Sa, 18. November 2017

Wasser in Gefahr?

28.03.2017 16:47

Wirbel um die Güllegruben

Nach einem Bauskandal im Tullnerfeld gehen die Wogen hoch. Ein Landwirt kämpft nach der Errichtung eines Stallgebäudes inklusive Güllegrube um seine Existenz und bekommt statt einer Entschädigung nur Hohn von Baufirma, Bauernkammer und der hohen Politik.

Den Tränen nahe zeigte sich das Ehepaar M. (Name geändert) bei der Besichtigung seines Stalls im Tullnerfeld. Nach Jahren voll Bürokratie, Gerichtsstreitigkeiten und mehreren durch Baufehler getöteten Tieren stehen die Rinderbauern vor dem Ruin. "Der Bau von Stall und Güllegrube hat sich zur Katastrophe entwickelt", klagt Josef M. der "Krone". Zudem kommen jetzt Details ans Licht, die ein System aus möglicher Freunderlwirtschaft und angeblichem Unter-den-Teppich-Kehren widerspiegeln. M.: "Die Landwirtschaftskammer hat uns das Unternehmen für die Bauarbeiten empfohlen." Der Streit um die Baumängel endete schließlich in einem Vergleich. Das Ehepaar M. weiter: "Wir waren beim Umweltlandesrat und sogar beim Landeshauptmann. Dort haben wir ein Darlehen aus dem Katastrophen-Fonds bekommen, jedoch nur unter der Prämisse zu schweigen."

Schweigen können die Bauersleute aber nicht mehr. Die Güllegrube war nämlich undicht, und sie hatten von der Firma gefordert, dies zu beheben. "Vom Geschäftsführer des Unternehmens kam nur die höhnische Antwort, dass es fast keine Güllegruben gebe, die dicht seien", schildern die Betroffenen. Auf diese brisante Aussage angesprochen, meint der Sprecher von Umweltlandesrat Pernkopf (VP) lapidar: "Das ist nicht unsere Sache, dafür ist Landesrat Tillmann Fuchs zuständig." Dieser sagt zu: "Wir werden das prüfen.

Kommentar: Bitte mehr Mut!
​Wenn es auf dem Land offenbar gang und gäbe ist, dass Gülle durch undichte Sammelgruben in Erdreich und möglicherweise auch Grundwasser sickert, sollte man annehmen, dass beim Umweltlandesrat die Alarmglocken schrillen. Mitnichten. Man sei nicht zuständig, verlautet aus dessen Büro. Wenn der weitere Ausbau von Schweinemastbetrieben Trinkwasserreserven und seien es auch jene des Nachbarbundeslandes gefährden könnte, erwartet der Bürger, dass der Umweltlandesrat einschreitet. Nun, der Bürger wartet noch heute. Gegen Atomkraftwerke, die zwar nahe an der Grenze, aber doch weit weg von der politischen Zuständigkeit sind, zu wettern, Elektroautos medienwirksam zu starten und Agrarmessen mit Pauken und Trompeten zu eröffnen, ist eben nur der eine wenn auch angenehmere Teil des Jobs. In drei Wochen steigt Stephan Pernkopf zum Landeshauptfrau-Stellvertreter auf. Man darf darauf hoffen, dass er damit auch seinem ureigensten Ressort mehr Gewicht verleiht und nicht nur der Inszenierung.

Josef Poyer und Christoph Weisgram (Kommentar), Kronen Zeitung

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