Di, 17. Oktober 2017

In der Türkei

30.03.2017 10:58

Grazer „Asylschreiberin“ droht lebenslange Haft

Knapp ein Jahr lang war die Journalistin und Autorin Asli Erdogan in Graz im Exil, ehe sie in ihre türkische Heimat zurückgekehrt ist. Weil sie über Minderheiten schreibt, kam sie ins Gefängnis und ihr droht jetzt lebenslange Haft. Ihre politischen Essays sind nun auch auf Deutsch erscheinen.

"Freiheit und Frieden zu verteidigen, ist weder ein Verbrechen, noch eine Heldentat, sondern Pflicht", schreibt Asli Erdogan in einem der Texte, wegen der sie in der Türkei verfolgt wird. Am 16. August 2016 wurde sie als Mitarbeiterin der pro-kurdischen Tageszeitung "Özgür Gündem" verhaftet. Dass sie im Dezember vorerst freikam, hat nicht zuletzt mit dem weltweiten Protest zu tun, den ihre Inhaftierung ausgelöst hatte.

Auch viele Steirer hatten die Petition unterzeichnet, denn ein Jahr lang hatte Erdogan als "Asylschreiberin" in Graz verbracht und wer der zerbrechlich wirkenden und doch so starken Frau begegnet war, konnte nicht anders, als ihren Mut zu bewundern. "Ihr Leben ist gepflastert von Tragödien, und trotzdem ist sie nicht bereit, aufzugeben", sagt Luise Grinschgl von der Kulturvermittlung Steiermark: "Sie hat sich starkgemacht für Kurden und Armenier, Flüchtlinge und Oppositionelle, Frauen und Homosexuelle."

"Wer über gewisse Dinge schreibt, gilt als Terrorist"
Dass Erdogan sich mit solchen Themen in der Türkei weit aus dem Fenster lehnt, war ihr bewusst: "Wer über gewisse Dinge schreibt oder redet, gilt als Terrorist", schilderte sie 2012 in einem Gespräch mit der "Steirerkrone". Einer Verhaftung war sie damals noch entkommen, weil sie die Türkei rechtzeitig verlassen hatte. Trotzdem kündigte sie an, zurückkehren zu wollen: "Ich bin ständig auf der Suche nach Gerechtigkeit. Ich kann nicht anders."

Weil sie eine Mahnerin und Kritikerin blieb, droht ihr nun wie vielen türkischen Künstlern und Intellektuellen der Prozess wegen angeblicher Verbindungen zu terroristischen Organisationen und eine lebenslange Haftstrafe. "Diese Fälle sind Hirngespinste" und "das ist ein Krieg gegen die Meinungsfreiheit", erklärte die Autorin vor wenigen Tagen in einem Interview mit der "Zeit im Bild".

Mit solch klaren Aussagen in westlichen Medien tut sie sich im Vorfeld ihres Prozesses sicher keinen Gefallen. Aber sie weiß eben auch: "Freiheit ist ein Wort, das niemals schweigt."

Christoph Hartner, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden