Mo, 20. November 2017

Menschliche Tragödie

16.03.2017 15:04

Mit kranker Ehefrau gegen Mauer gerast: Urteil

Wegen versuchten Totschlags an seiner demenzkranken Ehefrau ist am Donnerstag ein Oststeirer im Grazer Gericht schuldig gesprochen worden. Er hatte im Vorjahr versucht, sich und seine Frau umzubringen, weil er mit der Pflege überfordert war. Der Mann wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, wegen der besonderen Umstände wurden ihm 33 Monate bedingt nachgesehen. Er nahm das Urteil an.

Der 70-jährige Angeklagte war 48 Jahre lang mit seiner Frau verheiratet gewesen, das Paar hat drei Kinder. Seit einer Erkrankung mit Herpes Enzephalitis litt die Frau an Demenz, seit 2012 musste sie ständig von ihrem Ehemann betreut werden.

Gezielt und mit hoher Geschwindigkeit gegen Mauer
Die Überforderung führte laut Staatsanwalt Oliver Krenn dazu, dass er sich im Sommer des Vorjahres mit ihr ins Auto setzte und "gezielt und mit hoher Geschwindigkeit" gegen eine Mauer fuhr, um beide zu töten. Zunächst überlebten beide, zwei Monate später starb die Frau im Spital.

Vor Gericht war zu klären, ob der Tod der Pensionistin infolge einer Thrombose auch als Folge des Unfalls auszulegen ist. Die Gutachter sahen am Donnerstag eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenhang der Ursachen.

Mildes Urteil kein Signal an pflegende Angehörige
Die Geschworenen sahen in Anbetracht der Umstände weder Mord noch versuchten Mord oder Totschlag, sondern einstimmig den versuchten Totschlag. Das Gericht betonte, dass das milde Urteil nicht als Signal an pflegende Angehörige gedeutet werden dürfe. Das Delikt der versuchten Tötung werde nicht toleriert, aber die jahrelange Situation des Beschuldigten sei damit anerkannt.

"Wollte dieses Leben nicht mehr führen"
Beim ersten Prozesstermin im Jänner hatte Verteidiger Gerald Ruhri von einer "menschlichen Tragödie, die juristisch abzuhandeln ist", gesprochen. Sein Mandant habe alles für seine Frau getan, aber sie sei zunehmend aggressiver und verwirrter geworden. Von den Kindern hatte er keine Hilfe, und so habe er im Sommer 2016 erkannt, "dass er dieses Leben nicht mehr führen kann und will".

 krone.at
Redaktion
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