Fr, 24. November 2017

Angeklagt

29.03.2017 23:30

Gut Aiderbichl-Prozess: Rätsel um Erpresserbrief

Wer lügt? Das wird erst am 24. Mai im Landesgericht Salzburg geklärt. Vertagt wurde nämlich der Prozess gegen den Ex-Pfleger von Aiderbichl-Gründer Michael Aufhauser am Mittwoch. Schwere, versuchte Erpressung lautet der Vorwurf gegen den angeklagten Kroaten (44). Mysteriös ist der scheinbare Erpresser-Brief.

Die zentrale Person des Strafverfahrens ist an den Rollstuhl gefesselt und schwer krank: Michael Aufhauser, Gründer der weit bekannten Tiergnadenhöfe. Sein Ex-Pfleger, der Kroate Sasa R. (44), musste sich vor Richterin Katrin Pernestetter verantworten. "Nicht schuldig", sagt er zum Vorwurf der versuchten Erpressung von Staatsanwältin Martina Kocher. Verteidiger Kurt Jelinek: "Es ist keinesfalls eine Erpressung."

Das Hauptaugenmerk im Prozess liegt auf einem Brief: Den hat Dieter Ehrengruber Vertrauter von Aufhauser und Geschäftsführer des Gut Aiderbichl am 16. September geöffnet. "Hallo Dieter, bitte melde dich damit wir wegen dem Job alles klären können. Sonst muss ich zu den Medien gehen": So erzählte der Kroate den Inhalt. Fotos von Aufhauser waren beigefügt. "Ich war verzweifelt und verärgert", merkte er an. Schulden hatte er aus seiner selbstständigen Tätigkeit als Pfleger von Dezember 2015 bis Juli 2016 hatte er Aufhauser betreut. Nur 72 Euro bekam er für 24 Stunden Dienst pro Tag. Besserung wurde ihm versprochen. Deswegen hat er den Brief verfasst, handschriftlich. "Was wollten’S denn erreichen", wollte die Richterin wissen. "Nur, dass er sich meldet", so der Angeklagte. "Mehr nicht."

Im Akt findet sich aber nur ein maschinell gefertigter Brief. Für Jelinek passt die Schreibweise also das sprachliche Niveau nicht zusammen. Er spricht sogar von "eingebauten Fehlern" und ist sich sicher, dass den Brief wer anderer anfertigte.

Das Verhältnis mit Aufhauser persönlich sei "sehr gut" gewesen, so der Kroate. Er mochte ihn, hätte ihn auch weiter pflegen wollen.

Der Sache den Wind aus den Segeln zu nehmen
Zur Sprache kam auch der Vorwurf, dass Ehrengruber den Pfleger zu sexuellen Diensten angehalten hätte. Dabei berichtete der Angeklagte von einer "flappsigen" Bemerkung, die Ehrengruber einmal in diese Richtung machte. Ein anderes Mal gab es ein Gespräch um das Erbe Aufhausers. Einmal um ein neues Auto. Ob diese Vorfälle der Grund für einen möglicherweise manipulierten Brief wären, fragte Pernestetter. Antwort: "Ich weiß es nicht."

"Niemals habe ich so eine zweideutige Andeutung gemacht", wehrte sich Ehrengruber im Zeugenstand. Den Brief ausgetauscht habe er auch nicht. Für ihn war es jedenfalls "ein Schock" als er den gelesen hat. Danach schaltete er Anwälte und Berater ein. Und ging selbst zu den Medien. "Warum nicht zur Polizei?", wunderte sich die Richterin. Er sei so beraten worden, entgegnete Ehrengruber. "Und dann zu den Medien mit so einer explosiven Geschichte?" Ehrengruber glaubte, dass die Medien den Brief schon haben, tat es "um der Sache den Wind aus den Segeln zu nehmen". Der Zeuge erzählte auch Dramatisches um Aufhauser passiert im Frühjahr 2016. Die Ärzte redeten da von Verabschiedung, es gab Wiederbelebungsmaßnahmen. Richtige Gespräche waren nicht möglich, so Ehrengruber. Ein Widerspruch zu dem, was der Ex-Pfleger zuvor schilderte. Eine Zeugin wird noch angehört der Prozess ist auf 24. Mai vertagt.

Antonio Lovric, Kronen Zeitung

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