - das betrifft nicht nur die VP - oft als Anhängsel gilt?
Drexler: Das möchte ich nicht bestätigen, aber ich betone nochmals: Kultur gehört ins Zentrum. Wir leben in einer spannenden Zeit, wenn man sich die gesellschaftlichen Brüche ansieht: Brexit, Trump, Le Pen, die Entwicklungen in der Türkei und der Russischen Föderation. Es ist eine gefährliche Zeit, weil manches, was aus dem Geiste der Aufklärung stammt und den Westen ausmacht - Freiheit, Demokratie - in einer Bewährungsphase zu sein scheint. Die künstlerische Reflexion wird zu solchen Zeiten noch viel dramatischer gebraucht.

"Krone": Ihr Vorgänger hat zum Antritt das inoffizielle Motto "Fürchtet Euch nicht" ausgegeben. Können auch Sie mit etwas Knackigem dienen?
Drexler: (lacht) Ich dreh’ es lieber um: Ich fürchte mich nicht.

"Krone": Kulturpolitik war in den letzten Jahren notgedrungen vom Sparen geprägt.
Drexler: Das hat andere Ressort zum Teil noch deutlicher betroffen. Das Entscheidende ist, wieder verstärkt eine inhaltliche Debatte als nur eine Verteilungsdebatte zu führen. Über eine inhaltliche Debatte könnte man eventuell wieder in eine offensivere Budgetpolitik gehen. Ich bin nicht so naiv und sage: "Wir werden schon wieder etwas mehr bekommen." Aber das Kulturbudget ist in Relation klein. Deshalb käme es mir eigenartig vor, ausgerechnet hier einen Schwerpunkt im Sparen zu setzen.

"Krone": Denken Sie, dass die großen Institutionen die Sparprogramme verkraftet haben?
Drexler: Im Grunde schon, weil weder die Bühnen noch das Universalmuseum Joanneum nach außen hin in irgendeiner Form Schwäche zeigen. Wir müssen uns aber - auch mit dem Partner Graz - zusammensetzen und die Situation eingehend analysieren. Es fließt letztlich viel Geld zu den Großen, aber es gibt ja auch eine riesige freie Szene. Christian Buchmann ist gelungen, diesen freien Bereich nicht unter der Konsolidierung leiden zu lassen, was ich sehr gescheit gefunden habe.

"Krone": Als Sie noch Kultursprecher der Volkspartei waren, haben Sie das Fehlen einer langfristigen Strategie moniert. Kommt diese jetzt?
Drexler: Ich denke schon, dass wir in diese Richtung arbeiten sollten. Ich würde gerne eine kulturpolitische Vision entwickeln. Ich möchte die Situation etablieren, dass, wenn wir über Kultur in der Steiermark sprechen, wir über Gegenwart und Zukunft sprechen, nicht über Vergangenheit. Das ist jetzt keine Kritik an eingeübten Festivals und Institutionen - aber es reicht nicht, die Vergangenheit zu beschwören. Und zweitens: Die internationale Wahrnehmbarkeit und Vernetzung erscheint mir wichtig.

"Krone": Ein Dauerthema ist die Benachteiligung der Kultur in den Ländern seitens des Bundes. Der Vorwurf, dass die Mittel in Wien bleiben.
Drexler: Das ewige Lied der Klage halte ich nicht für angezeigt. Ich werde das mit Sicherheit in Gesprächen ausloten. Wenn tatsächlich überhaupt keine Bewegung in die Sache kommen sollte, dann wird man sich einen anderen Stil überlegen müssen.

"Krone": Angedacht ist eine Steiermark-Expo mit der Bündelung diverser Kräfte. Mittel dafür sind nicht in Sicht. Halten Sie es für sinnvoll, daran festzuhalten?
Drexler: Die Expo ist im Regierungsprogramm fixiert. Ich möchte rasch Ideen sichten. Ein neues Format in Nachfolge von Landesausstellungen bzw. Regionale ist sinnvoll, aber es muss etwas Neues sein. Die Finanzierung wird eine Herausforderung. Ich möchte alles versuchen, um etwas auf die Beine zu stellen.

"Krone": Und was meinen Sie zur Etablierung einer Akademie für Bildende Kunst?
Drexler: Es gibt viele Leute, die mit viel Leidenschaft dafür eintreten, so etwas wäre wünschenswert. Aber ich denke, es ist Bundessache und hat keine oberste Priorität für die Landespolitik.

"Krone": Sie haben die Internationalisierung angesprochen. Könnten Festivals wie "styriarte" oder der "herbst" von Finanzspritzen profitieren?
Drexler: Zusätzliche Mittel sind in weiter Ferne. Und falls es die geben sollte, muss man sich fragen, ob nicht neue Projekte damit unterstützt werden. Wobei bewährte Festivals natürlich geniale neue Ideen haben können.

Martin Gasser, Kronen Zeitung

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