Sa, 18. November 2017

Mega-Eisberg droht

03.05.2017 12:10

180 km lang: Riss in Antarktis-Schelfeis wächst

Der gewaltige Riss im Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis wird unaufhaltsam länger. Neuen Beobachtungen zufolge ist die Spalte mittlerweile 180 Kilometer lang. Nur noch rund 20 Kilometer Eis verhindern, dass ein neuer riesiger Eisberg entsteht, der mit einer Fläche von rund 5000 Quadratkilometern beinahe doppelt so groß wäre wie das Bundesland Vorarlberg.

Schon Anfang Jänner hatten britische Wissenschaftler angekündigt, dass sich das Bruchstück vermutlich vom Larsen-C-Schelfeis lösen und ins Meer hinaustreiben werde. "Ich wäre erstaunt, wenn er nicht in den nächsten Monaten abbricht", zitierte die britische Swansea-Universität damals den Forscher Adrian Luckman. Falls das passiere, würde dabei einer der größten jemals beobachteten Tafeleisberge der Antarktis entstehen.

Riss im Eis mittels Satellit neu vermessen
Mit Kollegen des MIDAS-Projektes hat Luckman den Riss im Schelfeis anhand von Radardaten, die der Satellit "Sentinel 1" der europäischen Raumfahrtagentur ESA zur Erde übermittelt hat, erneut vermessen. Dabei zeigte sich, dass der bis zu 500 Meter tiefe Spalt weiter angewachsen und nun bereits 180 Kilometer lang ist. "Das ist die erste signifikante Veränderung seit Februar dieses Jahres", berichtet Luckman. Bis dahin sei die Risslänge über mehrere Monate stabil gewesen, dafür habe sich die Spalte stetig geweitet - um mehrere Meter pro Tag, so der Forscher.

"Wenn dieser Eisberg kalbt, wird das Larsen-C-Schelfeis mehr als zehn Prozent seiner Fläche verlieren", wird Luckman auf der Website der Swansea University zitiert. "Das wird die Landschaft der antarktischen Halbinsel fundamental verändern", so der Experte. Er fürchtet, dass das Abbrechen des Eisstückes den Rest von Larsen C destabilisieren könnte und der Eisfläche ein ähnliches Schicksal droht wie dem Larsen-B-Schelfeis. Dieses war Anfang 2002 nach dem Kalben eines riesigen Eisbergs innerhalb weniger Wochen komplett zerfallen.

Eismassen unter ständiger Beobachtung
Laut Angaben der US-Raumfahrtbehörde NASA gehen in der Antarktis pro Jahr bis zu 45 Millionen Tonnen Eis verloren. Das Larsen-Eisschelf ist schon seit mehr als 25 Jahren schwer betroffen. Beim Abbruch von Larsen B vor 15 Jahren verschwanden mit einem Schlag nicht weniger als 720 Milliarden Tonnen Eis.

Wilhelm Eder
Redakteur
Wilhelm Eder
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