Do, 14. Dezember 2017

Geldwäschenetzwerk

21.03.2017 12:35

17 Milliarden Euro russisches Schwarzgeld in EU

Die österreichische Rechercheplattform "Dossier" hat ein russisches Geldwäschenetzwerk aufgedeckt, das binnen weniger Jahre mehr als 16 Milliarden Euro über dubiose Kanäle reingewaschen haben soll. Auch Firmen in Österreich sollen Nutznießer gewesen sein. So sollen in den Jahren 2010 bis 2014 rund 4,1 Millionen Euro in 88 Transaktionen an 32 österreichische Empfänger geflossen sein. Allerdings dürften die meisten der Empfänger "ohne ihr Wissen Teil des Netzwerks der mutmaßlichen Geldwäscher geworden sein", schreibt "Dossier" online.

Illegale Handlungen in Österreich lassen sich bisher nicht belegen. Das Finanzministerium ist daher noch sehr zurückhaltend. Man werde "allen abgabenrechtlich relevanten Hinweisen nachgehen, soweit Österreich betroffen ist", sagte ein Sprecher auf APA-Anfrage. Wenn allerdings die Leistungen und Geldflüsse korrekt in den Büchern seien und in Österreich versteuert wurden, dann sei in Österreich nichts zu beanstanden.

Für die Empfänger seien es laut "Dossier" völlig übliche Geschäfte gewesen, grundsätzlich seien mit dem Geld "triviale" Dinge wie Damenjacken, Computerzubehör oder Autoersatzteile gekauft worden. Bezahlt wurden unter anderem Möbelhändler, Bekleidungshersteller, ein börsennotierter Rohstoffhändler sowie Privatpersonen, eine Schule und ein Gericht.

Russische Firma übernahm bei Zahlungsausfall die Haftung
Funktioniert habe die Geldwäsche über Briefkastenfirmen in der EU. Die eine habe der anderen Geld geliehen, das sie überhaupt nicht hatte. Für die Rückzahlung haftete eine russische Firma. Wenn dann die Empfängerin nicht zurückzahlen konnte, sprang die russische Haftung ein - und das Geld floss nach Europa. Um dem einen formellen Anschein zu geben, sei das Geld über ein Gericht in der Republik Moldau eingeklagt worden, moldauische Gerichte hätten den Anspruch bestätigt. In Summe seien mehr als 18 Milliarden Dollar (rund 16,7 Milliarden Euro) so legitimiert worden.

Das Recherchenetzwerk OCCRP (Organized Crime and Corruption Reporting Project) hatte das System bereits 2014 aufgedeckt, neu ist nun, dass einzelne Transaktionen nachverfolgt werden können. Nach Angaben von Paul Radus, Mitbegründer und Direktor des OCCRP, wurde bereits einigen der beteiligten moldauischen Richter der Prozess gemacht.

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Redaktion
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