Mo, 20. November 2017

„A Kind Revolution“

09.05.2017 13:55

Modfather Paul Weller lässt den Soul sprechen

Zwischen grenzenloser Verehrung und "Dadrock"-Verachtung hat Paul Weller so einiges erlebt im vergangenen Vierteljahrhundert. Der frühere Frontmann der Hitbands The Jam und The Style Council eignete sich deswegen als Solokünstler eine demonstrative Gelassenheit an: Ich muss euch nichts mehr beweisen, also nehmt meine Musik, findet sie gut oder eben nicht - und dann lasst mich gefälligst in Ruhe.

Auch sein neues Album wirft er Fans und Kritikern nun mit der selbstbewussten Geste einer Britpop-Ikone vor die Füße. "A Kind Revolution" ist eine typische Platte des weißen Soul-Bruders Paul Weller, der schon als junger Mod in den 70er-Jahren die schwarze Musik aufsog - den rauen britischen Northern Soul ebenso wie die geschmeidigeren Motown-Sounds aus den USA.

Weiterentwicklung unnötig
Nach einigen weniger gelungenen, etwas verkrampften Experimenten mit englischem Folk, Jazz und Psychedelia sind die zehn neuen Songs also eine konsequente Rückkehr zu den Wurzeln. Und es stört Weller, der im Mai nächsten Jahres 60 wird, offenkundig überhaupt nicht, dass dieses Album keine künstlerische Weiterentwicklung markiert. Er hat einfach wieder mal ein paar schöne, mitreißende Melodien rausgehauen - das muss reichen.

"Noch etwas Musik machen, also immer wieder das, was ich kenne. Darüber hinaus habe ich keine Ambitionen", sagt Weller gewohnt schnoddrig in einem Online-Interview über seine Pläne. Das hört sich nach eher niedrigem Anspruch an, doch dieser Verdacht wird dem vielfach mit Brit-Awards preisgekrönten Singer/Songwriter, Gitarristen und Pianisten nicht gerecht. "A Kind Revolution" enthält nur ein unterdurchschnittliches, weil arg simples Lied ("Nova"), aber ansonsten eine beeindruckend hohe Trefferquote.

Pures Soulvergnügen
Beispielsweise "Woo Sé Mama": ein kraftstrotzender Opener, der die Fans bei Wellers Welttournee in diesem Jahr (am 7. und 8. September wird in Wien bzw. Linz Station gemacht) mit Sicherheit unwiderstehlich in Bewegung versetzen wird. Oder die Balladen "Long Long Road" und "The Cranes Are Back", wunderbar einfühlsam dargeboten von einem der größten weißen Soulsänger. Oder "She Moves With The Fayre", mit einem harten Funk-Riff im Stil des Weller-Vorbildes James Brown. Oder das von einem jazzigen Klavier vorangetriebene "Satellite Kid".

Es wäre allzu leicht, dem Songwriter "Malen nach Zahlen" vorzuwerfen, denn in seiner jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit der schwarzen Musik hat Weller ähnliche Lieder natürlich auch früher schon verfasst. Allerdings klingen die teilweise mit Streichern und Bläsern verzierten "...Revolution"-Tracks so taufrisch, dass sich die Mäkeleien in Grenzen halten sollten. Zumal Weller mit dem lässigen Latin-Rocker "New York" und dem Dub/House-Groove von "One Tear" (mit Boy George als Co-Sänger) dann doch noch zwei ziemlich überraschende Asse im Ärmel hat.

Im oberen Drittel
"Meine Motivation sind meine Kinder, meine Frau, meine Liebsten - und meine Musik", sagt der 58-Jährige über seinen Antrieb nach Solomeisterwerken wie "Wild Wood" (1993), "Stanley Road" (1995), "As Is Now" (2005) oder "Wake Up The Nation" (2010). Qualitativ gehört das mindestens solide, teils brillante "A Kind Revolution" ins obere Drittel seines vier Jahrzehnte umfassenden Gesamtwerks - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Man sollte Weller auch weiterhin auf keinen Fall unterschätzen - gerade erst hat er mit dem "Jawbone"-Soundtrack etwas Neues gewagt, und der britischen Soul-Jazz-Band Stone Foundation verhalf er kürzlich als Produzent und Gastmusiker zu einem Karriere-Highlight. Der "Modfather" steht noch voll im Saft.

Das wird Paul Weller im Herbst auch zweimal in Österreich beweisen. Am 7. September spielt er im Wiener MuseumsQuartier, am 8. September im Posthof in Linz. Alle weiteren Infos und Karten erhalten Sie unter www.paulweller.com.

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