Do, 23. November 2017

Nach Anschlagsserie

26.04.2017 10:25

„Eine Bürgerwehr wäre denkbar“

Nach dem Brandanschlag auf eine Tiefgarage in der Europastraße waren am Dienstag die Aufräumarbeiten voll im Gang. Die etwa 80 eingestellten Fahrzeuge wurden Stück für Stück ins Freie transportiert. Zum Ärger der Betroffenen befindet sich der Zündler noch auf freiem Fuß, er hat flüssigen Brandbeschleuniger eingesetzt.

"Die Leute sind alle sehr vorsichtig und nervös - wer weiß denn schon, was dem Narren noch alles einfällt", bringt Friedrich Gratzl die Stimmung in der Siedlung in der Linzer Europastraße auf den Punkt - siehe Interview. Jeder Bewohner sehne die baldige Ausforschung des feigen Täters herbei - nach fünf Brandanschlägen in nur drei Wochen reiche es den Betroffenen. Gratzl: "Die Leute wollen endlich wieder sorglos zu Bett gehen können." Die Polizei ermittelt auf Hochdruck, geht allen Hinweisen akribisch nach, heiße Spur dürfte vorerst aber keine dabei gewesen sein.
Gratzl (71) wartete auf seinen Toyota Corolla, um ihn endlich selbst in Augenschein nehmen zu können: "Ich hoffe, dass er noch ganz ist." Unter den besorgten Blicken Dutzender Anrainer förderten Mitarbeiter des Linzer Abschleppunternehmens Loos ein Auto nach dem anderen ans Tageslicht. Zuerst die nicht oder kaum beschädigten Fahrzeuge, später auch die mit sichtbaren Brandschäden. Die Mienen der Wartenden verfinsterten sich zusehends.

Psychisch belastend
"Das Ganze ist psychisch enorm belastend", sagt Doris Gierlinger, die vor zwei Wochen ein neues Kniegelenk verpasst bekam und auf Krücken gehen muss. Sie lebt bei ihrer Mutter in Haus Nr. 42, in dessen Keller es zuletzt mehrfach gebrannt hat. "Bei jedem Geräusch bin ich hellwach", erklärt die 52-Jährige. Montagabend habe sie erneut befürchtet, dass Feuer gelegt worden sei: "Polizisten haben uns aber versichert, dass alles in Ordnung ist." Türen und Schlösser werden nun mehrfach am Tag kontrolliert, ob sie tatsächlich versperrt sind: "Man wird fast paranoid."

"Eine Bürgerwehr wäre denkbar"
Der 71-jährige Friedrich Gratzl hofft auf einen raschen Fahndungserfolg. Die Anrainer würden sonst selber Patrouillen durchführen.

Wie ist derzeit die Stimmung unter den Anrainern?
Die meisten sind stark verunsichert, weil der Täter noch nicht geschnappt wurde. Diesbezüglich sollte rasch etwas passieren. Denn wenn nichts geschieht, werden sich die Leute selber helfen.

Was meinen Sie damit?
Dann müssten wir vielleicht eine Art Bürgerwehr aufstellen - beispielsweise Patrouillengänge mit Hunden durchführen und selbst acht geben, ob sich etwas Verdächtiges tut. Jedenfalls sollte unbedingt verhindert werden, dass vielleicht noch ein Mensch zu Schaden kommt.

Hat es hier früher schon einmal Brände gegeben?
Ich lebe seit 37 Jahren hier, bis dato war das eine sehr friedliche und gemütliche Wohngegend. Nur einmal, vor etwa 20 Jahren, haben in der Tiefgarage ein paar Autoreifen gebrannt. Der Schaden war damals aber nicht groß.

Wer könnte eventuell als Täter in Frage kommen?
Es muss jemand sein, der eine Beziehung zum Haus Nr. 42 bzw. zu dessen Bewohnern hat. Warum sonst sind die anderen Häuser bisher in Ruhe gelassen worden?

Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

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