Fr, 19. Jänner 2018

30.10.2006 17:16

Ja zu Halloween!

Das freie Wort
Als kultur- und traditionsbewusster Europäer kann man sich doch eigentlich nur über die immer stärkere Ausbreitung des Halloween-Brauches, der auf den ersten Blick nach einem neuen Auswuchs des US-amerikanischen Kulturimperialismus aussieht, in Wirklichkeit aber eine kulturelle "transatlantische Rückwanderung" ist, freuen.

Denn es ist eine Tatsache, dass zwar die heutige Bezeichnung Halloween aus dem Englischen stammt (hallow, zu Deutsch: heiligen, weihen), der Ursprung aber das keltisch-heidnische Fest "Samhain" ist. Im Zuge der Christianisierung Europas verfügte Papst Gregor IV. nämlich im Jahre 837, lange bevor Amerika überhaupt entdeckt wurde, kurzerhand das heidnische Fest in ein christliches umzupolen, da viele Menschen zwar grundsätzlich geneigt waren, den neuen christlichen Glauben anzunehmen, es aber sehr schwierig war, sie davon zu überzeugen, von ihren alten heidnischen Bräuchen komplett zu lassen. Dadurch wurde "Samhain" als Vorabend zu Allerheiligen am 1.November allmählich der Wind aus den Segeln genommen, und die Menschen mussten sich nicht allzu sehr in ihren Feieraktivitäten umstellen.

Der "Samhain-Brauch" lebte weiter und wurde von in Amerika lebenden Protestanten, hauptsächlich Iren, im 16. Jahrhundert als "All Hallowed Evening", verkürzt Halloween, wieder aufgenommen.

Nun scheint ein bei uns in Mitteleuropa ursprünglich beheimatetes keltisches Fest, wenn auch in einer etwas veränderten Form, eine Wiedergeburt mit anderem Namen zu finden.




Michael Winter, Graz
erschienen am Di, 31.10.
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