Sa, 18. November 2017

Wende in Dortmund!

21.04.2017 12:54

Deutsch-Russe wollte mit Bomben Aktie manipulieren

Nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des deutschen Fußballklubs Borussia Dortmund - der Spieler Marc Batra erlitt dabei schwere Verletzungen, ein Polizist ein Knalltrauma - hat die Polizei Freitagfrüh einen Tatverdächtigen festgenommen. Dabei handelt es sich um einen 28 Jahre alten Mann, der laut Bundesanwaltschaft die deutsche und die russische Staatsbürgerschaft besitzt. Demnach wollte er mit dem Anschlag einen Sturz der BVB-Aktie provozieren. An islamistischen oder anderen extremistischen Hintergründen bestehen laut Behörden mittlerweile erhebliche Zweifel.

Wie die Polizei mitteilte, erfolgte der Zugriff im Bundesland Baden-Württemberg kurz vor 6 Uhr früh, als der Verdächtige Sergej W. in Rottenburg am Neckar bei seiner Arbeitsstelle ankam. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) bezeichnete die Festnahme auf Twitter als "gute Nachricht für den Fußball".

Deutsch-Russe nahm hohe Kredite auf
Laut Ermittlern sei der 28-jährige Verdächtige mutmaßlich kein Extremist, er soll im Zusammenhang mit dem Anschlag auf einen Kurssturz der BVB-Aktien gewettet haben. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Freitag bekannt gab, nahm der Deutsch-Russe dafür Verbraucherkredite in Höhe von mehreren Zehntausend Euro auf. Sein mutmaßlicher Plan: zunächst möglichst viele Spieler des Vereins zu verletzen oder gar zu töten, um dadurch die BVB-Aktie zum Absturz zu bringen.

Checkte im Teamhotel ein
Der Kauf der Optionen erfolgte über die IP-Adresse des Hotels "L’Arrivée" in Dortmund, teilte die Generalbundesanwaltschaft mit. Am selben Tag - der Tag des Spiels, der Tag des Anschlags - checkt auch die Mannschaft des BVB in diesem Hotel ein. Der DEutsch-Russe sei seit dem 13. April - zwei Tage nach dem Bombenanschlag auf Teambus - per Haftbefehl wegen 20-fachen versuchten Mordes und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion gesucht worden, hieß es.

Es ging um 3,9 Millionen Euro möglichen Gewinn
Wie die "Bild" berichtete, soll der Verdächtige direkt vom BVB-Mannschaftshotel aus online ein Aktienpaket von 15.000 Optionsscheinen für 78.000 Euro gekauft haben. Mitarbeiter der betreffenden Bank hätten der Polizei eine Verdachtsanzeige gegen den Mann wegen Geldwäsche übermittelt, weil ihnen der Kauf verdächtig erschien. Im Fall eines deutlichen Kursverlustes der BVB-Aktie hätte der Verdächtige einen Gewinn von bis zu 3,9 Millionen Euro mit den Aktienoptionen machen können.

De Maiziere: "Verdächtiger wurde intensiv beobachtet"
Laut Ermittlern kennt sich der Tatverdächtige im Bereich Elektrotechnik "bestens" aus. Man gehe davon aus, dass der 28-Jährige in der Lage sei, eine professionelle Bombe und eine simultane Fernzündung zu bauen. Sergej W. soll im Juli 2015 einen Schulpreis im Bereich Elektronik und Betriebstechnik gewonnen haben. Laut dem deutschen Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) stand Sergej W. seit mehreren Tagen im Fokus der Ermittler. Nach einem ersten Hinweis in der vergangenen Woche sei der Verdächtige intensiv beobachtet und ausgeleuchtet worden, so de Maiziere am Freitag in Berlin.

Polizei sucht Komplizen
Nach der Festnahme sucht die Polizei laut Informationen der Deutschen-Presse-Agentur zwei Komplizen des 28-Jährigen. Die beiden sollen den Angaben zufolge einen Leihwagen in der Ortschaft Freudenstadt abgeholt haben - in dem dann möglicherweise die Sprengsätze nach Dortmund gebracht worden seien. Eine Polizeisprecherin bestätigte der Agentur, dass es Freitagfrüh mehrere Hausdurchsuchungen in den Städten Tübingen und Rottenburg gab.

Vor zehn Tagen waren drei in einer Hecke versteckte Sprengsätze vor dem Mannschaftsbus explodiert, der gerade auf dem Weg ins Stadion war. Die Spieler wurden nach dem Vorfall zurück ins Teamhotel gebracht. Das Spiel gegen AS Monaco wurde abgesagt und auf den nächsten Tag verlegt.

BVB-Aktie nach Festnahme deutlich gestiegen
Die Aktie von Borussia Dortmund ist am Freitag nach der Festnahme eines Tatverdächtigen im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus deutlich gestiegen. Nach der Eröffnung kletterte das Wertpapier bis mittags von 5,46 Euro um knapp vier Prozent auf 5,58 Euro.Nach dem Bombenanschlag am 11. April und dem folgenden Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League war die Aktie bis Donnerstag von 5,61 Euro auf 5,36 Euro gesunken. Der Ausgabepreis der Aktie betrug am 31. Oktober 2000 elf Euro.

BVB-Boss: "Sind erleichtert und hoffen auf schnelle Aufklärung"
Die Klubverantwortlichen bei Borussia Dortmund reagierten unterdessen erleichtert auf die Festnahme des verdächtigen Deutsch-Russen. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (57): "Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei wurden sehr intensiv und mit Hochdruck geführt. Dafür bedanken wir uns in aller Form und hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte."

Auch Kapitän Marcel Schmelzer (29) wurde in der schriftlichen Stellungnahme zitiert: "Wir hoffen, dass wir die tatsächlichen Hintergründe des Anschlags erfahren. Für alle, die im Bus saßen, wären diese Informationen wichtig, denn sie würden den Verarbeitungsprozess deutlich erleichtern."

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Redaktion
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