Sa, 18. November 2017

Kapazitätsgrenzen

11.05.2017 06:05

Neue Strukturen und Technik gegen Pflegenotstand

Ein besachwalterter Patient (41) eines Pflege- und Betreuungszentrums in Wartberg ob der Aist hat einem Pfleger aus Neumarkt am Dienstag drei Ohrfeigen versetzt - Anzeige. Er machte den 44-Jährigen für seine triste Situation verantwortlich. Eine traurige Facette, die die Schwierigkeiten des Pflegeberufs widerspiegelt.

In der Linzer Dauphinestraße drohte am Mittwoch ein Insasse eines Seniorenheims dem Personal, sich aus einem Fenster im dritten Stock zu stürzen. Mit Hilfe der Polizei konnte der betagte Mann abgehalten werden, sich etwas anzutun. Für das Personal sind Fälle wie dieser und jener in Wartberg sehr belastend.
"Es ist ein schöner, aber nicht immer einfacher Beruf", bringt Beate Glück, Pflegefachkraft im Betreuungszentrum Schloss Cumberland Gmunden, die Anforderungen für ihren Berufsstand auf den Punkt. Freud und Leid liegen unmittelbar beieinander.
Die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt rasant zu, die Mitarbeiterzahlen können damit immer weniger Schritt halten. "Wir brauchen in der Pflege neue Wege", sagt Regina Kickingereder, Pflegechefin im Ordensklinikum der Elisabethinen Linz.

Neustrukturierung
Die sich ständig ändernden Anforderungen an die Pflegefachkräfte sowie damit verbundene Belastungen machen laut Kickingereder eine Neustrukturierung der Aufgaben erforderlich: "Die Pflege muss sich ständig neu erfinden." Bei der heute stattfindenden Tagung "Das neue Alt" im  Fortbildungszentrum der Elisabethinen, werden Anregungen gesetzt, wie künftige gesellschaftliche Entwicklungen und Rahmenbedingungen frühzeitig erkannt werden können, um daraus die richtigen Schlüsse für eine menschenwürdige, effiziente und moderne Pflege abzuleiten. "Vergleicht man die heutige Verweildauer mit der von 1989, sieht man, dass wir nur mehr halb so viel Zeit zur Verfügung haben, um die Patienten im Spital zu mobilsieren", sagt Pflegemanagerin Berta Reiter. Die Qualität dürfe nicht schlechter sein, die Verantwortung müsse daher auf mehrere Schultern verteilt werden: "Wir brauchen die Unterstützung anderer Berufsgruppen und neuer Technologien, um Patienten und Angehörige zu befähigen, an der Heilung mitzuwirken."

"Verweildauer von nur 4,6 Tagen"
Regina Kickingereder, Pflegedirektorin des Ordensklinikums der Elisabethinen Linz, berichtet von ständigem Anpassungsdruck.

Wie hoch ist die durchschnittliche Verweildauer bei den Elisabethinen?
Die Verweildauer beträgt bei uns nur 4,6 Tage.

Die Erwartungshaltung der Patienten hat sich diesbezüglich verändert?
Aus Umfragen wissen wir, dass die Menschen nur möglichst kurz im Krankenhaus bleiben wollen und sich wünschen, in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung am Besten von Angehörigen vollwertig betreut zu werden.

Die Pflege ist eine Berufsgruppe, die sehr nah am Menschen arbeitet.
Wir erkennen dadurch sehr früh, ob sich die Betreuungsrealität mit den Vorstellungen der Patienten noch deckt oder ob die Vorstellung, wie die Menschen versorgt werden wollen, in der Praxis keine entsprechende Berücksichtigung findet. Wir geraten in Zugzwang, unsere Arbeit stets schnell genug anzupassen.

Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

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