Fr, 24. November 2017

34-Seiten-Demontage

18.03.2017 09:05

Rehberg-Akt rückt U-Bahn aufs Abstellgleis

1,5 Milliarden Euro - so viel würde laut Stadtbahnbeauftragten Willi Rehberg (82) der Bau der Salzburger U-Bahn kosten. Viel zu viel und wegen der geologischen Verhältnisse ein "unkalkulierbares Risiko", bilanziert er in seinem kritischen, 34 Seiten starken Endbericht. Damit ist das Projekt wohl endgültig versenkt.

Seit knapp 40 Jahren geistert die Idee einer U-Bahn durch Salzburg. Anfänglich, in den 1980er-Jahren, als "Stadtbahn unter der Salzach" tituliert, ebenfalls als Teil eines Nahverkehrskonzeptes für den Raum Salzburg und Umgebung gedacht. Umgerechnet zwei Milliarden Euro sollte die U-Bahn damals kosten, ein Baubeginn war für 1994 vorgesehen. Überzeugt davon war wohl wirklich nie jemand, passiert ist letztlich nichts  jetzt ist das Thema "U-Bahn" für Salzburg wohl endgültig Geschichte.

Am Freitag veröffentlichte die Stadt den Bericht von Willi Rehberg, früher kaufmännischer Geschäftsführer der Thyssen-Tochter Aqua Engineering, und seit mehr als einem Jahr Stadtbahnbeauftragter. Seine Aufgabe: ein realistisches Kostenbild zum Projekt, basierend auf den bisherigen Daten, zusammen zu fassen. Jetzt liegt seine Einschätzung vor. Auf 34 Seiten lässt Rehberg kein gutes Haar am Vorhaben "Salzburger U-Bahn", spricht kurz gefasst von 1,5 Milliarden Euro Kosten, einem beträchtlichen Risiko beim Bau, hohen Instandhaltungskosten und sogar von einer möglicherweise durch den Bau verursachten Zerstörung des Weltkulturerbes.

Die Kosten schlüsselt Rehberg in seinem Endbericht so auf: Bei den indexierten Gesamtkosten während der Bauzeit kommt er auf knapp über eine Milliarde Euro. Abzüglich 388 Millionen Euro vom Bund würden Salzburg damit auf Kosten von 624 Millionen Euro entstehen. Mit Zinsen hinzugerechnet (2,5 Prozent auf 35 Jahre Laufzeit) kommt Rehberg auf knapp über 900 Millionen Euro. Mit 15 Millionen Euro Instandhaltungskosten ebenfalls indexiert auf 35 Jahre landet der Experte bei knapp 1,5 Milliarden Euro. "Für Stadt und Land würde sich damit eine jährliche Zahlung von 42 Millionen Euro in den Jahren 2030 bis 2065 ergeben", bilanziert Rehberg.

In Karlsruhe 250 Millionen Euro pro Kilometer
In seiner Expertise zieht er auch den Vergleich zu anderen Tunnelbauprojekten heran. So kostete die Wiener U-Bahnquerung für die U2-Verlängerung unter dem Donaukanal 240 Millionen Euro pro Kilometer, die Innenstadtquerung in Karlsruhe schlägt mit 250 Millionen Euro pro Tunnelkilometer zu Buche, jene in Salzburg würde aber nur mit 148 Millionen Euro geschätzt. Größtes Manko beim Bauen in der Mozartstadt: Der Seeton im Untergrund, der bereits bei früheren Bauvorhaben (Kongresshaus, Bahnhofsvorplatz) für Probleme gesorgt hat. Er gilt als hochproblematisch und setzungsempfindlich. "Viele Decken der Altstadtgebäude sind in Holz (Tramdecken), Fundamente wurden ’geschüttet’, Tiefgründungen waren unbekannt. Es gibt Baumethoden, die diese Risiken zum Teil beherrschen, doch finanziell und wirtschaftlich unüberschaubar sind", so die Studie.

Nur ein weiteres Fragezeichen, wie sich die Bauarbeiten (immerhin fast acht Jahre) auf den Alltag in der Innenstadt auswirken. Thema ist auch die Kosten-Nutzen-Rechnung, der ein jährliches Minus von 3,7 Millionen € bescheinigt wird, bei 28.000 Fahrgästen pro Tag. Rehberg ortet damit "keine deutliche Verkehrsentlastung". Rehbergs Bericht ist auch die Antwort auf eine Machbarkeitsstudie des Landes aus dem Jahr 2015. "Das Ergebnis war von Anfang an klar", kontert Verkehrslandesrat Hans Mayr. Am Montag wird die Expertise im Stadtsenat präsentiert und diskutiert. "Ich glaube, wir brauchen da nicht viel weiter zu diskutieren", sieht sich Bürgermeister Heinz Schaden in seiner Haltung weiter bestärkt. Die Salzburger U-Bahn ist damit wohl endgültig Geschichte. Knapp 40 Jahre hat es gedauert. Nur...

Max Grill, Kronen Zeitung

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