So, 17. Dezember 2017

Experten warnen:

10.04.2017 08:24

"Europas Staaten sind zu abhängig von Microsoft"

Dass die öffentlichen Verwaltungen in Europa auf ihren Computern fast ausschließlich Software von Microsoft nutzen, birgt nach Ansicht internationaler Experten große Risiken - und gefährdet die europäische Souveränität. Die Staaten Europas liefen "Gefahr, die Kontrolle über ihre eigene IT-Infrastruktur zu verlieren", warnt der frühere Abteilungsleiter für Informationstechnik und Cybersicherheit im deutschen Innenministerium, Martin Schallbruch. Viele staatliche Verwaltungen seien so abhängig von Microsoft, "dass sie nicht mehr die Wahl haben, welche Software sie nutzen wollen."

Auch Michael Waidner, Direktor des Fraunhofer-Instituts für sichere Informationstechnik und einer der führenden europäischen Experten für Cyber-Sicherheit, beklagt den Verlust der "digitalen Souveränität" Europas. Staaten und die Europäische Union müssten "in der Lage sein, zu testen ob Hardware und Software ihrer Informationstechnik nur das tun, was sie sollen und nichts sonst". Darum sollten alle Staaten darauf bestehen, dass "ihre Experten alle nötigen Informationen haben, um die Software in sicherheitsempfindlichen Sektoren zu testen."

Das sei aber mit den Produkten von Microsoft bisher nicht möglich, heißt es weiter. Das US-Unternehmen hält grundsätzlich den sogenannten Quellcode für seine Programme geheim. Doch nur damit können Fachleute nachvollziehen, wie Programme konstruiert sind und gegebenenfalls Sicherheitslücken finden. Darum sei "der Zugang zum Quellcode unverzichtbar", forderte Waidner. Ohne ihn gebe es "keine digitale Souveränität".

Das Europäische Parlament hatte bereits 2015 gefordert, dass die EU und ihre Mitgliedsländer bei Software für die staatliche Verwaltung die Offenlegung des Quellcodes von den Anbietern verlangen. Doch sowohl die EU-Kommission als auch die Regierungen verweigern die Umsetzung des Parlamentsbeschlusses. Microsoft verfügt in vielen EU-Staaten über hochrangige Kontakte in die Regierungsapparate, ergaben die Recherchen des Journalisten-Teams Investigate Europe.

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