Mo, 20. November 2017

Intransparent

08.05.2017 11:27

Preisvergleich im Internet laut AK „Glücksspiel“

Schnell im Internet den Preis eines Produktes beim Mitbewerber checken? Klingt gut, funktioniert laut Arbeiterkammer aber nicht ebenso. Ganz im Gegenteil: Wie viel ein Produkt kostet, wechselt oft innerhalb von Minuten - und ist nicht zuletzt davon abhängig, von welchem Endgerät aus die Ware geordert wird, warnen die Verbraucherschützer.

Für ihren Test führte die AK an sechs Erhebungstagen im März zu einer bestimmten Uhrzeit 33 Preisabfragen bei den Websites von Amazon, Lufthansa, Air Berlin, Austrian Airlines, Opodo, Booking.com und Heine-Versand durch. Verwendet wurden dafür über 20 verschiedene Endgeräte: PCs, Notebooks, Smartphones und Tablets, die über Wien, Niederösterreich, Salzburg, Kärnten und Tirol verteilt waren sowie ein Notebook in Düsseldorf.

Das Ergebnis: Die Preise sind - vor allem im Dienstleistungsbereich (Booking.com und bei Flugbuchungen) - zum Teil völlig intransparent. Sie änderten sich teilweise innerhalb von fünf Minuten (etwa bei der AUA um 80 Euro) oder waren unterschiedlich je nach Endgerät, mit dem die Preise abgefragt wurden. Wer jedoch denkt, dass iPhone- oder iPad-Nutzer grundsätzlich mehr zahlen als etwa Android- oder Windows-Nutzer, der irrt. Es kam auch vor, dass iPhone- und iPad-Nutzer einen um fünf bis zehn Euro geringeren Preis angezeigt bekamen als andere Endgeräte (so bei der Air Berlin).

Preisdifferenzen von bis zu 167 Euro
Spitzenreiter in Sachen Preis-Intransparenz war die Flugbuchungsplattform Opodo. Je nach Erhebungstag gab es bei der konkreten Flügeabfrage bis zu neun unterschiedliche Preise und Preisdifferenzen von bis zu 167 Euro. Bei Booking.com gab es Preisdifferenzen bei zwei von acht abgefragten Hotels (etwa Madrid je nach Erhebungstag und Endgerät von bis zu 154 Euro oder elf Prozent). Nur beim Heine-Versand war bei allen fünf abgefragten Produkten der Preis auf der österreichischen Webseite um bis zu 100 Euro (6,7 Prozent) teurer als auf der deutschen.

Ständig schwankende Preise
Preisschwankungen im Zeitverlauf über die zwei Erhebungswochen konnten bei Amazon (bis zu elf Euro), Lufthansa (bis zu 40 Euro), Air Berlin (bis zu 130 Euro), AUA (bis zu 160 Euro), Opodo (bis zu 113,40 Euro) und Booking.com (bis zu 232,35 Euro) festgestellt werden.

"Bedenkliche Entwicklung"
"Bei unserer Erhebung im Vorjahr konnte noch keine personalisierte Preisdifferenzierung festgestellt werden. Jetzt schon! Das ist eine bedenkliche Entwicklung", sagt AK-Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic. Für den Einzelnen werde es immer schwieriger, einen fairen Marktpreis herauszufinden und eine informierte und wirtschaftlich günstige Entscheidung zu treffen, so die Expertin. Zudem könne die individualisierte Preisgestaltung schnell zu weitreichenden Eingriffen in die Privatsphäre sowie zu Diskriminierung führen, warnt die AK und fordert daher auf europäischer Ebene Regelungen für individualisierte Preisdifferenzierung beim Online-Kauf.

So sollten Unternehmen verpflichtet werden, ihre Preispolitik offenzulegen, insbesondere ob personenbezogene Daten, Surf- und Kaufverhalten, geografische Lage oder Endgerätetyp Einfluss auf die Preisgestaltung haben. Auch über ein Verbot der Verwendung bestimmter Merkmale wie Typ des Endgerätes sollte laut AK nachgedacht werden, zudem sollten Preise nur einmal pro Tag verändert werden dürfen.

 krone.at
Redaktion
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