Fr, 15. Dezember 2017

Gibt Vermögen auf

08.05.2017 07:28

Skrupelloser Milliardär will die Ozeane retten

Kjell Inge Roekke ist der zehntreichste Mann in Norwegen - noch. Denn der ehemalige Fischer plant, den Großteil seines Vermögens an die Gesellschaft zurückzugeben und nebenbei die Ozeane zu retten. So will der als skrupelloser Geschäftsmann bekannte 55-Jährige unter anderem ein Forschungsschiff bauen, das die Meere vom Plastikmüll befreit.

In einem seiner seltenen Interviews erklärte Rokke Anfang des Monats der Zeitung "Aftenposten", dass sein Ziel sei, die Ozeane zu erkunden: "Das Meer bedeckt 70 Prozent der Erdoberfläche, aber ein Großteil ist noch nicht erforscht." Nebenbei soll das Schiff, das er mit der Umweltschutzorganisation WWF bauen will, täglich bis zu fünf Tonnen Plastikmüll aus dem Meer holen und schadstofffrei verbrennen.

Von dem Schiff aus sollen Messungen in der Atmosphäre, 6000 Meter tief im Meer und 20 Meter unter dem Meeresboden vorgenommen werden können. Die Kosten sind unbekannt, aber Rokke will alles bezahlen, auch die Mannschaft. "Das Meer hat mir große Möglichkeiten gegeben, und dafür bin ich dankbar", sagte Rokke, der als Fischer begann und heute Hauptaktionär des industriellen Investmentunternehmens Aker ist.

Kaufte alte Boote und ließ sie zu Schleppern umbauen
Rokke war am 25. Oktober 1958 in dem kleinen Städtchen Molde an der Westküste Norwegens geboren worden. Weil er unter Dyslexie litt - also Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Wörtern und Texten hatte -, brach er die Schule ab und arbeitete anfangs als Fischer in der US-Westküstenmetropole Seattle. Sein Vermögen machte er laut dem Magazin "Time", indem er alte Boote kaufte und sie gewinnbringend zu Schleppern umbauen ließ.

In seinen späten 30ern kehrte er nach Norwegen zurück, kaufte sich in einen norwegischen Großkonzern ein und verschmolz ihn mit seiner Resources Group International. "Er war der Erste, der den amerikanischen, aggressiven Kapitalismus nach Norwegen brachte", sagte der Journalist Steinar Dyrnes vom "Aftenposten" vor ein paar Jahren über Rokke. Der 58-Jährige könne sehr charmant und freundlich sein, "aber es gibt eine andere Seite: Er kann sehr wütend werden - was sehr unnorwegisch ist."

Nach Haftentlassung Zellengenossen Pizza spendiert
Tatsächlich musste Rokke für 23 Tage ins Gefängnis, nachdem er der Bestechung schuldig erkannt worden war. So war er einst an seinen Bootsführerschein gelangt. Nach seiner Entlassung spendierte er seinen Zellengenossen um 3000 Dollar (rund 2700 Euro) Pizza. Diese Großzügigkeit hat er sich offenbar erhalten: "Ich will der Gesellschaft den Großteil meines Vermögens zurückgeben", sagte er laut "Time". "Dieses Schiff ist ein Teil davon. Die Idee eines solchen Schiffs ist über viele Jahre entstanden."

Laut "Time" hat der WWF die komplette Entscheidungsgewalt über Rokkes Schiff - auch wenn der Milliardär und die Umweltschutzorganisation auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Schließlich macht Rokke auch in Öl. "Was das Öl angeht, sind unsere Ansichten sehr verschieden, und wir werden Rokke weiterhin herausfordern, wenn wir mit ihm nicht einer Meinung sind", sagte Nina Jensen vom WWF zum "Aftenposten". "Aber mit diesem Projekt wollen wir im Kampf für die Umwelt gemeinsam Großes erreichen."

Heike Reinthaller-Rindler
Chefin vom Dienst
Heike Reinthaller-Rindler
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