Sa, 18. November 2017

Das große Interview:

05.05.2017 08:49

Am Fußballfeld ist Julia der Boss!

Blond, intelligent, weiblich, Fußball-Expertin, Sängerin und Schiedsrichterin aus Berufung: Die Linzerin Julia Baier (28) passt in so gar keine Schublade. Mit Selbstverständlichkeit prägt sie ein modernes Frauenbild. Mit "OÖ-Krone"-Redakteurin Sabine Kronberger sprach sie vor ihrer Abreise zur Damen-U17-EM nach Tschechien über den Schiri-Papa, Männer, die ihr gehorchen müssen und ihre Ziele.

"Krone": Noch immer sind Frauen in der von Männern dominierten Fußball-Welt echte Raritäten. Wie entstand bei Ihnen die Liebe zum Fußball?
Julia Baier: Mein Vater war Schiedsrichter und ich war immer dabei, habe alle Schiris gekannt. Als junges Mädchen hab ich zwar erst mit Kampfsport begonnen, bin mit 16 aber zum Fußball umgestiegen.

"Krone": Position?
Baier: Ich war Torfrau und Verteidigerin.

"Krone": Was macht Fußball so anziehend für Sie?
Besonders als Schiedsrichterin sieht man das Spiel anders als ein Spieler. Das ganz Besondere, das Magische sind dabei die Emotionen. Einerseits jene am Platz - und andererseits jene der Zuseher.


"Krone": Als Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten - ist das nicht ein harter Kampf?
Baier: Bis auf kleine körperliche Unterschiede kann eine Frau heute alles tun, was ein Mann kann. Aber es ist harte Arbeit! Ehrgeiz, Hartnäckigkeit und Konsequenz sind auf jeden Fall mitzubringen. Und man muss in seine Rolle und Aufgabe natürlich hineinwachsen. Ich war 17 Jahre alt, als ich mit der Schiedsrichter-Ausbildung begonnen habe.  Da gehört es dann dazu, sich behaupten zu müssen. Männer sind es halt einfach nicht gewohnt, dass eine Frau das Kommando führt.

"Krone": Ihre Strategie?
Baier: Ich zeige immer: Ich bin eine Frau, ich bin körperlich imstande, mit euch mitzuhalten, und  ich kenne die Regeln perfekt!


"Krone": Trotzdem wurden Sie schon bei Männer-Spielen in der Regionalliga beschimpft.
Baier: Das passiert aber den Männern auch. Der Schiri ist meist das Ventil, wenn die Mannschaft verliert. Das seh’ ich ganz locker - und ich kriege es oft gar nicht mit, weil ich mich nur auf das Spiel konzentriere.  Und: Sooo groß ist die Ablehnung dann meist gar nicht.

"Krone": Konkret hat man Sie zuletzt in Wels auf das Frausein reduziert und Ihnen deshalb Unfähigkeit attestiert.
Baier: Ach das! Das gibt’s in anderen Jobs doch auch, dass Männer nicht damit leben können, wenn eine Frau etwas erfolgreicher ist.  Mit 17 Jahren hab ich darüber nachgedacht. Heute lässt mich das wirklich kalt.


"Krone": Sie dürfen aktuell die Regionalliga bei den Männern sowie für die FIFA und UEFA Damenqualifikationen pfeifen.
Baier: Noch bis 15. Mai bin ich in Tschechien, um die Damen-U17-Europameisterschaft zu pfeifen. Das ist eine große Ehre. Schon am 25. Mai gehts in Ungarn mit der U19-EM Eliterunde weiter. Ich komme erst wieder im Juni richtig heim.

"Krone": Sie strahlen, wenn Sie davon erzählen...
Baier: Ja, das ist total aufregend für mich und ich bin top vorbereitet darauf. Positive Nervosität begleitet mich.

"Krone": Ist der Vater, der auch als Schiedsrichter tätig war, denn jetzt sehr stolz?
Baier: Natürlich. Auch meine Mutter! Beide sind meine größten Fans und kommen auch extra zu den besonderen Spielen. Da strengt man sich dann gleich noch einmal etwas mehr an.

"Krone": Wenn man auf Ihre Kindheit und Jugend blickt, in der  Sie schon mit 13 eine eigene Band für Hochzeiten hatten, mit 21 Jahren Kapellmeister-Stellvertreterin der Musikkapelle waren, dann sind Sie schon immer eine echte Macherin gewesen.
Baier: (Lacht) Ja, ich bin halt gern der Chef. Nein, im Ernst: Ich bin im Fußball und der Musik sicher eine Alpha-Frau. Die kannst du aber nur mit Leistung sein.


"Krone": Sie sind ausgebildete Sängerin, Musikerin, absolvierten das Haydn-Konservatorium, arbeiten jetzt im Brotberuf als Fitness-Trainerin: Welche Ziele verfolgen Sie als Schiedsrichterin aktuell?
Baier: Irgendwann als Schiri bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft pfeifen zu dürfen. Das wäre Ehre und Herausforderung zugleich. Dafür trainiere ich täglich!

Sabine Kronberger, Kronen Zeitung

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