Fr, 15. Dezember 2017

Jede Menge Freiheit!

11.05.2017 14:29

Da schäumt der Alien: Das neue "Prey" im Test

Elf Jahre nach dem ersten "Prey" schicken Bethesda und die Arkane Studios einen neuen Shooter ins Rennen, der mit dem Namensgeber eigentlich nicht mehr viel zu tun hat. Stand früher das Ballern im Vordergrund, geht es in der Neuauflage auf einer gigantischen Raumstation, auf der man mysteriösen Alien-Invasoren ihre Geheimnisse entreißt, subtiler zu. Wie sich das spielt und warum man sich an Shooter-Klassiker wie "Half Life" oder "System Shock" erinnert fühlt, lesen Sie hier.

Man merkt dem neuen "Prey" an, dass es von den Schöpfern der "Dishonored"-Reihe stammt. Schnödes Ballern ist nicht nur durch chronische Munitionsknappheit wenig hilfreich. Es führt auf der Spurensuche, wie es denn zur Invasion der fiesen Typhon-Aliens kam, auch nicht zum Ziel. Stattdessen gilt es, Talos I klug auszukundschaften, sich mit den Hinterlassenschaften der Crew zu beschäftigen und in Audio-Logs und Datenpads die Geschehnisse zu rekonstruieren.

Rebellion der Versuchskaninchen
Aber der Reihe nach: Im neuen "Prey" schlüpft man in die Haut von Morgan Yu, dem Bruder (oder, wenn man will, auch der Schwester) des Talos-I-Kommandanten. An Bord der Station ist der Protagonist in eigenartige wissenschaftliche Experimente verwickelt, als es plötzlich zur Rebellion der anderen Versuchskaninchen an Bord kommt: der Typhon-Aliens. Schnell überrennt die extraterrestrische Brut die Station und macht die verbliebenen Menschen zur wehrlosen Beute. Einige verstecken sich, andere werden von den Aliens getötet oder gar übernommen.

Die Aufgabe, den ganzen Schlamassel zu beseitigen und die Ursprünge der Typhon-Invasion zu ergründen, fällt unserem Helden Morgan zu. Inszeniert ist seine lange Reise durch die Talos-Station dabei actionreiches Shooter-Abenteuer mit ein paar RPG-Elementen, in dem man selbst der Spielwelt ihre Geheimnisse entreißt - so ähnlich wie im Genreklassiker "System Shock".

In jedem Raum der Station warten Infos darauf, entdeckt zu werden, zwischendurch sprechen die Spieler per Audioschaltung mit Überlebenden oder graben in den Archiven der Station, um für das Fortkommen nötige Hinweise oder einfach nur Story-Häppchen zu entdecken. Diese Art der Inszenierung muss man mögen, sie erwies sich im Test aber als durchaus atmosphärisch.

Anfangs wenig innovative Aufträge, aber viel Freiheit
Dabei erscheint "Prey" nach dem gelungenen Auftakt zunächst eine eher fade Nummer zu werden. Repariere dies, berge jenes - die Aufgaben in den ersten Stunden gewinnen keinen Innovationspreis. Die Art, wie man sie erfüllt, schon.

"Prey" versteht es virtuos, Morgan Yu sein eigenes Ding drehen zu lassen. Eine wichtige Rolle bei dieser spielerischen Freiheit spielt die wohl ungewöhnlichste Waffe des Spiels: die Schaumkanone. Sie verschießt klebrige Schaumkugerl, mit denen man Aliens bewegungsunfähig macht, Flammen erstickt oder behelfsmäßige Leitern an die Wand pickt.

Unkonventionelle Taktiken gegen fiese Gegner
Im Test erinnerte uns das ein wenig an die Gravity Gun aus "Half Life 2" - und zwar im positiven Sinne, weil die unkonventionelle Wumme so viele Möglichkeiten bietet. Und die braucht man auch: Die Aliens in "Prey" sind nämlich brandgefährlich, befördern den Spieler gerade zu Beginn recht schnell ins virtuelle Nirwana. Bisweilen auf hinterhältigste Art: Die fiesen Typhon gibt's in verschiedensten Varianten, von kleinen spinnenartigen Aliens bis hin zu als Gegenstand getarnt lauernden Formwandlern oder schwerbewaffneten Flug-Aliens. Gut, dass es vier jederzeit wechselbare Schwierigkeitsgrade gibt.

Man muss sich den Aliens anpassen, um sie zu besiegen - und klug mit den verfügbaren Ressourcen haushalten. Wer die rare Munition für die Laserkanone bei Mini-Aliens verpulvert, ärgert sich beim nächsten stärkeren Gegner gewaltig. Wer sie mithilfe der Umwelt - etwa durch einen Schuss in eine Energieleitung mit anschließender Stichflamme - ums Eck bringt oder sie per Schaumkanone festsetzt und dann mit der Rohrzange tot haut, hat es leichter. Wer dann noch die Ressourcen sammelt, die sie fallen lassen und diese in nutzbringende Dinge wie Granaten verwandelt, ebenfalls.

Reichlich spielerische Freiheit
Überhaupt erwies sich im Test die spielerische Freiheit, mit der man die Talos-I-Station erkundet, als große Stärke des neuen "Prey". Immer führen mehrere Wege zum Ziel: Steht man vor einer verschlossenen Tür, kann man in den Archiven der Station nach dem Code suchen. Oder mit der Schaumkanone eine Aufstiegshilfe zum nächsten Lüftungsschacht an die Wand picken und auf diesem Umweg in den Raum gelangen. Im späteren Spielverlauf darf man sich sogar schrumpfen und so durch allerlei enge Öffnungen schlüpfen.

Spieler schaltet nach und nach Alien-Kräfte frei
Diese Möglichkeit wird ebenso wie andere Spezialfertigkeiten, die das Leben als Alien-Jäger erleichtern, im Laufe des Spiels durch das Scannen von Aliens und das Ausrüsten sogenannter Neuro-Booster eingeführt. Ist man gerade anfangs noch recht eingeschränkt in der Vorgangsweise, kann man später Selbstschussanlagen kontrollieren, Aliens übernehmen, sich selbst per Alien-Fähigkeit als Gegenstand tarnen oder schwerer heben.

Weil jede neue Fähigkeit neue Möglichkeiten der Kombination mit sich bringt, wird "Prey" im Spielverlauf immer vielfältiger - ein wenig wie "Deus Ex: Human Revolution", wo der Held mit Hightech-Komponenten aufgemotzt wurde.

Abwechslungsreiche Spielwelt, fertiges Game
Zum abwechslungsreichen Gesamteindruck trägt auch die gelungene Spielwelt bei. Talos I ist riesig und bietet für eine Raumstation reichlich Abwechslung. Schießereien mit den Typhon in der Stations-Disco stehen ebenso am Programm wie Ausflüge in die hydroponischen Gärten der Station. Klar spielen die Kämpfe dabei eine wichtige Rolle, ebenso wichtig sind aber die vielen kleinen Rätsel, die das Vordringen in die Innereien der Station erschweren und bisweilen ganz schön fordern.

Bugs oder andere Mängel sind uns in der getesteten PC-Version dabei nicht untergekommen: "Prey" lief im Test auch auf nicht mehr ganz taufrischer Hardware angenehm flüssig, die Steuerung per Maus und Tastatur funktioniert altbewährt. Wenn man "Prey" optisch etwas ankreiden könnte, sind es wohl am ehesten die nicht immer superscharfen Texturen und manch etwas unrealistisch animiertes Gesicht. Dafür lief das Game im Test stets bei stabilen Bildraten und erfreute das Auge mit hübschen Licht- und Reflexionseffekten.

Akustisch macht "Prey" ebenfalls eine gute Figur. Tatsächlich trägt die gelungene Soundkulisse in hohem Maß dazu bei, dass die Reise durch Talos I bisweilen recht gruselig sein kann - etwa, wenn man diffuse Alien-Geräusche in der Ferne hört und jederzeit damit rechnet, dass ein Typhon ums Eck kommt. Bei der Wahl der Sprecher hat Bethesda ein glückliches Händchen bewiesen, der Soundtrack untermalt "Prey" angenehm stimmig.

Fazit: Auch, wenn die Inszenierung vermutlich nicht jedermanns Sache sein wird und sich manch PC-Spieler noch etwas schärfere Texturen gewünscht hätte, ist "Prey" ein gelungener und spielerisch abwechslungsreicher Mix aus Shooter und Rollenspiel, der immer wieder in positiver Weise an Klassiker wie "System Shock" oder "Half Life" erinnert. Vor allem die große Freiheit, die die Entwickler bei Morgan Yus langer Reise durch die Talos-I-Station einräumen, weiß zu gefallen.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: Bethesda
krone.at-Wertung: 8/10

Dominik Erlinger
Redakteur
Dominik Erlinger
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