So, 19. November 2017

Teambus attackiert

12.04.2017 16:28

Dortmund-Anschlag: Islamist festgenommen

Nach dem Anschlag auf einen Spielerbus des deutschen Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund am Dienstagabend hat die deutsche Polizei einen Verdächtigen aus der islamistischen Szene festgenommen. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Mittwoch mitteilte, sei bei der Tat von einem terroristischen Hintergrund auszugehen. Insgesamt gebe es zwei Verdächtige, sagte Sprecherin Frauke Köhler.

Deutschen Medienberichten zufolge dürften die beiden Verdächtigen aus der nordrhein-westfälischen Islamisten-Szene stammen. Bei dem Festgenommenen soll es sich um einen 25-jährigen Iraker aus Wuppertal handeln. Die genaue Motivlage sei noch unklar. Ein islamistischer Hintergrund des Anschlags sei "möglich". Ein nahe am Anschlagsort gefundenes Bekennerschreiben würde nun insbesondere unter islamwissenschaftlichen Gesichtspunkten von Experten ausgewertet. Eine abschließende Bewertung sei aber noch nicht möglich, hieß es.

Die Bundesanwaltschaft hat zudem weitere Details zu den verwendeten Bomben verraten: Diese seien mit Metallstiften bestückt gewesen, von denen sich einer in die Kopfstütze eines Bussitzes gebohrt habe. Die Frage nach dem Zündmechanismus und der Art des verwendeten Sprengstoffes sei noch Gegenstand der kriminaltechnischen Untersuchungen, hieß es.

Bekennerschreiben stellt Ermittler vor Rätsel
Zuvor hatte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger gesagt, dass in alle Richtungen ermittelt werde. Das nahe des Tatortes gefundenes Bekennerschreiben sei sehr merkwürdig. Es könne "sowohl echt sein als auch der Versuch, eine falsche Spur zu legen", erklärte er. Daher könne es ein rechtsextremistischer Anschlag gewesen sein, ein linksextremistischer oder ein islamistischer. Die Täter hätten "eine größtmögliche Öffentlichkeit" erzielen wollen. Man müsse davon ausgehen, dass sie weitere Anschläge ankündigen werden.

In dem in schlechtem Deutsch verfassten Schreiben wird auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt und den Einsatz deutscher Tornado-Kampfflugzeuge in Syrien Bezug genommen. Das Schriftstück beginnt mit den Worten "Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen" und erwähnt besonders den Lkw-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember mit insgesamt zwölf Todesopfern und zahlreichen Verletzten.

Weiters behauptet der Verfasser, dass deutsche Kampfjets daran beteiligt seien, "Muslime in dem Kalifat des Islamischen Staates zu ermorden", berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Bis die deutschen Tornados abgezogen und die US-Luftwaffenbasis Ramstein geschlossen seien, stünden daher ab sofort Sportler und andere Prominente "in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen" auf einer "Todesliste des Islamischen Staates", heißt es in dem Schreiben weiter.

Deutschland fliegt seit Dezember 2015 Aufklärungseinsätze in Syrien.  Zudem wurden kurdische Milizen unter Mithilfe von Bundeswehrsoldaten für den Kampf gegen den IS ausgebildet.

Linkes Protestschreiben wohl Fake
Die Ermittler prüften am Mittwoch zudem die Authentizität eines zweiten Bekennerschreibens, das möglicherweise aus der antifaschistischen Szene kommt. In dem im Internet verbreiteten Schreiben wird in Antifa-Duktus erklärt, der Bus sei mit eigens für den Anschlag angefertigten Sprengsätzen als "Symbol für die Politik des BVB" attackiert worden, die sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten einsetze.

Die Betreiber des linksgerichteten Online-Portals Indymedia bezweifelten allerdings dessen Authenzität. "Wir halten das Schreiben für einen 'Nazifake'", teilten sie am Mittwoch mit. "Weder Inhalt noch Sprache deuten auf einen linken Hintergrund hin, deshalb haben wir es bereits sehr kurz nach der Veröffentlichung gelöscht", hieß es von Seiten der Betreiber.

Dortmund-Kicker bei Anschlag verletzt
Bei dem Sprengstoffanschlag am Dienstagabend auf den Teambus von Borussia Dortmund wurde der Innenverteidiger Marc Bartra schwer verletzt.

Er wurde noch in der Nacht operiert und befindet sich auf dem Weg der Besserung. Ein Polizist erlitt ein Knalltrauma, als die Sprengsätze, die in einer Hecke deponiert waren, explodieren.

 krone.at
Redaktion
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