Fr, 24. November 2017

Trotz Kompromiss

05.04.2017 07:18

Fluglärm-Konferenz steuerte in arge Turbulenzen

Es hätte der große Durchbruch werden sollen, doch nach nur 20 Minuten hat Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher das mit Spannung erwartete Treffen der Fluglärm-Kommission schon wieder aufgelöst. Der Grund: Es war kein Vertreter der Austro Control erschienen. Das brachte das Fass jetzt zum Überlaufen.

Um 10.20 Uhr waren die Hoffnungen auf eine baldige Einigung im Fluglärm-Streit endgültig vom Tisch. Noch bevor das österreichische Kompromiss-Angebot überhaupt zur Sprache kommen konnte, löste Freilassing Bürgermeister Josef Flatscher (CSU) in seiner Funktion als Vorsitzender das Treffen der Fluglärm-Kommission genervt auf. Der Grund: Die bayrischen Vertreter hatten sich im Vorfeld mit einer Reihe von Fragen an die Flugsicherung Austro Control gewandt, aber bis jetzt keine Antworten darauf erhalten. Als dann bei der Sitzung erneut kein Vertreter der Austro Control erschienen ist, platzte Flatscher endgültig der Kragen. Nach einer kurzen Pause entschied er, den Termin vorzeitig abzubrechen. Damit ist eine Einigung in weite Ferne gerückt. Bayrische Vertreter kritisieren Versäumnis "Das ist ein Unding und ein Affront gegenüber den anderen Sitzungsteilnehmern", zeigte sich Georg Grabner (CSU), Landrat im Berchtesgadener Land, anschließend empört gegenüber der "Krone". "Wenn ich ein Beteiligter in einem Gremium bin, muss ich, auch wenn ich verhindert bin, wenigstens einen Stellvertreter entsenden. So geht man nicht miteinander um."

Ursprünglich hätte bei der Sitzung der Salzburger Kompromiss-Vorschlag diskutiert werden sollen. Er sieht vor, dass die Piloten bei Starts über Norden in Zukunft steilere Rechtskurven in Richtung Flachgau fliegen bzw. bei entsprechenden Wetterbedingungen Flüge nach Süden verlagert werden.  Das hätte eine wesentliche Entlastung für die deutsche Seite bedeutet, aber mehr Lärm für den Süden. Außerdem waren auch neue Routen für An- und Abflüge über die Tauern im Gespräch. Im Lammertal wird ebenfalls mehr Fluglärm befürchtet. Noch Dienstag früh zeigte sich Landesvize Christian Stöckl als Eigentümervertreter im Gespräch mit der "Krone" "sehr zuversichtlich", dass die Gegenseite auf das Angebot einsteigen werde. Doch der Eindruck täuschte: Bayern hatte sich stets zurückhaltend zu den Plänen geäußert, da aus deren Sicht die technische Umsetzung gar nicht möglich sei. Dass der Nachbar von dem Salzburger Vorschlag ursprünglich zu erst aus den Medien erfahren hatte, verschnupfte ihn zusätzlich.

Stöckl: Abbruch sei ein politisches Machtspiel
"Zwischenzeitlich liegen uns die Unterlagen zwar vor, aber es sind noch viele Fragen offen", ergänzte Grabner. Inwiefern ein Kompromiss damit möglich gewesen wäre, steht in den Sternen. Die Verhandlungen werden allerdings nicht endgültig abgebrochen. Im Hintergrund laufen noch Konsultationsgespräche - allerdings in geänderter Zusammensetzung. Josef Flatscher stellte unterdessen eine Wiederholung der Sitzung in den Raum - allerdings erst wenn alle Antworten auf dem Tisch liegen. Stöckl zeigte wenig Verständnis dafür: "Ich finde das bedauerlich. Das sind kommunalpolitische Machtspielchen."So setzt sich die Kommission zusammenDie Fluglärm-Kommission wurde vor über 40 Jahren ins Leben gerufen und tagt zweimal jährlich. Ihr gehören Vertreter beider Seiten an: der Flughafen, das Verkehrsministerium, die  Flugsicherung, die Anrainer-Gemeinden sowie der Schutzverband. 1,74 Millionen Passagiere zählt der zweitgrößter Flughafen Österreichs pro Jahr.

Anna Dobler, Kronen Zeitung

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