Sa, 18. November 2017

Gericht

10.05.2017 13:52

Schütze drückte aus Zorn ab: „War ein Blödsinn“

Der Zoff mit dem Nachbarn, einem Syrer, weckte seinen Zorn: Deshalb griff ein Kapruner (66) im September 2016 zu seinem Luftdruckgewehr, drückte von seinem Balkon aus mehrmals ab. "Nur auf die Scheiben" zweier Autos, so der Ex-Schiffskapitän im Salzburger Landesgericht. Dafür gab es letztlich eine Bewährungsstrafe.

Staatsanwalt Alexander Winkler hatte ein anderes Ziel im Visier des Luftdruckgewehrs vermutet: "Er hat versucht, den Syrer absichtlich schwer zu verletzten", lautete der Vorwurf gegen den unbescholtenen Pinzgauer. "Es steht Aussage gegen Aussage. Es gibt keinen objektiven Beweis", entgegnete Verteidiger Thomas Schwab. Der Angeklagte gab in der Einvernahme zu, Schüsse abgegeben zu haben. Aber nur auf zwei geparkte Autos: "Es war ein Riesenblödsinn." Ein Streit mit dem Nachbar, der im selben Haus ein Geschäft führt, hatte ihn zu alldem bewogen. Tage vor dem Vorfall hatte er täglich bei der Polizei angerufen. Wegen des Lärms, den der Nachbar machte. Als er am besagten Abend des 2. September 2016 betrunken zu Hause war, wieder arabische Musik von draußen hörte und Polizisten ihn vertrösteten, fiel ihm sein Gewehr ein: Er ging auf seinen Balkon und drückte ab. "Einen Zorn hatte ich bei meinem Dusel", so der Pensionist. Getroffen hat er die Heckscheiben zweier Autos: Einer davon gehörte dem Nachbarn.

Gegenüber Richter Günther Nocker betonte er: "Es war kein Mensch auf der Straße." Cobra-Beamte nahmen den Senior fest. Drei einhalb Monate saß er wegen Mordverdachts in U-Haft.

Der Richter verwies auf rassistische Aussagen des Mannes im Zuge des Verhörs - der Angeklagte machte auch keinen Hehl aus seinem Missfallen gegenüber Arabern: "Ich mag sie einfach nicht." Für den syrischen Nachbar (29) stand hingegen Absicht dahinter: "Ein Schuss ist direkt neben mir eingeschlagen." Drei Schüsse habe er gehört - die Waffe habe er aber nicht gesehen, so Delsher Al Khalaf zum Schöffensenat. Der Selbstständige, der seit fünf Jahren in Österreich lebt, ist seit dem Vorfall schreckhaft geworden: "Ich habe Angst, wenn ich im Geschäft bin."

Winkler wunderte sich zudem über die Durchschlagskraft der Projektile: "Die gingen beim Test durch einen Schweinshaxen."

Letztlich enthielten die Zeugenaussagen einige Widersprüche - für das Gericht ergab sich kein rundes Bild. Zur versuchten Körperverletzung verkündete Nocker daher einen Freispruch im Zweifel. Wegen Sachbeschädigung setzte es für den Kapruner zwei Monate Haft auf Bewährung. Rechtskräftig!

Antonio Lovric, Kronen Zeitung

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