Di, 21. November 2017

„Dancing Stars“-Zoff

24.04.2017 14:06

Marika Lichter gegen Jazz Gitti: Prozess vertagt

Ein gerichtliches Nachspiel hatte am Montag die Teilnahme von Martha Butbul alias Jazz Gitti an der ORF-Sendung "Dancing Stars" 2016: Agenturbetreiberin Marika Lichter fordert von der Sängerin ein Honorar für die Herstellung des Erstkontakts zur Vermittlung an die TV-Show. Lichter habe "gar nichts" mit dem Engagement zu tun, sagte dagegen Jazz Gitti. Der Zivilprozess in Korneuburg wurde vertagt.

"Es geht mir gar nicht ums Geld, ich möchte aber nicht übervorteilt werden", betonte Lichter in ihrer Einvernahme. Sie sei von Jazz Gitti und ihrem Manager ausgebootet, der Vertrag über die Teilnahme der Sängerin an der TV-Show ohne sie gemacht worden. Wenn man sich einer Agentur bediene, müsse man diese auch bezahlen, meinte die Künstleragentin. Der Streitwert beträgt 7.500 Euro, Lichter verlangt eine Rechnungslegung. 

"Hätte wissen müssen, woher der Wind weht"
Die Agenturbetreiberin hatte jahrelang an den ORF - laut eigenen Angaben "in Absprache" - Listen für mögliche "Dancing Stars"-Kandidaten geschickt. 2011 war Jazz Gitti auf die Liste von Lichter gekommen. Nach Operationen in den Jahren darauf habe die Sängerin 2015 gesagt, "Ja, wenn du meinst, dann probieren wir es", erklärte die Agenturbetreiberin. Daraufhin wurde Jazz Gitti wieder auf die Liste gesetzt, es kam zum Engagement für die Staffel 2016. Ein gemeinsames Treffen hatte der Manager von Jazz Gitti abgesagt, erzählte Lichter. "Da hätte ich eigentlich schon wissen müssen, woher der Wind weht." 

Sie habe im Laufe der Jahre vier Kandidaten (Jazz Gitti nicht mit eingerechnet) an "Dancing Stars" vermittelt, sagte die Klägerin, die selbst die erste Staffel von "Dancing Stars" im Jahr 2005 gewonnen hatte. Mit den Künstlern seien üblichweise 20 Prozent der Bruttogage plus Mehrwertsteuer als Vermittlungshonorar vereinbart, am Theater weniger. Sie habe eine mündliche Bestätigung vom Management der Sängerin erhalten. Generell habe sie mit Künstlern keine schriftlichen Verträge, sondern mündliche Vereinbarungen, hielt Lichter fest. 

"Frau Lichter hat damit überhaupt nichts zu tun"
Der Rechtsbeistand von Jazz Gitti, Manfred Ainedter, erklärte zur "Dancing Stars"-Teilnahme seiner Mandantin: "Frau Lichter hat damit überhaupt nichts zu tun." Es gebe dazu weder einen Vertrag oder eine Vereinbarung mit Lichter noch eine Vollmacht. Der ORF habe seit dem Jahr 2005 immer wieder bei Jazz Gitti angefragt, sagte der Verteidiger. 2008 habe die Agentur von Jazz Gitti direkt beim ORF Interesse der Künstlerin an einer Teilnahme bei der Show bekundet, es sei jedoch in diesem Jahr nicht zu einem Engagement gekommen. 

"Frau Lichter hat mich bei einem Event getroffen und gefragt, ob ich zu 'Dancing Stars' möchte", schilderte Jazz Gitti. Später habe Lichter sie telefonisch gefragt, ob sie auf "die Liste" will. Sie habe Ja gesagt, obwohl sie gar nicht gewusst hätte, um welche Liste es ging. "Ich bin seit 33 Jahren im Geschäft", seit 14 Jahren kümmere sich ihr Manager Roman Bogner um derartige Angelegenheiten. 

Ainedter erklärte, Lichter habe die Liste mit Kandidaten "unaufgefordert" an den ORF übermittelt. Heinz-Peter Wachter, der Rechtsvertreter von Lichter, hielt hingegen fest, dass seine Mandantin viele Jahre hindurch Listen übersendet und besprochen sowie mehrere Verträge für verschiedene Personen geschlossen habe, "es war daher eine ständige Zusammenarbeit" mit dem TV-Sender. 

"Vielleicht kann man Kriegsbeil begraben"
"Sie haben beide Ihre medialen Auftritte gehabt", wandte sich der Richter an die beiden Parteien. "Vielleicht kann man das Kriegsbeil langsam begraben", schlug der Richter vor, der zu Verhandlungsbeginn gemeint hatte: "Dass ich einmal mit 'Dancing Stars' zu tun habe, habe ich mir nicht träumen lassen." Ainedter schloss jedoch eine Vergleichsmöglichkeit aus. Später meinte er zum Vorschlag des Richters an die Beklagte, den Streit beizulegen und freiwillig einen Betrag zu spenden: "Wir denken darüber nach." 

Der Prozess am Landesgericht Korneuburg wurde nach zwei Stunden auf den 29. Mai vertagt. Beim nächsten Termin sollen Zeugen, darunter ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm und der Manager von Jazz Gitti, befragt werden.

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