Do, 23. November 2017

Ohne Codes wertlos

09.05.2017 16:55

Bestätigt: Eurofighter an der Leine des Pentagon

Kein österreichischer Eurofighter darf ohne ihre Navigations- und Funk-Daten abheben: Zwei US-Bürger, die in der Hochsicherheitszone am Fliegerhorst Zeltweg stationiert sind, liefern diese Codes. Jetzt ist bestätigt: Sie sind Mitarbeiter der Foreign Military Sales Unit des US-Verteidigungsministeriums - die 15 um 1,7 Milliarden Euro gekauften Jets hängen also an der kurzen Leine des Pentagon.

"Ja, das ist ein Trauerspiel: Die Europäer schaffen's, dass Airbus-EADS einen europäischen Kampfjet baut, aber dann sind wir trotzdem bei der Software für Navigation, Funkverschlüsselung und Freund-Feind-Erkennung von den USA abhängig", kritisiert ein leitender Mitarbeiter im Verteidigungsministerium und bestätigt inoffiziell die Recherchen der "Krone". Das Problem sei auch in anderen neutralen Staaten wie der Schweiz oder Schweden bekannt.

So sind die beiden US-Bürger am Fliegerhorst Hinterstoisser, die vor jedem einzelnen Eurofighter-Start die Crypto-Schlüssel für eine Verschlüsselung des Funkverkehrs und für die Navigation freigeben müssen, nämlich keineswegs Mitarbeiter einer "kleinen Sicherheitsfirma": Sie werden vielmehr von der absolut nicht kleinen Foreign-Military-Sales-Einheit (FMS) der Defence Security Cooperation Agency (DSCA) gestellt, die ihren Sitz direkt im Pentagon in Washington hat.

Für US-Außenpolitik "a fundamental tool"
Die Foreign Military Sales, die Jahr für Jahr weltweit Milliardendeals über Waffen, Ausrüstung und US-Militärpersonal abschließt, ist laut Eigendefinition auf der Homepage des US-Verteidigungsministeriums "a fundamental tool of U.S. foreign policy", also "ein wichtiges Werkzeug der US-Außenpolitik".

Diese Einschätzung ist durchaus realistisch: Immerhin könnten alleine die zwei FMS-Mitarbeiter in Zeltweg in einem Krisenfall - wie während der Balkankriege - die Herausgabe der für einen Eurofighter-Einsatz nötigen Daten verweigern und damit garantieren, dass NATO-Waffentransporte quer über unser neutrales Land weiterhin möglich wären. "Wir sind aber mit Verträgen abgesichert", versucht man im Bundesheer Bedenken zu zerstreuen.

Wie berichtet, kostet die österreichischen Steuerzahler die "Serviceleistung" des US-Verteidigungsministeriums auch noch 500.000 Euro pro Jahr.

Video: Neuer Eurofighter-U-Ausschuss ist startklar

Video: Eurofighter-Affäre - "Alle haben mitkassiert!"

Richard Schmitt
Chefredakteur krone.at
Richard Schmitt
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