Mo, 20. November 2017

„Schnaps und Frauen“

22.03.2017 14:12

Eurogruppen-Chef beleidigt Südeuropäer

Jeroen Dijsselbloem, niederländischer Finanzminister und Chef der Eurogruppe, hat in Italien mit Kritik an den südeuropäischen Ländern für Empörung gesorgt. Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte der Niederländer am Dienstag behauptet, die südeuropäischen Länder würden Geld verschwenden und sich nicht an die Regeln des Stabilitätspakts halten - und zu einer deftigen Wortwahl gegriffen.

"In der Euro-Krise haben sich die nördlichen Eurostaaten solidarisch mit den Krisenländern gezeigt. Als Sozialdemokrat halte ich Solidarität für äußerst wichtig. Aber wer sie einfordert, hat auch Pflichten. Ich kann nicht mein ganzes Geld für Schnaps und Frauen ausgeben und anschließend Sie um Ihre Unterstützung bitten. Dieses Prinzip gilt auf persönlicher, lokaler, nationaler und eben auch auf europäischer Ebene", so Dijsselbloem im Hinblick auf die Finanzspritzen für südeuropäische Staaten.

Italien über Äußerungen empört
Seine Worte stießen besonders in Italien auf offene Kritik. Ex-Premier Matteo Renzi forderte Dijsselbloems Rücktritt. "Dijsselbloem hat eine Gelegenheit zum Schweigen verpasst. Leute wie er verdienen nicht den Posten, den sie bekleiden. Je früher er zurücktritt, desto besser ist es für ihn, aber auch für die Glaubwürdigkeit der europäischen Institutionen", schieb Renzi am Mittwoch auf Facebook.

Dijsselbloem habe kein Recht, Italien zu beleidigen. "In der Woche der Feierlichkeiten anlässlich des 60. Jahrestags der Unterzeichnung der Römischen Verträge sollten wir alle für ein Europa der Demokratie und nicht der Bürokratie arbeiten", kommentierte Renzi.

Rücktritt Dijsselbloems gefordert
Empört zeigte sich auch der Chef der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Gianni Pittella. Dijsselbloems Worte seien eine "Schande". "Ich begreife nicht, wie eine Person mit solchen Überzeugungen noch als fähig betrachtet wird, die Eurogruppe zu führen", protestierte Pittella. Der portugiesische Außenminister Augusto Santos Silva, ebenfalls Sozialdemokrat, sagte, Dijsselbloems Äußerungen seien "vollkommen inakzeptabel". Er sei nicht geeignet, Vorsitzender der Eurogruppe zu bleiben.

Dijsselbloem hat mittlerweile auf die Vorwürfe reagiert und erklärte, er habe allgemein über die Solidarität in der Eurozone gesprochen und nicht bestimmte Länder kritisiert. Im Europäischen Parlament hatte der Minister bereits Forderungen nach einer Entschuldigung zurückgewiesen, einige hochrangige EU-Funktionäre distanzierten sich allerdings. "Ich hätte das nicht gesagt und ich denke, dass das falsch ist", sagte etwa Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel.

Schäuble: "Vergeben keine Stilnoten für Interviews"
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble steht weiter hinter dem Eurogruppen-Vorsitzenden. Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte am Mittwoch in Berlin, Schäuble schätze die Arbeit des Niederländers. Sie fügte hinzu: "Wir vergeben keine Stilnoten für Interviewäußerungen."

Im Pleite-Staat Nummer eins, Griechenland, nahmen viele Menschen die Aussagen mit Humor. Dieser Mann kenne einfach keinen Spaß, hieß es in sozialen Netzwerken. "Sein ganzes Leben ist ein einziger verregneter griechischer Dienstagabend!" Oder auch: "Sorry, dass wir stattdessen nicht in Kartoffelschäler investiert haben", und noch dazu: "Nicht nur Alkohol und Frauen - ich hab auch Drogen gekauft!"

Michaela Braune
Redakteurin
Michaela Braune
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