So, 19. November 2017

Neues „Sniper“-Game

05.05.2017 09:00

Ballistik-Simulator „Ghost Warrior III“ im Test

In Multiplayer-Shootern sind sie als Camper in Verruf geraten, trotzdem hat der Job des Scharfschützen für viele Gamer einen ganz besonderen Reiz. In "Sniper: Ghost Warrior III" vom polnischen Spielestudio CI Games dürfen sie ihre Neigung nun zum Vollzeit-Job machen und sich ein ganzes Spiel lang als Heckenschütze austoben. Wie sich das spielt, hat krone.at getestet.

So viel gleich vorweg: Der Story wegen sollte man "Sniper: Ghost Warrior III" nicht spielen. Das neue Spiel von CI Games wartet zwar mit einer hübsch animierten und actionreich erzählten Handlung auf, die allerdings nur so vor US-Militärpathos trieft und über weite Strecken ziemlich vorhersehbar ist. Dass es den Protagonisten ebenso wie der Fülle austauschbarer Nebencharaktere nicht so recht gelingt, dem Spieler ans Herz zu wachsen, und die Geschichte über Bruderliebe und Krieg insgesamt recht platt ist, macht es nicht besser.

Dünne Story, ansprechendes Gameplay
"Sniper: Ghost Warrior III" spielt man aber auch nicht wegen seiner Story, sondern wegen des Sniper-Daseins. Und das simuliert der Titel ziemlich gut, man könnte ihn glatt "Ballistik-Simulator" nennen. Denn wenn unser Held Jonathan North durch die offene Spielwelt Georgiens streift, sich durchs Gebüsch zur optimalen Feuerposition pirscht, feindliche Lager auskundschaftet und schließlich unter Berücksichtigung von Distanz und Windverhältnissen Tod und Verderben über seine Gegner bringt, kommt tatsächlich ordentlich Spannung auf.

Daran ändern auch die sich teils wiederholenden Aufträge nichts. Auf drei weitläufigen Open-World-Karten gilt es, feindliche Stützpunkte zu erobern, Zielpersonen zu eliminieren oder Verbündete zu bergen. Für erledigte Gegner und erfolgreiche Aufträge gibt's Erfahrungspunkte, mit denen North nach und nach seine Fähigkeiten aufbessert und beispielsweise zielsicherer schießt oder subtiler schleicht. Schleichen ist neben dem Schießen überhaupt die zweite große Herausforderung in "Sniper: Ghost Warrior III". Am Weg zur Sniper-Position sollte man nämlich tunlichst darauf achten, nicht entdeckt zu werden und allzu viele Feinde aufzuschrecken. Zwar kann man sich mit der (Maschinen-)Pistole zur Not auch in solchen Situationen noch retten, mehr Spaß hat man aber als Sniper.

Eigenartige KI, etwas fade offene Spielwelt
Erschwert wird das bis zu einem gewissen Grad von der künstlichen Intelligenz der Feinde: Sie hinterließ im Test einen durchmischten Eindruck. Mal läuft man quasi vor ihrer Nase herum und wird nicht entdeckt, mal eröffnen sie aus Hunderten Metern Entfernung das Feuer. Um solche bösen Überraschungen zu vermeiden, ist gute Aufklärung Pflicht. Gut, dass North für solche Fälle eine Kameradrohne bei sich trägt. Weniger gut hingegen, dass die Feinde, sobald sie North einmal entdeckt haben, recht vorhersehbar agieren. Teils braucht man nur den ersten Feind erledigen, das Fadenkreuz auf dem Punkt lassen und warten, bis der nächste Feind herbeigerannt kommt.

Während das Schleich- und Scharfschützen-Gameplay gut getroffen wurde, hat uns die offene Spielwelt nur bedingt in ihren Bann gezogen. Das virtuelle Georgien in "Sniper: Ghost Warrior III" ist zwar sehr weitläufig und bietet beim Ausräuchern feindlicher Basen viele taktische Möglichkeiten, sie ist aber auch ein bisschen fad. Zwar durchwandern ein paar Tiere die Spielwelt und auch Feinde sind großzügig darin verteilt, darüber hinaus fehlt es aber ein wenig an Abwechslung: Spätestens nach ein paar Spielstunden sehnt man sich nach optischer Abwechslung fernab von Braun, Grün und Grau, und nach etwas ungewöhnlicheren Missionen.

Lästiges Speichersystem, durchschnittliche Optik
Als ärgerlich hat sich im Test das Speichersystem erwiesen. Gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden ist "Sniper: Ghost Warrior III" durchaus simulationslastig. Nicht entdeckt zu werden und auch auf große Distanz ins Schwarze zu treffen, ist eine ordentliche Herausforderung und glückt beileibe nicht immer. Statt eines freien Speichersystems gibt es allerdings nur Kontrollpunkte, die gerade innerhalb einzelner Missionen aber nicht besonders fair verteilt sind. Wer scheitert, muss oft ganze Missionen von vorn beginnen. Das kann mit der Zeit an den Nerven zehren.

Optisch hinterlässt "Sniper: Ghost Warrior III" ebenfalls einen eher gemischten Eindruck. Das Game bietet zwar recht hübsche Licht- und Reflexionseffekte sowie üppige Vegetation, uns erschienen in der getesteten PC-Version aber die Texturen teils etwas unscharf. Und auch manch Animation wirkt nicht restlos realistisch. Die offene Spielwelt mit ihrer hohen Weitsicht fordert überdies die Hardware, was dem Vernehmen nach besonders in der Konsolenversion durch lange Ladezeiten auffällt. Am PC kämpft man derweil hie und da mit aufpoppenden Objekten in der Entfernung.

Akustisch ist "Sniper: Ghost Warrior III" ebenfalls kein Meilenstein. Während der Soundtrack und die Soundeffekte noch recht gelungen wirken, wenngleich wir uns gerade als Scharfschütze bei manch einer der vielen im Game verteilten Waffen noch etwas voluminösere Schussgeräusche gewünscht hätten, hat uns die deutsche Sprachausgabe nicht besonders gut gefallen. Die Dialoge sind schon per se recht platt, die etwas aufgesetzt klingende Synchronisierung macht es nicht besser.

Fazit: Wer Freude am Ertüfteln des optimalen Schusses hat und es spannend findet, sich als einsamer Wolf durchs Unterholz zur optimalen Schussposition vorzuarbeiten, wird im virtuellen Georgien aus "Sniper: Ghost Warrior III" zweifellos einige Stunden lang Freude haben. Wer eine packende Handlung in einer abwechslungsreichen Spielwelt erleben will, sollte sich aber besser anderswo umsehen. Für ihn ist das neue "Sniper"-Spiel wohl zu sehr Nischenprogramm.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: CI Games
krone.at-Wertung: 6/10

Dominik Erlinger
Redakteur
Dominik Erlinger
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