Mi, 22. November 2017

Eizellen vertauscht

07.05.2017 08:04

Betroffene: „Alles steht plötzlich auf dem Kopf“

Es ist der Horror aller Paare, die sich ihren Babywunsch mit künstlicher Befruchtung erfüllen: In der Klinik wird die befruchtete Eizelle vertauscht. Im Körper der Frau wächst ein "falsches Kind" heran. Passiert ist das einer Schweizer Familie - und das offenbar gleich zweimal! Während sich der Bregenzer Fortpflanzungsmediziner Herbert Zech als Opfer einer Erpressung sieht und froh ist, dass juristisch alles geklärt wird, schildert die betroffene Kristina V. der "Krone" ihr Martyrium.

"Krone": Zu erfahren, dass Mutter und Vater nicht die biologischen Eltern sind, ist ...
Kristina V.: ... als gäbe es kein Unten und kein Oben mehr! Alles steht plötzlich auf dem Kopf, tausend Fragen tun sich auf. Aber ich habe auch schöne Erfahrungen gemacht: So sind wir als Familie noch enger zusammengewachsen.

Und dennoch suchen Sie und Ihre Schwester nach Ihren leiblichen Eltern. Wer käme da überhaupt infrage?
Im Grunde all jene Paare, die sich zwischen 1988 und dem 17. Juli 1990 bei Dr. Zech in Bregenz in Behandlung befanden.

Falls Sie Ihre Eltern finden: Was wäre Ihre erste Frage?
Ob ich Geschwister habe!

Von Dr. Zech hieß es, Sie hätten ihn mit einer Millionenforderung zu erpressen versucht ...
Der Vorwurf ist absurd, die gestellte Forderung - eine Million Euro - ist juristisch abgesichert und bezieht sich allein auf die gemachten Fehler. Vor Gericht haben wir noch keine Schadenersatzklage eingereicht, wir fordern bis dato einzig die Nennung jener Personen, die als meine Eltern infrage kämen. Es war Herr Zech, der Schweigegeld angeboten hat: erst 300.000 Euro, später sogar noch mehr. Doch für kein Geld der Welt würde ich meine Suche stoppen!

"Chance 1 zu 100 Millionen"
Kinderwunsch-Koryphäe Gernot Tews aus Wels analysiert den Fall für die "Krone": "Die Wahrscheinlichkeit, dass so eine Verwechslung in einer Familie zweimal passiert, liegt bei eins zu 100 Millionen."

Tews gibt zu bedenken, dass der Arzt bei der Samenabgabe nicht dabei ist und die Möglichkeit besteht, dass der Mann fremdes Sperma mitbringt: "Ich hatte vor 15 Jahren in Linz so einen Fall, bin aber noch draufgekommen. Normalerweise macht man aber keine genetische Kontrolle, sondern vertraut den Patienten." Landsleute, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, bräuchten aber keine Sorgen zu haben: "Mit penibler Trennung der Embryonen und genauer Namenskennzeichnung verhindern wir Verwechslungen."

Emanuel Walser und Jasmin Gaderer, Kronen Zeitung

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