Mi, 13. Dezember 2017

BBC-Aufreger

10.05.2017 11:41

Lang lebe Charles: Film inszeniert Tod der Queen

Das Unfassbare ist geschehen. Queen Elizabeth II. ist tot. Leblos liegt sie in ihrem Sarg, die Königsfamilie um sie versammelt. Prinz Charles, der ewige Thronfolger, soll nun die britische Monarchie anführen. Etwas zögerlich nimmt er die Krone entgegen - wohlwissend, was ihn in Kürze erwarten könnte. Mit diesem Szenario eröffnet die BBC-Produktion "King Charles III".

Der Film nimmt ein Thema zur Vorlage, das lange tabu schien in der britischen Öffentlichkeit: den Tod von Queen Elizabeth II. Dass die heute 91-Jährige irgendwann das Zeitliche segnen wird, ist unumgänglich. Doch dies als Vorlage für einen Film zu nehmen, dürfte unweigerlich Gegenwind auf der Insel erzeugen.

Unterhaltung oder Provokation?
Das weiß auch Regisseur Rupert Goold, der ein gefeiertes Theaterstück von Mike Bartlett auf die Filmleinwand bringt. Bereits vor der Premiere am Mittwoch im BBC-Programm ist die Aufregung groß. Es wird darüber gestritten, ob der Plot nur gute Unterhaltung bietet oder eine Provokation gegenüber dem Königshaus darstellt. "Das TV-Publikum ist größer und vielfältiger. Aber ich hoffe, dass die Menschen, die denken, es wäre anti-monarchisch, den Film komplett anschauen werden, denn er ist differenzierter", sagt Goold.

Stein des Anstoßes ist nicht nur der fiktive Tod der Queen, sondern auch das darauffolgende Chaos, das der Film zeigt. Charles, der vom im April verstorbenen Schauspieler Tim Pigott-Smith dargestellt wird, weigert sich in seinen ersten Amtstagen ein Gesetz zur Einschränkung der Pressefreiheit zu unterschreiben. Dies löst eine Verfassungskrise und landesweite Proteste aus. Daraufhin beordert er einen Panzer vor den Buckingham-Palast.

Intrigen und Romanzen
Gleichzeitig intrigiert Herzogin Kate gegen den neuen König, weil sie gerne ihren Ehemann Prinz William auf dem Thron sehen würde. Prinz Harry stürzt sich unterdessen in eine Liebesbeziehung mit einer Gegnerin des Königshauses namens Jessie und kehrt der Monarchie den Rücken. Auch Charles' Ehefrau Camilla kommt nicht gut weg. In einer Szene schlägt sie ihrem Stiefsohn William ins Gesicht. Die Spannungen im Buckingham-Palast sind für den Zuschauer zum Greifen.

Dass der Film jedoch zuweilen auch in Skurrilität abdriftet, zeigt ein Auftritt der 1997 verstorbenen Prinzessin Diana, die als Geist zu ihrem Sohn William spricht und ihm prophezeit, er würde einen guten Monarchen abgeben. "Ich denke, dass ihr Geist eine shakespearehafte Form und ein dramaturgisches Werkzeug ist und kein Witz", verteidigte Autor Bartlett seine Idee in einem Interview mit der "Radio Times".

BBC verteidigt ihre neue Produktion
Die BBC verteidigte sich bereits im Voraus gegen mögliche Kritik an der Produktion: "Die Öffentlichkeit begreift den Unterschied zwischen Fakt und Fiktion." Kritik kam insbesondere aus den Reihen der Konservativen. Es sei "unglücklich, dass die BBC versucht dieses Fantasiegespinst zu bewerben, das viele Gebührenzahler widerwärtig finden werden und das in meinen Augen die königliche Familie verunglimpft und untergräbt", sagte der Tory-Abgeordnete Andrew Bridgen der "Mail on Sunday".

Ihm widerspricht sein Parteikollege John Whittingdale. "Es ist ein Schauspiel und nicht als Fakt präsentiert", stellte der ehemalige Kulturminister klar. "Manche meiner Kollegen werden hysterisch, wenn es um solche Dinge geht. Ich denke nicht, dass sich die Queen im Geringsten angegriffen fühlt." Der Buckingham-Palast hüllt sich unterdessen in Schweigen. Wie häufig ist von der Presseabteilung der königlichen Familie zu hören: Kein Kommentar.

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