Mo, 20. November 2017

Verunsicherung

14.03.2017 07:30

Junge Generation sucht Halt

Eine Studie zeigt, mit welchen Problemen sich die Jugend herumschlagen muss. Mit Pessimismus und Ängsten blickt sie auf die Zukunft der Gesellschaft. Terror, Krieg und Krisen sorgen für Verunsicherung.

Geplagt von Zukunftsängsten, auf der Suche nach Halt und Orientierung, überfordert von zu vielen Möglichkeiten dies belastet derzeit die Jugendlichen in Österreich. Eine Studie hat sich mit der Lebenswelt der 14- bis 29-Jährigen beschäftigt und zeigt auf, mit welchen Problemen die Jungen zu kämpfen haben.

Fake-News und soziale Medien sorgen für Verunsicherung
Seit der Jahrtausendwende fühlt sich die junge Generation mit Krisen konfrontiert. Nicht nur die Weltwirtschaftskrise, sondern auch Terror und die Kriege im Nahen Osten prägen das Weltbild der Jugendlichen. Zudem verstärken Filter in sozialen Medien, dass sie vor allem mit Negativem konfrontiert werden. Nicht zu unterschätzen sind auch weit verbreitete Fake-News (Falschmeldungen), die im Internet kursieren und für Verunsicherung bei den Jugendlichen sorgen.

Ohne Vertrauen in die Politik
Die Kinder- und Jugendpsychologin Maria Fraisl kann das Phänomen der Verunsicherung nur bestätigen. "Zudem haben junge Erwachsene wenig Vertrauen in unsere Politik", erklärt die Psychologin. Unter den Jugendlichen herrscht eine regelrechte Systemverdrossenheit. Dies spiegelt sich auch in der Studie wider. Lediglich 18 Prozent der Jugendlichen glauben an eine positive Zukunft der Gesellschaft. Daher auch der Wunsch von drei Viertel der Befragten nach Halt und Orientierung im Leben.

Zum einen sieht die junge Generation die Möglichkeiten durch Globalisierung und Digitalisierung positiv und ist fasziniert von den vielen Chancen, die ihnen eröffnet werden. Gleichzeitig sind sie von den zahllosen Möglichkeiten überfordert. Gekoppelt ist dieses Gefühl der Überforderung mit großen Zukunftsängsten und Unsicherheit. Die Elterngeneration reagiert auf die Gefühlswelt ihrer Kinder meist mit Unverständnis. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich viel geändert. "Die heutige Elterngeneration hatte ganz andere Startvoraussetzungen", erklärt Norbert Neuwirth, Forscher am Österreichischen Institut für Familienforschung im Interview (unten).

Die Jugendlichen haben den Eindruck, dass es ihre Eltern viel leichter hatten, sich Familie und Eigentum aufzubauen. Die Eltern dagegen sehen zu, wie ihre Kinder eine bessere Ausbildung, oft an einer Uni oder Fachhochschule, genießen und verstehen den negativen Blick ihrer Sprösslinge nicht.

Forscher Norbert Neuwirth kann den Pessimismus der jungen Erwachsenen erklären. "Die heutige Jugend erreicht später als ihre Eltern finanzielle Unabhängigkeit und kann sich daher auch erst später eine stabile Umgebung schaffen", betont der Forscher. Das hat auch Auswirkungen auf die persönlichen Lebensphasen. Es zeigt sich, dass eine feste Partnerschaft erst viel später eingegangen wird. "Im städtischen Raum verschieben sich langfristige Beziehungen hinter die Altersschwelle 30", betont Neuwirth.

Trotz der Zukunftsängste und dem Pessimismus gegenüber der Gesellschaft sehen 61 Prozent der Jugendlichen ihre eigene Zukunft überraschenderweise viel optimistischer. Nach dem Motto "Ich selbst werde es schon schaffen!", blicken die jungen Erwachsenen mit Zuversicht in die Zukunft.

Interview mit Norbert Neuwirth, Forscher:

"Krone": Herr Neuwirth, wieso glauben unsere heutigen Jugendlichen, dass es ihre Eltern früher leichter hatten?
Norbert Neuwirth: Die jetzige Elterngeneration hatte es nicht durchgehend leichter aber sie hatte wohl andere Startvoraussetzungen. Die Wirtschaft war damals im Wachstum, der Lebensstandard war geringer. Daher hatte die Elterngeneration mehr Luft nach oben.

Wie haben sich die Startvoraussetzungen für Jugendliche während der letzten Jahrzehnte verändert?
Die Elterngeneration wechselte seltener den Job. In den 1990er-Jahren war es viel wahrscheinlicher, dass man vom Fleck weg einen Job bekommt. Heute folgt nach der Ausbildung eine lange Phase mit Praktika und man zeigt Flexibilität und Mobilität, wenn man oft den Beruf wechselt.

Welche Auswirkungen hat das auf die Jugendlichen?
Ihre Arbeitsumgebung ist aufgrund der hohen Flexibilitätsansprüche und der häufigen Wechsel weniger identitätsstiftend. Sie können sich heute seltener über den Job definieren. Eine stabile Umgebung ist schwerer zu schaffen.

Unsere Jugendlichen genießen eine viel bessere Bildung und schließen öfters als ihre Eltern an der Uni ab. Wieso hilft das nicht?
Die jungen Erwachsenen sind einem ganz anderen Arbeitsumfeld ausgesetzt. Nach der Ausbildung folgen, wie gesagt, oftmals Praktika, die schlecht bis gar nicht bezahlt sind. Das hat den Effekt, dass die Berufseinsteiger gleich mal ihre Lohnerwartungen nach unten schrauben. Eine stabile finanzielle Selbstständigkeit kann daher erst spät erreicht werden.

Kathi Pirker, Kronen Zeitung

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