Fr, 15. Dezember 2017

Partei will klagen

02.05.2017 13:58

TV-Moderator nennt AfD-Politikerin "Nazi-Schlampe"

"Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte", hat die AfD-Spitzenkandidatin für die deutsche Bundestagswahl, Alice Weidel (38), beim Parteitag in Köln vor gut zwei Wochen gesagt. Diese Worte nahm TV-Moderator Christian Ehring als Steilvorlage: "Jawohl, lasst uns alle unkorrekt sein. Da hat die Nazi-Schlampe doch recht", sagte er in der jüngst ausgestrahlten Folge der NDR-Satiresendung "extra 3". Jetzt will die AfD den Moderator klagen.

"Wir gehen dagegen juristisch vor. Das wird teuer für diesen GEZ-Primitivling", twitterte AfD-Pressesprecher Christian Lüth am Wochenende. Der Fall werde derzeit vom Medienanwalt der Partei geprüft, erklärte Lüth am Dienstag gegenüber dem "Spiegel". Lüth geht davon aus, "dass wir gegen Herrn Ehring klagen werden". Dessen Aussagen seien "beleidigend und verleumderisch". Der NDR wiederum entgegnete, dass man einer Klage gelassen entgegensehe.

Video: Ab Minute 27 geht es um den entsprechenden Nazi-Sager

Erinnerungen an Fall Böhmermann
Es ist nicht das erste Mal, dass eine "extra 3"-Folge für politischen Wirbel sorgt. Am 31. März 2016 machte sich TV-Satiriker Jan Böhmermann mit einem Schmähgedicht über den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan lustig. Strafrechtliche Ermittlungen, Prozesse, diplomatischer Ärger und hitzige Diskussionen waren die Folge.

Doppelmoral? AfD 2016 noch auf der Seite von "extra 3"
Kurios: Als damals Kanzlerin Angela Merkel den Weg für ein Strafverfahren gegen Böhmermann freimachte, bezeichnete etwa AfD-Parteichef Jörg Meuthen Merkels Entscheidung als "Kniefall vor Erdogan". Er sagte damals: "Satire, so fragwürdig sie auch sein mag, zur Strafverfolgung freizugeben, ist ein Anschlag auf die Freiheit, die Europa auszeichnet." Jetzt, wo es gegen einen Satirebeitrag gegen die eigene Partei geht, sieht die Sachlage offenbar ganz anders aus.

Zwischen "ausländischer Macht" und "deutschen Bürgern"
Lüth rechtfertigte die unterschiedlichen Auffassungen von Satire im "Spiegel" wie folgt: "Damals ging es um eine ausländische Macht, die sich in Deutschland einmischt. Jetzt sind es zwei deutsche Staatsbürger, die sich streiten." Und er sagt weiter: "Die Grenzen von Satire verlaufen dort, wo es sich nur noch um zusammenhanglose, verletzende Beleidigungen handelt." Laut Lüth störe Alice Weidel übrigens nur die Bezeichnung "Nazi-Schlampe". Bei anderen Witzen hätte sie "sogar schmunzeln" müssen.

Weidels Privatleben sorgt für Schlagzeilen
In die Schlagzeilen geriet Weidel unlängst auch wegen ihres Privatlebens. Weidel, die gemeinsam mit einer Frau zwei Kinder großzieht, sagte am Montag: "Meine Partnerin und ich bedauern es zutiefst, wie die Medien in den letzten Tagen versucht haben, unsere intimste Privatsphäre an die Öffentlichkeit zu zerren, um haltlose Stories zu produzieren. Ich appelliere deshalb an alle Medienvertreter, dies aus Respekt vor meiner Familie zukünftig zu unterlassen." Einen Widerspruch zwischen ihrem privaten Lebensstil und ihrer Mitgliedschaft in einer Partei, die sich für die "traditionelle Familie" einsetzt, sehe sie nicht, sagte die Unternehmensberaterin. Die AfD sei für die Beibehaltung des gesetzlichen Status Quo und befürworte damit auch die eingetragene Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare.

Franz Hollauf
Redakteur
Franz Hollauf
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