Mo, 20. November 2017

Meinungsforschung

14.04.2017 08:17

Sonntagsfrage: Richtlinien für mehr Transparenz

Meinungsforscher haben zuletzt meist zu den Verlierern an Wahlabenden gezählt: Umfragen im Vorfeld von Wahlgängen hielten der Realität des Wahlergebnisses nicht immer Stand. Neue Richtlinien und mehr Transparenz sollen nun die Qualität der Wahlforschung heben. In einjähriger Arbeit hat der Verband der Markt- und Meinungsforschungsinstitute Österreichs (VdMI) neue Regeln für Wahlumfragen erarbeitet.

Die Institute wollen damit einen Mindeststandard für Wahlumfragen etablieren, wie Spectra-Geschäftsführer und VdMI-Vorstand Peter Bruckmüller sowie Paul Christian Eiselsberg, Prokurist beim Marktforschungsunternehmen IMAS und Mitglied der entsprechenden VdMI-Arbeitsgruppe, erklärten. Wesentlichste Vorgabe: Wahlumfragen sollen künftig eine Mindeststichprobengröße von 800 Befragten haben, und es soll sich um keine reinen Online-Befragungen handeln. "Das gilt ab sofort", sagte Bruckmüller.

Daneben werden künftig bei der Veröffentlichung von Umfragen eine ganze Reihe von Parametern mitgeliefert, die für mehr Transparenz sorgen sollen: der Name des Auftraggebers der Studie, der Name des durchführenden Instituts sowie anderer an der Erhebung beteiligter Institute, die genaue Beschreibung der Zielgruppe, die Anzahl der Deklarierten, also die Anzahl der Personen, die in der Sonntagsfrage eine Partei genannt haben, die Schwankungsbreite auf Basis der Deklarierten in der Rohstichprobe, Stichprobengrundlagen und -methoden, Untersuchungszeitraum, Befragungs-Methode, der Wortlaut der Fragen sowie Details zum Gewichtungsverfahren.

Möglichst viele dieser Informationen sollen von den Medien, die solche Wahlumfragen in Auftrag geben, veröffentlicht werden. Darüber hinaus wollen die beauftragten Meinungsforschungsinstitute die Daten auch selbst innerhalb von 48 Stunden nach der Veröffentlichung auf der eigenen Homepage publizieren. Werden alle Anforderungen erfüllt und alle Parameter veröffentlicht, dann darf die Umfrage den Zusatz "diese Studie wurde nach den Richtlinien des VdMI durchgeführt" verwenden.

"Kein exaktes Wahlprognoseinstrument für den Tag X"
"Wir haben Grundqualitätskriterien definiert und wollen einen Schritt in Richtung mehr Transparenz", so Brückmüller. Die Qualität von Wahlforschungsumfragen soll dadurch deutlich angehoben werden. Zugleich betonen die Meinungsforscher, dass es sich bei Umfragen auch weiterhin um eine Ist-Messung im Zeitraum der Befragung und kein exaktes Wahlprognoseinstrument für den Tag X handelt. Der Wählermarkt sei in den vergangenen Jahren extrem beweglich geworden, um die 15 Prozent der Bevölkerung würden sich erst in den letzten zwei bis drei Tagen konkret entscheiden. "Würden wir jeden Sonntag den Nationalrat wählen, hätten wir jede Woche ein anderes Ergebnis", gibt Eiselsberg zu bedenken.

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