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19.03.2017 09:00

Libratone Zipp (Mini): Kontaktfreudige Netzwerkbox

MP3s, Streamingdienste, Musikserver oder Internetradio: Viele Österreicher hören Musik nur mehr aus digitalen Quellen. Die Abspielgeräte passen sich an und werden immer kontaktfreudiger. Vernetzte Lautsprecher wie Zipp und Zipp Mini von der dänischen Firma Libratone versprechen, das ganze Haus aus allen nur erdenklichen Quellen zu beschallen. Wir haben es ausprobiert.

Im Gegensatz zu reinen Bluetooth-Boxen bieten die ungewöhnlichen textilumwobenen Klangdosen aus Dänemark auch WLAN an, die verbaute Elektronik kann mit UPNP/DLNA-Musikservern im Heimnetzwerk, Streamingdiensten wie Spotify oder Internetradiosendern umgehen.

Wer mag, kann sogar zwei oder mehr Lautsprecher in Serie schalten und so beispielsweise verschiedene Räume aus einer Quelle bespielen. Oder zwei Lautsprecher in einem Raum kabellos zum Stereo-System verbinden.

Im Test klappte das erfreulich gut. Im Gegensatz zu manch anderem vernetzten 360-Grad-Speaker halten sich die Dänen an alle gängigen Standards. Im Heimnetz vorhandene DLNA/UPNP-Server wurden klaglos als Quelle erkannt, Spotify Connect bindet den Streamingdienst an. Klappt dank flottem Gigabit-WLAN am 5-Gigahertz-Band sogar in etwas größerer Entfernung vom Router noch. Wer Musik nicht kabellos einspielen will, kann sich mit einer 3,5-Millimeter-Klinke behelfen.

Saubere Multi-Room-Umsetzung
Die Verbindung zweier Lautsprecher ist ebenfalls gut gelöst: Ein Knopfdruck auf beiden reicht, damit sie sich in Serie schalten. Nicht nur Netzwerkstreams werden so simultan auf mehreren Geräten abgespielt, es wird sogar - keine Selbstverständlichkeit - Bluetooth durchgereicht.

Die Libratone-App - wir haben die Android-Version getestet - dient der Konfiguration der Lautsprecher. Hier können sie gruppiert oder mit Equalizer-Voreinstellungen an die eigenen klanglichen Präferenzen und den Aufstellort angepasst werden.

Auch die Ersteinrichtung - beim Test mussten wir sie einmal wiederholen, da der Lautsprecher seinen WLAN-Zugang vergessen hatte - findet hier statt und gestaltet sich angenehm unkompliziert. Einfach das Smartphone mit der Libratone-App mit dem Zipp verbinden, WLAN-Zugang einrichten und schon gibt sich die Box im Heimnetzwerk als Abspielgerät zu erkennen.

Größerer Speaker beschallt Räume im Alleingang
Klanglich nimmt es der größere Zipp mit etwa zwei Liter Volumen mit günstigeren Kompaktanlagen auf. Er beschallt ohne Probleme einen 25-Quadratmeter-Raum - auch lauter. Das Klangbild ist gefällig, in höherer Lautstärke allerdings etwas undifferenziert-basslastig. Höhen und Mitten trifft der große Zipp passabel für einen so kompakten Speaker, mit einer hochwertigen Stereoanlage kann er es klanglich aber natürlich nicht aufnehmen.

Bei der Wiedergabe gibt er sein klangliches Potenzial in alle Richtungen gleichermaßen ab. Der ideale Stellplatz ist somit mitten im Raum. Wer ihn ins Regel stellt, wird zwar auch adäquat beschallt, verschenkt aber Potenzial.

Der kleinere Zipp Mini bringt im Rahmen seiner Möglichkeiten ähnliche Qualitäten wie sein großer Bruder mit. Höhen und Mitten trifft er relativ gut, in höheren Lautstärken könnte aber auch hier manch einem Nutzer der Bass zu dominant werden. Weil Klang bis zu einem gewissen Grad auch Geschmackssache ist, raten wir aber ohnedies zum Probehören, ob er die eigenen Vorlieben trifft.

Unkonventionelles Design aus Dänemark
Eine der Besonderheiten bei Libratones Zipp-Serie ist ihr ungewöhnliches Design. Prinzipiell sind 360-Grad-Lautsprecher zwar nichts Neues, mit ihren wechselbaren Textilüberzügen heben sich die Zipp-Lautsprecher aber durchaus von der Masse ab und geben sich schön wandelbar.

Schade: Im Preissegment, in dem Libratone mit dem Zipp (Mini) auf Kundenfang geht, hätte man ruhig etwas höherwertige Gehäusematerialien einsetzen können. Nicht, dass der Zipp in der Standardversion im Plastikchassis schlecht verarbeitet wäre, er fühlt sich nur nicht so recht nach einem Premium-Produkt an. Das bleibt der hundert Euro teureren "Copenhagen"-Edition im Alu-Chassis vorbehalten.

Minimalistisches, aber durchdachtes Bedienkonzept
Das Bedienkonzept mit einem einzelnen Touch-Interface an der Geräteoberseite ist minimalistisch, aber durchdacht und geht schnell in Fleisch und Blut über.

Hier kann das Gerät an- und abgeschaltet werden, der Nutzer kann ohne Umweg über die Smartphone-App zwischen fünf programmierbaren Internetradiosendern oder - neu - Spotify-Playlists wechseln, die Lautstärke regulieren und zum vorigen oder nächsten Lied springen.

Auch eine Bluetooth-Verbindung kann man hier durch langes Drücken auf das charakteristische Libratone-Vogerl herstellen. Nettes Detail: Beim an- und abschalten "zirpt" der Lautsprecher sogar ein wenig.

Für den mobilen Gebrauch fast etwas zu mächtig
Das Handling der Libratone-Lautsprecher: Der größere Zipp mit einer Leistung von 100 Watt ist für den Hausgebrauch leicht genug, um von einem Raum in den anderen oder auch einmal in den Garten verfrachtet zu werden, auf Reisen würden wir ihn mit seinen 1,5 Kilo Gewicht aber doch eher nicht mitnehmen wollen.

Hier ist der 60 Watt starke Zipp Mini mit 1,1 Kilo Gewicht die bessere Wahl, wenngleich auch er größer und schwerer als manch ein Rivale ist. Da er unterwegs seine Multi-Room-Qualitäten nicht ausspielen kann, wird ihn manch ein Nutzer da wohl lieber zugunsten eines leichten Bluetooth-Speakers zuhause lassen.

Solide Akkulaufzeit, USB-Ladefunktion verfügbar
Ein Wort zur Akkulaufzeit: Im Testbetrieb hielt der Zipp Mini bei mittleren Lautstärken rund acht Stunden, der große Zipp ähnlich lang mit einer Akkuladung durch. Das reicht für den alltäglichen Einsatz locker aus - etwa, um einen lauen Sommerabend im Garten zu beschallen.

Durchdacht: Über einen eingebauten USB-Anschluss laden die Lautsprecher - dann freilich bei kürzerer Laufzeit - auch Zuspielgeräte wie Smartphones auf. Aufladen kann man Libratone Zipp und Zipp Mini über den USB-Anschluss aber nicht. Die Lautsprecher selbst werden über einen proprietären Ladestecker geladen, auf Reisen sollte man also das Netzteil nicht zuhause lassen.

Fazit: Durchdacht, aber nicht ganz günstig
Libratone hat mit dem Zipp (Mini) einen ausgesprochen durchdachten Multi-Room-Speaker im Sortiment, der mit seinem ungewöhnlichen und praktischen Design in Erinnerung bleibt, aber auch technisch überzeugt. Er ist über Gigabit-WLAN und Bluetooth 4.0 bestens vernetzt, hält sich vorbildlich an Übertragungsstandards und erfreut mit unkomplizierter (Multi-Room)-Einrichtung.

Durch ihr Gewicht werden die Zipps zwar nicht auf jede Reise mitgenommen werden und angesichts des Preises (Zipp: 300 Euro, Zipp Mini: 200 Euro) könnte sich manch ein Nutzer die höherwertigen Gehäusematerialien, die der 400 Euro teuren "Copenhagen"-Version vorbehalten sind, schon für die Standardversion wünschen. Alles in allem hat Libratone hier aber ein durchdachtes und gelungenes Multi-Room-System im Sortiment.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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