Fr, 15. Dezember 2017

Lade-Dynamik

10.05.2017 00:01

BMW 5er Touring: Platz für Wasserspiele

"Heit rengt's Schuastabuam", fasst ein BMW-Mitarbeiter die nasse Grauwetterlage zusammen. Die Präsentation des neuen BMW 5er Touring in seiner bayerischen Heimat gerät folglich eher zum Stapellauf denn zur Testfahrt. Beinahe hätten wir das angehängte Segelboot zu Wasser lassen müssen. Wie gut, dass im Kofferraum jetzt 50 Liter mehr Platz für Regenmäntel und Gummistiefel ist.

Wer die technischen Daten schon mal irgendwo gelesen hat, wundert sich jetzt vielleicht. Da stehen 570 Liter den 560 Litern des Vorgängers gegenüber. Ja, das sind nur zehn Liter Differenz. Allerdings waren früher nur 520 Liter primär nutzbar, der Rest unterm Boden verborgen. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Auch in praktisch allen übrigen Dimensionen ist der BMW 5er Touring gewachsen, am meisten in der Länge, auf die er sich 4,94 m (plus 36 mm) weit streckt. Knapp ein Zentimeter ist es in der Breite (jetzt 1,87 m), ein Zentimeter in der Höhe (1,50 m). Marginal wuchs der Radstand auf 2,975 Meter, was dem nicht opulenten, aber absolut ausreichend bemessenen Innenraum zugutekommt.

Überhaupt ist der neue 5er Touring nicht nur etwas für BMW-Fans, sondern tatsächlich auch für Leute geeignet, die ein praktisches Auto so dringend brauchen wir die abendliche Ruhe, wenn die Kinder im Bett sind. Die passen übrigens wie Tick, Trick und Track auf die Rückbank, wo sich drei Kindersitze ausgehen.

Doppeltes Heckklappchen
Wer nur schnell die Sporttasche hinten reinwerfen will, öffnet einfach das Heckfenster, das Abdeckrollo fährt automatisch nach oben. Ansonsten schwingt die Heckklappe optional elektrisch auf, wenn man mit dem Fuß drunterkickt, und eröffnet einen deutlich verbreiterten Laderaum mit einer sehr niedrigen Ladekante. Kofferraumabdeckung und Trennnetzrollo lassen sich in einer Aussparung unter dem Ladeboden verstauen.

Die Rücksitzlehne klappt auf Knopfdruck 40:20:40 geteilt nach vorne. Flach. Man bringt also auch Großes, Schweres unter. Dabei geht das Heck dank dort serienmäßiger Luftfederung samt automatischer Niveauregulierung auch bei Ausnutzen der höchstzulässigen Zuladung von 730 kg (120 kg mehr als früher) nicht in die Knie.

Um ein komplett verstellbares Fahrwerk zu bekommen, muss man dennoch beim Bestellen den richtigen Haken setzen, Dynamische Dämpfer Control bzw. Adaptive Drive sind die Zauberworte. Andererseits - mir hat bei den Testfahrten nichts gefehlt. BMW schreibt seinem Business-Laster zu Recht Dynamik auf die Fahnen bzw. ins Blechkleid (auch wenn der Komfort bei den Münchnern merklich immer mehr Augenmerk bekommt). Hier kommt eine Dimension zum Tragen, in der der 5er Touring nicht zugelegt hat: Er bringt im Schnitt rund 100 kg weniger auf die Waage, 1640 kg ohne Fahrer sind es beim 252 PS starken Vierzylinder-Benziner 530i Touring (100 kg mehr als die Limousine); sein Diesel-Pendant mit 190 PS und bärenstarken 400 Nm kommt auf 1655 kg.

Volle Motorenpalette
Zur Markteinführung im Juni 2017 stehen vier Motoren zur Wahl: je ein Vierzylinder- und ein Sechszylinder als Benziner oder Diesel, wobei für die beiden größeren schon gleich Allradantrieb erhältlich ist (beim 540i obligatorisch). Im Sommer kommen weitere Motorisierungen dazu, ab November ist auch der empfehlenswerte Einstiegsdiesel 520d allradgetrieben zu haben. Und der Top-Diesel 550d kommt. Verbrauchskönig ist der kleine Diesel mit einem minimalen Normverbrauch von 4,3 l/100 km. Da zahlt sich der vorbildliche cW-Wert von nur 0,27 aus.

Mehr Elektronik, als man braucht
Sie wollen alles richtig machen, daher kann der 5er natürlich (Aufpreis!) teilautonom fahren, nahende Gefahren aus allen möglichen Richtungen erkennen, querende Vorfahrtsstraßen ankündigen und Handys per Apple CarPlay/Android Auto connecten. Für Letztgenanntes braucht es allerdings eines der teuren Navis, also "Business" oder "Professional", was nicht im Sinne des Kunden ist, denn wer sein Handy-Navi im Auto nutzen will, braucht die Onboard-Karten nicht. Und wer das Onboard-Navi hat, wäre schlecht beraten, wenn er dessen geschmeidige Bedienung verschmähen und stattdessen handynavigieren würde. Insbesondere da BMW eine ganze Reihe verbundener Features entwickelt hat. Wozu also Apple CarPlay?

Ein Muss ist jedoch das optionale Head-up-Display, das farbig anzeigt auf einer um 70 Prozent gewachsenen Projektionsfläche. Wer es sich leisten kann, sollte tatsächlich auch das Top-Navi mit 10,25-Zoll-Touchscreen ordern, allerdings nicht wegen der Gestensteuerung.

Unterm Strich
Er ist ein Rundum-Wohlfühl-Paket geworden, der 5er-Kombi. Auf identischen Außenabmessungen haben sie in München aus der sportlichen Business-Limousine einen fast ebenso sportlichen Pampers-Bomber oder Golfwagen, je nach Fasson, gemacht. Auch optisch steht er seinem Stufenheckbruder nicht nach. Und beide bringen am Display optional den Wetterbericht - damit man weiß, wie weit man fahren muss, um aus dem Regen herauszukommen. Die Reichweite sollte dank günstigem Verbrauch nicht das Problem sein. Die Preisliste beginnt bei 54.750 Euro für den handgeschalteten 520d Touring - ohne das angehängte Segelboot.

Mehr zum neuen 5er-BMW finden Sie in den Fahrberichten hier und auch hier.

Warum?

  • Sehr praktischer und jetzt deutlich größerer Kofferraum
  • Dynamischer Auftritt

Warum nicht?

  • Der Trend geht zum SUV

Oder vielleicht …

… Volvo V90, Mercedes E-Klasse T-Modell, Audi A6 Avant - und der Jaguar XF kommt auch als Kombi.

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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