Fr, 24. November 2017

Bericht rüttelte auf

09.05.2017 16:39

Missstände in Pflegeheimen: Mehr Kontrolle kommt

Alte Menschen, die mit Medikamenten ruhig gestellt werden, zu wenig Personal, Heime ohne geeignete Ausstattung für Pflegefälle - das sind nur ein paar Missstände, die die Volksanwaltschaft aufdeckte. Das Land Tirol reagiert jetzt: Heime werden künftig öfter kontrolliert. Doch das ist nicht die einzige Konsequenz.

125 Alten- und Pflegeheime wurden österreichweit von der Volksanwaltschaft geprüft, darunter 28 Tiroler Einrichtungen. Dabei wurden zum Teil gravierende Mängel in der Betreuung festgestellt. So wird von einem Tiroler Heim berichtet, in dem fast die Hälfte der betreuten Bewohner ohne ärztliche Diagnose Psychopharmaka verabreicht bekam.

Viele der Missstände würden aus einem Personalmangel und einem unübersichtlichen Regelwerk für die Arbeit der Pflegekräfte resultieren, heißt es in dem Bericht. Mehr Personal, einheitliche Mindeststandards und mehr Kontrollen werden gefordert.

Prüfung alle drei Jahre

Der alarmierende Bericht führt nun zu Konsequenzen, für die das Land Tirol in der jüngsten Regierungssitzung die Weichen gestellt hat. "Wir werden die Kontrollfrequenz in den insgesamt 88 Tiroler Heimen erhöhen", kündigt Pflege-LR Bernhard Tilg (ÖVP) an. Mindestens alle drei Jahre sollen die Heime von externen Prüfern des Landes durchleuchtet werden. Derzeit findet eine Kontrolle maximal alle fünf Jahre statt. Der Landesrechnungshof hat das bereits vor mehr als einem Jahr kritisiert. Passiert ist damals nichts.

Reform bei Tarifen und Leistungen

Auch die schon lange geforderte Vereinheitlichung der Tarife und Leistungen soll nun endlich durchgesetzt werden. Derzeit gibt es für die rund 6000 Pflegeplätze fast 200 (!) verschiedene Tarife - und damit Leistungen. "Wir erhoffen uns von der Tarifreform eine bürokratische Entlastung, damit mehr Zeit für die Pflege bleibt und eine ausreichende Berücksichtigung der psychosozialen Betreuung", fasst Robert Kaufmann, Obmann der ARGE Tiroler Altenheime, das Ziel der Reform zusammen.

Mehr Mitarbeiter

Der Mitarbeiterstand in den Tiroler Heimen soll bis 2022 von derzeit 5000 auf 6000 erhöht werden.

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

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