Mo, 23. Oktober 2017

Integration:

05.04.2017 18:50

„Pfiat di“ klingt für Zuwanderer wie Geheimcode

Ihre Kinder besuchen den Kindergarten oder die Schule, die Mütter sitzen inzwischen nebenan im Deutschkurs - diese niederschwellige Förderung von Migrantinnen unter dem Titel "Mama lernt Deutsch" stellte Integrationslandesrat Rudi Anschober anhand eines Volkshochschul-Projekts in der Linzer VS 8 vor.

Ardina (41) aus Rumänien, Lili (45) aus China, Sultan (36) aus der Türkei oder Altagracia, die sich lieber Rosi nennen lässt, aus der Dominikanischen Republik - insgesamt sieben Frauen nehmen derzeit an  dem Deutschkurs in der Linzer Goethe-Volksschule teil. Sie haben alle Kinder, die dort den Kindergarten oder die Schule besuchen.
"Im Mittelpunkt der Deutschkurse steht nicht nur der Sprachunterricht, es geht auch um das Verständnis der Alltagsrituale von uns Österreichern", erklärt Trainerin Ezgü Erdur (25): "Migrantinnen wissen zum Beispiel nicht, was ein Adventkranz ist oder wie Ostern gefeiert wird."
Eine kleine Anekdote illustriert, wie schwer für Zuwanderer der Unterschied zwischen Schriftsprache und Dialekt zu bewältigen ist, sagt Erdur: "Eine Frau hat mich gefragt, was ,Pfiat di’ heißt. Sie hat geglaubt, das hat vielleicht etwas mit der Zahl Vier zu tun" - siehe dazu auch unser Interview.
Die Volkshochschule veranstaltet landesweit 25 derartige Sprach- und Lebenskurse, 17 davon in Linz, erklärt Damir Saracevic, Leiter des VHS- Instituts interkulturelle Pädagogik. Die Volkshochschule OÖ bietet eine ganze Palette von solchen Förderangeboten.

Interview:

Trainerin Ezgü Erdur unterrichtet im Sprachkurs "Mama lernt Deutsch" Migrantinnen, sie sieht nicht nur Unterschiede.

In Ihrem Kurs geht es nicht "nur" um den Deutschunterricht.
Nein, genauso wichtig ist für die Frauen das Verstehen des Alltags in Oberösterreich, wie zum Beispiel, was ein Adventkranz ist. Wir geben auch Tipps, wie man günstig Ausflüge mit Kindern machen kann, wo es nette Parks gibt oder wo man Spiele ausleihen kann. Es geht aber auch darum, dass die Frauen Kontakt miteinander schließen, nicht nur zu Hause sitzen müssen.

Es gibt aber nicht nur Unterschiede.
Wir haben uns unterhalten, was Krautrouladen genau sind. Und da haben wir festgestellt, dass es diese Speise eigentlich in jedem Land gibt, sie heißt nur unterschiedlich.

Die fremde Sprache ist oft eine Bremse.
Weil diese  Frauen oft beruflich gut qualifiziert sind, aber mangels Deutsch nur Putz-Jobs bekommen.

Christoph Gantner/Kronen Zeitung

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