Do, 14. Dezember 2017

Bei Krankheit

23.03.2017 12:22

D: Millionen Minijobber ohne Urlaub und Lohn

Millionen Minijobber in Deutschland nehmen trotz eines klaren Rechtsanspruchs keinen bezahlten Urlaub. Auch Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Entgelt an Feiertagen bekommen viele geringfügig Beschäftigte nicht, obwohl es ihnen zusteht. Das geht aus einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten großen Minijob-Studie des RWI (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) in Essen hervor.

Laut einer Vorgängerstudie waren dies 2012 nur 10 Prozent. Das Recht auf bezahlten Urlaub nutzten 2016 rund 44 Prozent, 2012 waren es noch 19 Prozent. Mehr als jeder Zweite tut dies demnach heute nach wie vor nicht. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass die Arbeitgeber kein Entgelt an Feiertagen zahlten.

Arbeitnehmerrechte werden Minijobbern oft vorenthalten
Der Anfang 2015 eingeführte Mindestlohn kam bei vielen Minijobbern an. Der Anteil der Betroffenen mit weniger Lohn als 8,50 Euro die Stunde sank von rund 50 Prozent 2012 auf nun 14,5 Prozent. "Es hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, aber es ist noch längst nicht alles gut", sagte NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD).

Häufig würden Minijobbern ihre Arbeitnehmerrechte vorenthalten. "Viele Arbeitgeber behandeln Minijobber nach wie vor als Arbeitnehmer zweiter Klasse." Die Studie im Auftrag von Schmeltzers Ressort beruht auf Daten aus Nordrhein-Westfalen, ist aber nach Angaben der Studienautoren aussagekräftig für die Lage in ganz Deutschland.

Minijobs für fünf Millionen Menschen einzige Erwerbsquelle
Schmeltzer sprach sich für Verbesserungen und mehr Schutz für Betroffene aus, unter anderem durch neue Bußgelder für Arbeitgeber bei Verstößen. "Mein Ziel ist nicht, Minijobs abzuschaffen", betonte er. Für viele seien sie auch "eine gewünschte kleine Beschäftigungsform". 65 Prozent schätzten sie als Hinzuverdienstmöglichkeit.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verlangte von der Bundesregierung deutliche Verbesserungen. "Für rund fünf Millionen Menschen ist der Minijob die einzige Erwerbsquelle", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Deutschen Presse-Agentur. "Dabei geht es zum Beispiel um Arbeit auf Abruf, um 100-Euro-Jobs, mit denen heute viele Verkäuferinnen im Einzelhandel durch die Gegend und an ihren Rechten vorbei geschoben werden."

 krone.at
Redaktion
krone.at
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden