Do, 26. April 2018

Serie: Teil 8

11.03.2017 13:43

In den Werkstätten für das Leben lernen

150 Arbeitsplätze bieten die Betriebe innerhalb des "Ziegelstadls" für die rund 500 Insassen. Von der Schlosserei bis hin zur Wäscherei ist alles dabei.

Im großzügigen Außenbereich der Justizanstalt Innsbruck wird rege geschuftet. Häftlinge in Arbeitsmontur tummeln vor den jeweiligen Werkstätten umher.

Die Schlosserei: Ein neun Meter langes Carport wird von einigen Häftlingen gerade gefertigt, im Inneren des Betriebes tüfteln ihre "Arbeitskollegen". Auf einem Tisch ragt eine noch nicht fertige Metallstiege empor. "Ausgebildete Schlosser zeigen den Häftlingen jeden einzelnen Schritt. Denn es sind auch solche dabei, die noch nie in einer Schlosserei gearbeitet haben", verdeutlicht Raimund Höss, stellvertretender Leiter der JA.

Die Tischlerei: Es riecht nach Zirbenholz, etliche Säbelspähne liegen am Boden und zahlreiche Spanplatten sind aneinander gereiht. Auf der linken Seite sticht einem ein aus Holz angefertigter Balkon ins Auge. "Damit jeder weiß, dass hier das Reich der Tischler ist", sagt Höss.

Die Kfz-Werkstatt: Bereits vor der Tür steht ein Wagen neben dem anderen und wartet, bis die Häftlinge mit den Reparaturen beginnen. Und drinnen wird gerade ein Traktor auf Vordermann gebracht, der zur anstaltsinternen Landwirtschaft gehört. Doch auch im Inneren des "Ziegelstadls" gibt es viele verschiedene Arbeitsplätze:

Die Küchen: In der einen Küche werden die Gerichte für die Insassen gekocht, in der anderen die Speisen für die Bediensteten. "Das ist jener Betrieb, in dem mit insgesamt rund 40 Insassen die meisten beschäftigt sind", klärt Höss auf. Täglich werden drei Gerichte pro Tag für die Häftlinge zubereitet: Frühstück gibt es um 6 Uhr, Mittagessen um 11 Uhr und Abendessen um 17 Uhr.

Die Herausforderung für die Köche sind die diversen Ernährungsarten. Neben der Normalkost gibt es unter anderem noch rituelle, laktosefreie, fettlose, vegetarische sowie fischlose Kost. "Unser Essen schmeckt sehr gut und ist vielseitig. Vom Schweinsbraten und Schnitzel bis hin zum Kaiserschmarren gibt’s alles", sagt der Vize-Chef.

Die Wäscherei: Dutzende riesige Waschmaschinen befinden sich in diesem Raum, es duftet nach Waschpulver und Weichspüler. "Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass sich männliche Häftlinge mit der Arbeit in diesem Betrieb nicht leicht tun. Daher sind nur weibliche Insassen hier tätig", berichtet Höss.

Zusätzlich zu diesen fünf Werkstätten gibt es mitunter noch zwei Unternehmerbetriebe, einen großen Bauhof sowie eine Landwirtschaft.

Die Häftlinge haben in diesen Werkstätten auch die Möglichkeit, eine Lehre zu beginnen. "Wir haben schon Insassen beispielsweise zum Bäcker ausgebildet", erklärt der stellvertretende Leiter. Ein Problem ist hierbei allerdings der Zeitfaktor: "Bei uns sitzen Inhaftierte mit relativ kurzen Strafen ein. Eine Lehre über drei Jahre ist somit kaum möglich."

Auch einen Online-Shop bietet der "Ziegelstadl" an. "Doch da gibt es noch reichlich Luft nach oben. Produkte, die wir über diesen Shop tatsächlich verkaufen können, haben wir nicht allzu viele. Wir sind froh, dass wir die Bewältigung der Aufträge innerhalb der Justizanstalt schaffen", erklärt Höss.

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

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