Di, 12. Dezember 2017

Todbringende Viren

09.05.2017 16:00

Milben und Gifte bedrohen Amerikas Bienenfarmen

Jahr für Jahr machen sich 3000 Trucks aus allen Teilen der USA auf den Weg nach Kalifornien. Auf mächtigen Anhängern kommen 1,5 Millionen Bienenstöcke ins Central Valley, wo die Bienen eine wichtige Arbeit leisten: Sie produzieren nicht nur Honig, sondern bestäuben auch die Blüten der Mandelbäume. Doch die kommerzielle Bienen- und Honigindustrie fördern auch die Ausbreitung der gefährlichen Varroa-Milbe, warnen Forscher.

Anders als bei vereinzelten, wilden Bienenvölkern können sich die Milben - und mit ihnen die todbringende Viren - besser ausbreiten, wenn eine große Zahl von Bienenstöcken eng zusammenstehe, haben US-Wissenschaftler herausgefunden, die den Befall in einer großen Bienenzucht mit 120 Kolonien untersucht haben.

Auf dem Rücken von Bienen, die auf der Nahrungssuche in fremde Bienenstöcke eindringen, würden die alleine wenig mobilen Parasiten übertragen, schreibt Gloria DeGrandi-Hoffman vom Carl Hayden Bienen-Forschungszentrum in Tucson im US-Bundesstaat Arizona, im Fachjournal "Environmental Entomology".

Mit beschaulichem Hobby hat Imkerei in den USA nicht zwingend etwas zu tun. Zwar haben die meisten der etwa 125.000 Imker jeweils weniger als 25 Bienenstöcke, aber andere betreiben dafür regelrechte Bienenfarmen. Und die sind, nach einer neuen Studie, offenbar besonders anfällig für einen Hauptverursacher des Bienensterbens: die Varroa-Milbe, die sich offenbar in eng bestückten Bienenfarmen besonders gut ausbreiten kann.

Seit 1989 starben in USA 3,5 Millionen Kolonien
In den USA starben seit 1989 fast eine Million der damals 3,5 Millionen Bienenkolonien. Schuld daran ist neben der Varroa-Milbe vor allem Pestizideinsatz. Oft verschwinden aber auch ganze Bienenvölker mitten in der Saison ohne ersichtlichen Grund. Auch in Europa macht der Parasit, der Arbeiterinnen ebenso wie Brut befällt, den Imkern zu schaffen. Die Milbe schwächt die Honigbienen, beeinträchtigt ihre Orientierung und überträgt zudem häufig todbringende Viren.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Profi-Imker ihre Bienenstöcke zum Schutz vor Krankheitserregern wie der Amerikanischen Faulbrut mehrmals jährlich mit Antibiotika besprühen - ein in Deutschland verbotenes Verfahren. Zum einen schwächt dies Darmfunktion und Widerstandskraft der Tiere, wie jüngst eine andere Studie zeigte, zum anderen sind Rückstände im Honig aufzuspüren und Resistenzen können entstehen.

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